Gemeinsames Trommeln in Grassau soll Menschen integrieren

Beim ersten Treffen der Trommelgruppe nach Corona war der Bann schnell gebrochen.
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Beim ersten Treffen der Trommelgruppe nach Corona war der Bann schnell gebrochen.

Verein Integer will Menschen durch eine offene Musikgruppe zusammenbringen und bei Asylbewerbern Sprachbarrieren überwinden. Das gemeinsame Erlebnis macht vieles möglich.

Von Tamara Eder

Grassau – Nur Zuhören ist nicht gewollt, Mitmachen lautete die Devise beim ersten Zusammentreffen der Trommlergruppe nach der Corona-Krise. Dem Aufruf folgten des Vereins „Interger“ in Grassau folgten über zehn interessierte Trommler aus dem Achental. Größtenteils mit ihren eigenen Trommeln standen diese erwartungsvoll in den Vereinsräumen.

Im großen Kreis und unter Wahrung der Hygienevorschriften warteten diese auf den Beginn der „Trommlerstunde“. Doch ein Trommelunterricht ist bei diesem Versuch, eine Trommlergruppe aufzubauen, nicht vorgesehen. „Wir wollen ein Experiment starten“, erklärte die Vereinsvorsitzende Uta Grabmüller. Den Versuch, eine Musikgruppe offenen Charakters aufzubauen, hat der Verein bereits vor Corona begonnen. Mit Corona musste aber auch dieser Versuch vorerst beendet werden. Sie informierte darüber, dass in der Grassauer Gemeinschaftsunterkunft 140 Schutzsuchende untergebracht seien, deren soziale Kontakte eingeschränkt sind.

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Die Sprachbarriere macht eine Kommunikation und Integration nicht einfacher. Es sei noch schwerer geworden, integrativ zu wirken, denn die Gemeinschaftsunterkunft ist für alle, die dort nicht wohnen, wegen der Corona-Pandemie gesperrt. Auch der Gemeinschaftsraum könne nicht genutzt werden. Der angebotene Deutschunterricht ist dort derzeit nicht mehr möglich. Die größtenteils vorhandene Perspektivlosigkeit und scheinbare Ausgrenzung machen den Asylsuchenden zu schaffen. Raus aus dem Alltag ist mit der Trommlergruppe möglich.

Eine interessante Zusammensetzung der Gruppe zeigte sich. Während einige nur einfach Lust aufs Trommeln hatten, brachten andere Erfahrung von bereits bestehenden Trommlergruppen mit. So wie Peter Biebl, der seit einigen Jahren Mitglied einer brasilianischen Trommlergruppe ist. „Mir macht es Spaß zu trommeln. Es reicht, wenn einer den Rhythmus vorgibt, erklärt er. Sogleich ertönten die ersten Klänge und die anderen Spieler übernahmen den Takt. Was dabei herauskam, hörte sich auch ohne vorheriges Proben sehr gut an. Eine kleine Melodie war ebenfalls zu hören. Begeisterte Gesichter in den Reihen, zeigten, dass der erste Bann gebrochen war. Auch staunten die Trommler nicht schlecht, als ein Asylbewerber zeigte, wie er die Djembé beherrscht. Gelernt habe er dies von älteren Trommlern, berichtete er. Er trommelte sowohl mit den Fingern als auch mit dem Handballen, was für einige Mitspieler ebenfalls neu war. Gespielt wurde auf Bongos, Djembén und Cajóns.

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Uta Grabmüller ist seit vielen Jahren in der Flüchtlingsarbeit engagiert. Sie hatte auch die Idee für eine Trommelgruppe. Der Aufbau einer offenen Gruppe gestaltet sich nicht einfach, zumal man nie wissen kann, wer nun kommt, erklärt sie. Doch das ist im Grunde für die Trommlergruppe nicht wichtig, sondern nur das gemeinsame Musizieren und die damit verbundene Kommunikation. Um beim Aufbau der Gruppe behilflich zu sein, hat der Verein zudem eigene Djembén beschafft, die ausgeliehen werden können. Das Stichwort lautet „Community Music“ und auf diesen Ansatz baut der Verein. Dessen Anliegen ist es, Menschen unterschiedlicher Herkunft, unabhängig von Alter, Geschlecht und musikalischer Fähigkeit in der Musik zusammenzuführen und somit auch zur Integration von Schutzsuchenden beizutragen.

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Voraussichtlich wird der Verein Integer in den nächsten Monaten ein neues Zuhause mit mehr Platz erhalten. Dann sei auch ausreichend Platz für die Musikgruppe, erklärte Grabmüller.

Der Anfang ist gemacht und bereits am 24. Juli wird sich die Gruppe erneut treffen. Wahrscheinlich werden die Trommler dann von einem Musikpädagogen, der sein Kommen bereits zugesagt hat, sowie einem brasilianischen Trommelkünstler und zudem von einem Musiktherapeuten verstärkt. Es dürfen sich auch weiterhin Interessierte melden und am Samstag, 24. Juli, ab 15 Uhr Teil des Projekts werden. Anmeldung beim Verein Integer unter Telefon 01 71/5 67 37 84 ist erwünscht. Bei der Anmeldung wird auch der Ort der Zusammenkunft bekannt gegeben. Dieser hängt wesentlich davon ab, wie groß die Gruppe sein wird.

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