Das Gesicht des Priener Bauhofs geht – Sepp Furtner verabschiedet

Sepp „Sewei“ Furtnerhat das Bauhof-Team fast 20 Jahre lang gelenkt. Unser Bild zeigt ihn beim Ferienprogramm.

Am Priener Bauhof ist eine Ära zuende gegangen. Nach 35 Jahren beim Markt Prien, davon fast 18 als Leiter des Bauhofs, ist Sepp Furtner, den alle nur „Sewei“ nennen, in den Ruhestand verabschiedet worden. Sein Nachfolger ist Richard Zettl. Der 58-Jährige war lange Jahre Furtners Stellvertreter.

Von Dirk Breitfuß

Prien –„Das Gesicht des Priener Bauhofs“ nannte Bürgermeister Jürgen Seifert Furtner bei der offiziellen Amtsübergabe im handverlesenen Kreis und mit Mundschutz im großen Sitzungssaal des Rathauses. Seifert lobte unter anderem das „hervorragende Organisationstalent“ und die Verlässlichkeit Furtners sowie dessen Fähigkeit, immer alle Menschen mitzunehmen.

Verlässlichkeit und gute Organisation

Der angehende Pensionär nahm das Lob stellvertretend für die ganze Bauhofmannschaft entgegen, denn: „Da kannst Du vorn stehen und den Hampelmann machen – ohne die Leute geht gar nix.“ Furtner sprach denn auch von der Bauhof-„Familie“.

Landwirtschaft und Hobbies

Er sei immer „sehr gern“ zur Arbeit gegangen. Aber auch der Ruhestand, in den er nun durch den Antritt des Resturlaubs wechselt, „fühlt sich gut an“. Langweilig wird dem vielseitigen Furtner sicher nicht. In der Landwirtschaft daheim in Bergham bereitet er 20 Stück Jungvieh aufs Almleben vor und kümmert sich um seine vier Rösser, von denen eins gerade ein Fohlen bekommen hat und ein zweites hochträchtig ist. Die beiden Schwiegersöhne, ebenfalls Landwirte, hätten auch schon Ansprüche angemeldet, erzählt Furtner im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung - und lacht.

Dass dem Bauhof-Chef einmal alles zuviel wird, hat wohl kaum einer je erlebt. Nach dem Motto „Irgendwas ist immer“ hat er zeit seines Arbeitslebens erledigt, was eben gerade anstand. Flexibilität gehörte immer zu seinem Selbstverständnis. Ob ein Schaden an einer Straße schnell repariert werden musste oder über Nacht Schneeberge von Straßen geräumt werden mussten, auf Furtner war immer Verlass.

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Am 1. Januar 1985 kam der gelernte Landmaschinenmechaniker als Saalwart für den damaligen großen Kursaal zum Markt Prien. Der heutige König Ludwig Saal war damals ein Sorgenkind, angebauten Hotel Charivari gab es noch einen Privateigentümer, der mit der Gemeinde überkreuz war und beim Faschingsball schon mal die Heizung oder bei einer anderen Gelegenheit das Wasser abdreht, erinnert sich Furtner heute noch lebhaft an nervenaufreibende Anfangsjahre.

Richard Zettl hat den Chef-Schreibtisch im Bauhof übernommen. Der 58-jährige Zimmerer war lange Jahre Furtners Stellvertreter. Berger

Aber schon 1987 konnte er in den Bauhof wechseln, wurde dort 2001 Vorarbeiter und im Herbst 2012 übernahm er als Nachfolger von Sebastian Hof die Leitung.

Die zweifellos anstrengendsten Tage unter seiner Verantwortung waren die Hochwasserkatastrophen, die Prien ereilten. Zweimal hielt die Prien die Rettungskräfte in Atem, 2013 brachte das Jahrhunderthochwasser des Chiemsees die Einsatzkräfte an ihren körperlichen Grenzen. Furtner erinnert sich lebhaft an vier Tage, an denen er und seine Männer praktisch durchgearbeitet haben. Schlaf habe er damals nur stundenweise im Auto gefunden.

Stolz auf die Modernisierung und den Ausbau des Bauhofs

Mächtig stolz ist „Sewei“ auf die Modernisierung und den Ausbau des Bauhofs vor einigen Jahren, denn den hatten er und seine Männer in Zusammenarbeit mit den Kollegen aus dem kommunalen Bauamt selbst geplant und umgesetzt – bis zu den selbstgezimmerten Büromöbeln, die den Vergleich mit teurer Schreinerware nicht scheuen müssen. Da ist es von großem Vorteil, wenn man Handwerker mehrerer Fachrichtungen in seiner Mannschaft hat. Beneidet wird Prien auch von nicht wenigen anderen Gemeinden um seinen Winterdienst. Er gilt weithin als Vorbild.

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Unzählige Male hat bei Furtner mitten in der Nacht der Wecker geklingelt, er hat aus dem Fenster geschaut und entschieden, was zu tun ist. Nicht selten begannen die Einsätze ab 3.30 Uhr, denn vor 6 Uhr müssen eigentlich mindestens die wichtigen Straßen im Zentrum und dorthin frei sein, unter anderem wegen dem frühen Unterrichtsbeginn an den weiterführenden Schulen.

Bürgermeister Jürgen Seifert (links) überreicht Sepp Furtner ein Abschiedsgeschenk. Hinten Florian Stoib, der neue stellvertretende Bauhof-Leiter.

Furtner hat vor allem den langen und schneereichen Winter 2005/2006 noch lebhaft vor Augen. 33-mal musste das Bauhof-Team damals in voller Stärke ausrücken. Zum Vergleich: In einem normalen Winter ist das etwa 15-mal erforderlich, erklärt sein Nachfolger Zettl. Bürgermeister und Verwaltung hätten dem Bauhof nie reingeredet, auch wenn der Winterdienst teuer wurde und hunderte Überstunden anfielen, sind Furtner und Zettl gleichermaßen dankbar über Vertrauen und Unterstützung aus dem Rathaus.

Rosserer, Trachtler und Theaterer

Der Neu-Pensionär muss in Zukunft nicht mehr mitten in der Nacht raus aus den Federn. Aber langweilig wird einem wie dem „Sewei“ nie. Landwirtschaft und Enkelkinder, die Rössler und die Trachtensache : Der umtriebige Ur-Bayer hat genug zu tun. Vor allem beim Trachten- und beim Pferdezuchtverein Prien ist Furtner ein unverzichtbarer Aktivposten - und das wird sicher noch lange so bleiben.

Nachfolger ist Richard Zettl

Sein Nachfolger ist Richard Zettl. Der 58-Jährige war lange Jahre Furtners Stellvertreter. Diesen Posten im 16-köpfigen Bauhof-Team wiederum übernimmt der 35-jährige Florian Stoib. Der gelernte Zimmerer ist seit neun Jahren bei Markt Prien angestellt.

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