Ein Gemüseacker kennt keine Grenzen: Nachhaltigkeit und Umweltschutz an Schule Unterwössen

Die natürliche Entwicklung unseres Gemüses auf dem Schulacker, das sollten die Unterwössner Schulkinder in einem grenzüberschreitenden Projekt erleben. Doch die Schulschließung wegen der Corona-Pandemie hielt die Kinder zunächst fern. So übernahmen die Lehrer – im Vordergrund Gertrud Nicklas und Hanns Ostermaier – die ersten, unaufschiebbaren Arbeiten in einer Gemeinschaftsaktion.
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Die natürliche Entwicklung unseres Gemüses auf dem Schulacker, das sollten die Unterwössner Schulkinder in einem grenzüberschreitenden Projekt erleben. Doch die Schulschließung wegen der Corona-Pandemie hielt die Kinder zunächst fern. So übernahmen die Lehrer – im Vordergrund Gertrud Nicklas und Hanns Ostermaier – die ersten, unaufschiebbaren Arbeiten in einer Gemeinschaftsaktion.

Säen, pflanzen, pflegen, ernten und essen: Das natürlichen Gedeihen von 30 Gemüsearten erleben die Kinder der Grund- und Mittelschule Unterwössen derzeit auf dem heimischen Schulacker. Mit diesem grenzüberschreitenden Projekt setzt die Schule weiter auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

Von Ludwig Flug

Unterwössen – Bei aller Ungewissheit in Zeiten von Corona hofft Projektleiterin Kerstin Vatterott-Fischer darauf, zukünftig vor allem Schüler der ersten Klassen in das Projekt einzubeziehen, „vielleicht auch welche der vierten Klasse“. Die Klassenlehrerin der 1a leitet das Projekt in Unterwössen. Daneben läuft das nachhaltige Bildungsprojekt in diesem Jahr an neun weiteren Schulen in Oberbayern, Niederbayern, Oberösterreich und Salzburg. Dahinter steht eine Arbeitsgemeinschaft aus dem gemeinnützigen Verein Ackerdemia, Klimabündnis Oberösterreich, Klimabündnis Salzburg sowie Bio Austria. Das EU-Programm Interreg förderte mit dem Land Oberösterreich und dem Land Salzburg das Vorhaben.

Als ein Rundschreiben des Schulamtes die Schulen im Landkreis über das Projekt informierte, sah Rektor Otto Manzenberger die Chance, an bisherige Schulprojekte zur Nachhaltigkeit und zum Umweltschutz anzuknüpfen. Immerhin fuhr die Grund- und Mittelschule für dieses Engagement bereits Auszeichnungen ein. Sie erhielt Anerkennung bis aus dem Kultusministerium Bayern.

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Andererseits erfordere ein solches Projekt einiges an Mehraufwand des Kollegiums, erklärt Rektor Manzenberger im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. „Auf meinen schüchternen Vorschlag in der Lehrerkonferenz war das Interesse groß. Frau Vatterott-Fischer erklärte sich spontan bereit, dieses Projekt zu leiten.“

Das Projekt habe sie gleich angesprochen, bestätigt Kerstin Vatterott-Fischer. „Ich finde, es trifft den Zeitgeist. Es hilft den Kindern der heutigen Konsumgesellschaft, sich der Natur und der Landwirtschaft bewusster zu nähern. Es wird für uns ein schönes Arbeiten in der Natur.“

Die Schulen erhalten Saat- und Pflanzgut und Unterstützung

chulrat Clemens Gruber unterstützte die letztlich erfolgreiche Bewerbung für das Projekt.

Die Schulen erhalten Saat- und Pflanzgut, Unterstützung bei den Pflanzungen, Fortbildungen und wöchentliche Newsletter sowie umfangreiche Bildungsmaterialien. Die vermitteln grundlegendes Wissen über Anbau und Pflege sowie über globale Zusammenhänge von Produktion und Konsum von Gemüse. Kerstin Vatterott-Fischer sieht das Vorhaben gut vorbereitet: „Die Projektträger versorgen uns fleißig mit netten, auf die Kinder zugeschnittenen Unterrichtsmaterialien vom Video bis zum Text.“ Besonders hebt sie den Verein Ackerdemia mit Dr. Christoph Musik hervor. Der betreut als Regionalmanager Südostbayern, Oberösterreich und das Salzburger Land.

Am praktischen Beispiel lernen die Schüler landwirtschaftliches Basiswissen. Sie erfahren, wie sich ihre Pflanzenwahl auswirkt. Sie erleben das Zusammenspiel von Boden, Wetter und Ernteerfolg. Nach der Ernte stehen die Überlegungen und Entscheidungen zu Verwendung und Vermarktung des biologisch gezogenen Gemüses an. So liefert der Gemüseacker Impulse für einen abwechslungsreichen Unterricht im Sachunterricht, Deutsch und Mathematik. Ziel der Aktion ist es, die Wertschätzung der Kinder und Jugendlichen für regionale und biologische Lebensmittel zu steigern. Das Projekt will gesundes Ernährungsverhalten verankern und wirtschaftliches Denken vermitteln.

Besondere Freude empfinden Rektorenkollegium über die Unterstützung, die das Projekt dem Umfeld der Schule erfährt. Kerstin Vatterott-Fischer, die Klassenlehrerin der 4b Isabelle Göhring und Hausmeister Mario Mahn legten den Acker an. Unterstützung für das Projekt gab‘s auch von einigen heimischen Betrieben.

Mikroskope und Laptop für die Erfolgskontrolle

Die Erfolge zu kontrollieren – dafür kommt der neuen Forscherhütte unmittelbar neben dem Schulacker besondere Bedeutung zu. Als jetzt die Gespräche über die zugesagte Photovoltaikanlage der Forscherhütte mit Ökomodell Geschäftsführer Wolfgang Wimmer stattfanden, wusste der Energiemanager des Ökomodells Hans Haslreiter von Fördermöglichkeiten. So erhält die Schule jetzt Mikroskope und Laptop für die Erfolgskontrolle auf dem Acker.

Der nächste Pflanztermin steht jetzt Ende Mai an. Dann werden die Kinder dabei sein.

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