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Wie sieht Medizin der Zukunft aus?

Traunsteins Gesundheitsversorgung auf dem Prüfstand – Wirtschaft diskutiert mit Experten

Diskutierten über die Herausforderungen der Gesundheitsversorgung als Standortfaktor (von links): Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der Kliniken SOB AG, BGL-Landrat Bernhard Kern, Leitender Ministerialrat Andreas Ellmaier vom Gesundheitsministerium und Geschäftsführer Ivor Parvov von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft.
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Diskutierten über die Herausforderungen der Gesundheitsversorgung als Standortfaktor (von links): Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der Kliniken SOB AG, BGL-Landrat Bernhard Kern, Leitender Ministerialrat Andreas Ellmaier vom Gesundheitsministerium und Geschäftsführer Ivor Parvov von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft.
  • Axel Effner
    VonAxel Effner
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Corona hat allen gezeigt, wie wichtig ein funktionierendes Gesundheitssystem ist. Experten haben sich nun im Landkreis Traunstein über Entwicklungen auf dem Gesundheitssektor unterhalten. Wie wird die Medizin der Zukunft in Südostoberbayern aussehen?

Traunstein – Welche Faktoren bestimmen aktuell und in Zukunft die Gesundheitsversorgung in der Region Südostoberbayern? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Informationskreis der Wirtschaft (IdW) Traun/Alz bei einem gemeinsam mit der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) veranstalteten Diskussionsabend in Traunstein. Im Gespräch mit vier Experten erörterte IdW-Vorsitzender Stefan Neumann die aktuellen Herausforderungen.

Auf die Erfahrungen und Lehren aus der Corona-Pandemie im Landkreis Berchtesgadener Land ging Landrat Bernhard Kern (CSU) ein. Er teilt sich im Wechsel mit Landrat Siegfried Walch (CSU) aus Traunstein den Vorsitz im Aufsichtsrat der Kliniken Südostbayern AG (KSOB).

Im Fokus durch Pandemie

Die mit Covid-19 verbundenen Einschränkungen hätten die Bedeutung der regionalen Gesundheitsversorgung in den Fokus gerückt, sagt der Landkreischef. Als ein Grundpfeiler habe das Versorgungsnetz der Hausärzte deutlich an Profil gewonnen. Die Mediziner waren im Rahmen eines Pilotprojekts sehr früh in die Impfkampagne eingebunden.

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Der Landkreischef hob ebenso den landkreisübergreifenden Verbund der KSOB und die Fachärzteversorgung als wichtige Standortfaktoren hervor. Zukunftsweisend mit Blick auf die demografische Entwicklung sei die Einbeziehung des Berchtesgadener Lands in das Förderprojekt „Gesundheitsregion plus“ des Gesundheitsministeriums. In ihm geht es um eine engere Vernetzung von Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge mit der Pflege.

Mit mehr als 10 000 Beschäftigten und einer Bruttowertschöpfung von 439,9 Millionen Euro (2017) mache die Gesundheits- und Pflegewirtschaft im Berchtesgadener Land 14,1 Prozent der Wirtschaftsleistung aus.

Künftige Leitbranche?

Als „künftige Leitbranche in Bayern“ bezeichnete Leitender Ministerialrat Andreas Ellmaier vom Gesundheitsministerium die Gesundheits- und Pflegewirtschaft in Bayern. Sie sei mit 60 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung und 1,2 Millionen Beschäftigten (2019) ein wichtiger Wachstums- und Beschäftigungstreiber. Sie beschäftige dreimal so viele Erwerbstätige wie im Gastgewerbe und fast fünfmal so viele wie im Fahrzeugbau. Künftige Handlungsfelder sah Ellmaier in der ganzheitlichen Prävention und Rehabilitation, in innovativen und sektorenübergreifenden Pflegekonzepten sowie Innovationen bei der Versorgung.

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Ähnlich wie der Ministeriumsexperte sah auch Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der KSOB, eine zentrale Herausforderung der Zukunft im dramatischen Fachkräftemangel. Durch rapide steigende Fallzahlen gegenüber einer sinkenden Zahl nicht-ärztlicher Beschäftigter nehme die Belastung in Krankenhäusern ständig zu. Gretscher machte deutlich, wie die sechs Kliniken durch Mitarbeiter-Akquise im Ausland samt Integrationsbemühungen, eigener Aus- und Weiterbildung und Zusatzangeboten diesem Trend begegnen.

„Dickicht“ an Vorgaben

Erschwerend komme ein „wahres Dickicht“ zum Teil widersprüchlicher gesetzlicher Vorgaben, darunter auch die Fallpauschalen oder die Mindestmengenregelungen bei bestimmten Operationen, dazu. Gretscher zeigte die Herausforderungen auf, neben dem Trend zur ambulanten Versorgung, zur Digitalisierung sowie zunehmender Spezialisierung und zum Aufbau von Fachzentren im Klinikverbund die Einbettung kleinerer Krankenhäuser wie in Freilassing, Berchtesgaden und Ruhpolding passend zu gestalten.

Ivor Parvanov, Geschäftsführer und Leiter des Bereichs Sozial- und Gesellschaftspolitik bei der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, thematisierte die Lohnzusatzkosten aus Arbeitgebersicht. Diese dürften angesichts steigender Gesundheitsausgaben aus volkswirtschaftlicher Sicht „nicht über das normale Maß hinaus“ steigen.

Entlastung von Bürokratie gefordert

Für mehr Entlastung von Bürokratie durch Automatisierungssysteme sowie die Abrechnung von Behandlungsleistungen auch durch nicht-ärztliches Personal plädierte Sebastian Bähr in der Diskussion. Er praktiziert als Hausarzt im Haus der Gesundheit in Ruhpolding. Nur so ließe sich angesichts hoher Patientenzahlen auf Dauer ein geregelter Betrieb aufrechterhalten. Ellmaier entgegnete, hier sei vor allem der Druck junger oder weiblicher Ärzte auf die Standesorganisationen gefragt, deren betagte Vertreter oft mit Skepsis auf innovative Arbeitszeitmodelle und Digitalisierung reagieren würden.

Die „Vorbildwirkung innovativer Klinikverbünde“ auf ganz Bayern hob Ivor Parvanov heraus. Dr. Uwe Gretscher kritisierte die bürokratischen Schwierigkeiten durch „erhebliche Fördermittelbindungen“, die Innovationen vor Ort oft stark einschränken würden.

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