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Die neue Lust am Jagen

Immer mehr Chiemgauer suchen die Entspannung mit Gewehr und Angel

Ein Reh in freier Wildbahn beobachten können: Für viele Männer und Frauen, die einen Jagdschein machen, steht das Naturerlebnis im Vordergrund. Laut Jägervereinigung Rosenheim geht dies einher mit einem gewachsenen Bewusstsein für Wildtier- und Umweltschutz.
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Ein Reh in freier Wildbahn beobachten können: Für viele Männer und Frauen, die einen Jagdschein machen, steht das Naturerlebnis im Vordergrund. Laut Jägervereinigung Rosenheim geht dies einher mit einem gewachsenen Bewusstsein für Wildtier- und Umweltschutz.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Die Saison in den Chiemgauer Wäldern und an den regionalen Gewässern ist eröffnet: Das will eine wachsende Zahl an Jägern und Fischern nutzen. Kursleiter wie Peter Flachsenhar vom Fischereiverein Unterhochstätt und Jäger Franz Sommer aus Prien kommen der hohen Nachfrage nach Fischerei- und Jagdscheinen kaum noch hinterher.

Traunstein/Grabenstätt/Prien – Raus in die Natur, bei Wind und Wetter, in die Wälder und an die Gewässer. Dafür reichen vielen Menschen Wanderschuhe und Fernglas nicht mehr. Gewehr, Jagdmesser und Angelruten sind inzwischen begehrte Begleiter, wenn es nach draußen geht. Auch im Chiemgau vermelden Jagd- und Fischereivereinigungen einen Ansturm auf die entsprechenden Kurse.

Deutschlandweit gibt es seit einiger Zeit immer mehr Jäger und Fischer. 2019 haben 388 529 Personen einen Jagdschein gelöst, 4100 mehr als 2018, so der Deutsche Jagdverband (DJV). 2020 waren es bereits 397 414 Personen.

Weitere Nachrichten aus dem Chiemgau finden Sie hier.

Rund 30 Prozent mehr Anfragen als noch vor zwei, drei Jahren bekommt zum Beispiel Franz Sommer, Jäger aus Prien und Erster Vorsitzender der Jägervereinigung Rosenheim: „Bei mir klingelt ständig das Telefon.“

Mehr Bewusstsein für Natur- und Umweltschutz

Ein neuer Jagdkurs für rund 30 Personen starte im September. Im Amt für Ernährung und Forsten in Kolbermoor könne man ihn coronakonform abhalten.

„Corona und die Folge der Pandemie, dass Menschen vermehrt in die Natur strömen, haben die Nachfrage aus meiner Sicht nicht wirklich erhöht“, erklärt Sommer, „es ist seit einiger Zeit eher generell ein wachsendes Bewusstsein für Umwelt und Naturschutz zu spüren, und der starke Wunsch speziell nach Wildtier-Erlebnissen“.

Dazu komme ein großes Interesse am Führen eines ausgebildeten Jagdhunds. Auch immer mehr Frauen meldeten sich zum Lehrgang an. Die neue Freude am Jagen freue auch die Jägervereinigung: „Merken wir allerdings, dass es jemandem nur um das Tragen der Waffe geht, verweigern wir die Ausbildung“, so Sommer. Das sei jedoch die Ausnahme.

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Was aber, wenn immer mehr Jungjäger hinaus in den Wald drängen, bei gleichbleibender Fläche und oft Jahrzehnte lang verpachteten Jagdgründen?

Jungjägern wird geholfen

Darum kümmere sich die Vereinigung intensiv, sagt Sommer: „Wir fragen regelmäßig bei den Jagdpächtern nach, ob sie Jungjäger mit in ihr Revier nehmen. Aber auch die Kursteilnehmer hören sich um nach Jagdgelegenheiten. Wer mit echtem Interesse den Schein macht, der hat früher oder später auch die Chance, zu jagen.“

Zum Jagdschein kämen die Männer und Frauen oft über den Anglerschein, weiß Peter Flechsenhar, Kursleiter beim Fischerverein Unterhochstätt aus Grabenstätt. Er bietet Vorbereitungskurse zur Fischereiprüfung an. „Definitiv“ merke man dort die gestiegene Nachfrage. Lief es schon 2020 auf „konstant hohem Niveau“, könnte der Verein 2021 ein Rekordjahr aufstellen, was die Zahl der Kursteilnehmer betrifft: „Wenn wir dürften.“

Zahl der Anträge steigt

Den Zahlen nach stellt die Untere Jagdbehörde des Rosenheimer Landratsamts – bis auf die Jahre 2020/21 – kontinuierlich mehr Jahres-, Jugend-, Ausländer-, Tages- und Falknerjagdscheine aus: 1056 (2013), 1079 (2015), 1152 (2017), 1246 (2019), 2020 pandemiebedingt 803 und heuer bis Anfang Mai 520. Aktuell sind im Kreis Rosenheim 1 751 genehmigte Jagdscheine um Umlauf. Laut Landratsamt lasse sich aus dieser Statistik noch kein Trend ablesen.

Denn es werde nicht zwischen erstmaligen Neuerteilungen, Verlängerungen oder Neuerteilung von „vollen“ Jagdscheinen unterschieden. Beim Landratsamt Traunstein bemerkt man einen leichten Anstieg an Jagdscheinen, die meisten würden für drei Jahre ausgestellt. Aktuell zählt man 1300 Anträge, wobei noch weitere laufende Anträge vorlägen und täglich neue einträfen. „Die Zahl wird sich also noch erhöhen.“

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2019 zählte das Bayerische Landwirtschaftsministerium gut 250 000 Fischereischeinbesitzer im Freistaat, aktuell seien es 300 000. 2020 habe Corona einen Strich durch die Prüfungs-Termine gemacht. Deswegen bestanden „nur“ 8 614 bayerische Jungfischer ihre Prüfung, während es 2019 und 2018 noch 8 777 beziehungsweise 9 012 waren.

Nicht der Erfolg beim Angeln zählt, sondern die Ruhe

Beim Fischereiverein Unterhochstätt laufen gerade die Anmeldungen für den Oktober/Novemberkurs, wenige Plätze sind noch frei. 30 Personen dürfen teilnehmen, das normalerweise vier Mal im Jahr. Gut und gerne könnte Flechsenhar jeden Kurs mit zehn Personen mehr bestücken. „Der diesjährige März-Kurs war schon im Oktober 2020 ausgebucht, das gab es noch nie“, erzählt er. Die meisten Teilnehmer seien zwischen 30 und 45 Jahren, „Frauen holen auf“.

Peter Flechsenhar, Kursleiter beim Fischerverein Unterhochstätt aus Grabenstätt, mit einem Heilbutt, geangelt in Norwegen.

Die Begeisterung fürs Fischen werde heute oft schon in jungen Jahren geweckt. „Wir betreuen im Landkreis eine der größten Jugendgruppen“, sagt Flechsenhar. 50 Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren waren es 2020.

Entspannung und Naturerlebnis beim Angeln

Warum entdecken immer mehr Menschen das Angeln für sich? Die meisten würden damit Entspannung und Naturerlebnis verbinden, ist Flechsenhars Beobachtung. Es ginge ihnen nicht darum, jedes Wochenende eimerweise Fisch mit nach Hause zu bringen, „sondern ein paar Mal im Jahr so richtig abzuschalten. Angeln ist ja fast schon meditativ“. Übrigens zählten Jagen und Angeln in Deutschland nicht zur Kategorie Sport, sondern zum Naturschutz.

„Die Verpflichtung zur Hege und Förderung eines gesunden Wildtierbestands gehören zu unseren Auflagen“, betont der langjährige Angler, der seinem Hobby schon in Norwegen nachging. Demnächst will er selbst den Jagdschein machen.

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