Gestickte Passionskrippe als Osterbotschaft aus Grabenstätt

Für die Kreuzigungsgruppe ihrer Passionskrippe setzt Heidi Gröbler derzeit die letzten Stiche an. Effner
+
Für die Kreuzigungsgruppe ihrer Passionskrippe setzt Heidi Gröbler derzeit die letzten Stiche an. Effner

Ostern steht vor der Tür, aber angesichts der Corona-Krise sind die Kirchentüren verschlossen. Während andernorts Vereine und Rechtsanwälte gegen die Zulassung von Gottesdiensten an einem der höchsten Festtage des Christentums klagen, geht Heidi Gröbler aus Grabenstätt einen anderen Weg.

von Axel Effner

Grabenstätt – Einem eher seltenen Hobby widmet sich Heidi Gröbler aus Grabenstätt: Sie stickt Krippenfiguren und hat sich jetzt eine Passionskrippe erarbeitet. Diese zeigt eine Kreuzigungsgruppe mit Maria und dem Apostel Johannes.

„Ich bin mir sicher, dass viele Leute die wegen Corona abgesagten Festgottesdienste mit Speisenweihe in großem Bedauern vermissen werden“, sagt Gröbler. Das von ihr gestickte Symbol des Leids soll deshalb mit Blick auf die Auferstehung zu einem Zeichen der Zuversicht und der inneren Verbundenheit mit allen Christen werden, erklärt sie. Auch in Zeiten der Quarantäne und sozialen Isolation soll so die Osterbotschaft Trost spenden.

Als Selbstständige in der Haus- und Familienpflege tätig

„Aktuell gibt es leider nicht so viel zu tun“, erklärt die gelernte Altenpflegerin. Als Selbstständige ist sie in der Haus- und Familienpflege tätig und betreut stundenweise Senioren und Demenzkranke. Da Letztere als Risikogruppen derzeit besonderen Schutz genießen, fehlen die Aufträge. Gröbler hat deshalb die Zeit zum Ausbau ihres Bestands an gestickten Krippenfiguren genutzt. „Soweit ich recherchiert habe, dürfte das landauf, landab ein wohl einzigartiges Hobby sein“, erzählt sie. Um die Jahreswende war eine von ihr gestaltete Weihnachtskrippe mit Stickfiguren auf einer großen Jubiläumsausstellung des Vereins für Krippen und religiöse Volkskunst Inn-Salzach auf der Burg in Tittmoning zu sehen. 5000 Besucher aus ganz Bayern und dem benachbarten Österreich pilgerten zu der Schau.

Lesen Sie auch Infiziert vom Krippenvirus

Bereits als Kind war die gebürtige Ruhpoldingerin fasziniert, wenn sie ihrem Onkel, einem Herrgottsschnitzer, bei der Arbeit zusehen konnte. Aus dieser Zeit rührt auch ihre tiefe Verbundenheit zum Glauben her. „Bei einer Ausstellung in Grabenstätt, bei der die Teilnehmer ihre Hobbys vorgestellt haben, machte mir damals ein Diakon Mut, mich öffentlich zu präsentieren“, erzählt sie. So kam auch der Kontakt zum Krippenverein zustande.

Bis eine der rund handtellergroßen Figuren fertig ist, dauert es gut 14 Tage. Den Großteil der Vorlagen für ihre Stickereien findet sie in aufwendiger Recherche im Internet. Rund 80 bunte Stickfiguren umfasst ihr Archiv inzwischen. Darunter finden sich Engel, Schafe und Hirten, die Heiligen Drei Könige, Maria und Josef, das Jesuskind in der Krippe, ein Kamel oder Ochse und Esel.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Weitere Beispiele sind auf ihrer Homepage zu sehen (https://handgestickte-kripperlfiguren.de.tl/). „Der Esel war mit seinen Körperumrissen und den spitzen Ohren die größte Herausforderung beim Sticken und Nähen“, erinnert sie sich. Nicht weniger aufwendig ist das Einarbeiten passender Gesichtszüge und der Handkonturen.

Bereits am Palmsonntag hat Heidi Gröbler eine Kleingruppe mit Esel und dem Lamm Gottes samt Siegesfahne fertiggestellt. Für die Kreuzigungsgruppe ihrer Passionskrippe setzt sie aktuell die letzten Stiche an. Das gesamte Werk soll ab Karfreitag auf ihrer Internetseite zu sehen sein. Ist ein Motiv komplett, näht die 50-Jährige auf der Rückseite Stoff in der passenden Farbe an, gibt Füllwatte sowie feinen Sand oder Reiskörner zum Beschweren der Figur hinein und vernäht das Ganze sorgsam.

Grabenstätterin kann auf lange Erfahrung zurückgreifen

Dabei kann die ehemalige Ruhpoldingerin auf eine lange Erfahrung zurückgreifen. „Ich habe damals in der Schule noch Nähen, Sticken, Stricken und Häkeln gelernt, das volle Programm.“ Zu ihren Lehrerinnen gehörte Maria Frömmel, die Mutter der beiden Pfarrersbrüder Peter und Paul Demmelmair aus Ruhpolding sowie Ingeborg Haßlberger, die Schwägerin von Weihbischof Bernhard Haßlberger.

Die Aussicht, dass ihre Osterkrippe auch anderen Zuversicht in schwieriger Zeit schenken kann, erfüllt die Großmutter von zwei Enkeln mit großer Freude.

Kommentare