Gemeinerat Bernau fordert mehr Lärmschutz an der Autobahn: Planung eine „Frechheit“

Der Weiler Hötzing liegt direk an der A8. Der Autobahnausbau sieht hier einen weiteren Fahrstreifen in Richtung Salzburg vor, der südlich erweitert werden soll (unten im Bild).
+
Der Weiler Hötzing liegt direk an der A8. Der Autobahnausbau sieht hier einen weiteren Fahrstreifen in Richtung Salzburg vor, der südlich erweitert werden soll (unten im Bild).

Im Rahmen des Planstellungsverfahrens zum sechsstreifigen Ausbau der A 8 hat de Gemeinderat Bernau eine Stellungnahme mit Forderungen erarbeitet. Er verlangt eine Neuuntersuchung der Lärmschutzmaßnahmen für dern Weiler Hötzing oberhalb des Bernauer Berges sowie eine Verbesserung des Schutzniveaus.

Von Elisabeth Kirchner und Heidi Geyer

Bernau –Konkret geht es in dem Verfahren um den Bereich zwischen Achenmühle und Bernauer Berg. Die Schwierigkeit: Hötzing grenzt an zwei Ausbauabschnitte, von denen jedoch im Moment nur der Bereich in Richtung Achenmühle ausgebaut werden soll und Teil des Planfeststellungsverfahrens ist. Wann der Abschnitt in Richtung Bernauer Berg erweitert werden soll, steht derzeit noch nicht fest.

Hötzing immer noch Provisorium

Für den derzeitig besprochenen Abschnitt wurden inzwischen erste Änderungen an den Planungen vorgenommen. Trotz dieser Änderungen, so Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU), bleibe Hötzing weiter ein Übergangsbereich und somit ein Provisorium, bis die Strecke in Richtung Salzburg ausgebaut wird. Und es sei auch „im Hinblick auf den Lärmschutz nicht die endgültige Lösung geplant“.

Denn der Lärmschutz bleibt laut Biebl-Daiber auf der Strecke: „Den Bewohnern von Hötzing ist nicht vermittelbar, warum für die geplante Übergangslösung zwar auf geeigneten Lärmschutz für die Menschen verzichtet werden soll, gleichzeitig aber für die Tier- und Pflanzenwelt hohe Summen zur Verbesserung der Beeinträchtigungen eingeplant werden.“

Lesen Sie auch Ausbau A8 bei Frasdorf rückt näher

Die Bürgermeisterin stellte dem Gremium den Beschlussvorschlag vor. So solle der Lärmschutz für Hötzing neu untersucht werden. Andernfalls würden „alle rechtlichen und gegebenenfalls auch politischen Möglichkeiten zur Verbesserung des Schutzniveaus eingesetzt“, kündigt die Gemeinde vorsichtshalber schon weiter Schritte an, falls sie mit ihren Forderungen kein Gehör finden sollte.

Die Fraktion der Grünen hatte hierzu weitere Einwände erarbeitet. Die drei Punkte stellte Severin Ohlert zusammenfassend vor. So solle die Gemeinde Bernau eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 km/h in Richtung Salzburg und auf 100 km/h in Richtung München am Bernauer Berg fordern. Die Gemeinderäte stimmten mit 18 zu null zu.

Großteil des Lärms kommt von Lkw

Eine Geschwindigkeitsbegrenzung sei allerdings laut Autobahndirektion Südbayern beim Lärm nicht hilfreich. „Ein Großteil des Lärms kommt nachts von Lkw und die fahren meist um die 80 oder 90 km/h. Da hilft auch Tempo 80 nichts“, sagt Sprecher Josef Seebacher auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung. Abgesehen davon sei dieser Aspekt weder Aufgabe der Autobahndirektion noch Teil des Planfeststellungsverfahrens.

Lesen Sie auch A8 am Samerberg: Schwerer Unfall mit 5 Fahrzeugen und 3 Verletzten

Im nächsten Einwand der Grünen hieß es, dass „der Ausbau der A8 im fraglichen Abschnitt überhaupt nicht in diesem Umfang notwendig“ sei und dass die Prognosen hinsichtlich der Verkehrsentwicklung überarbeitet werden müssen. Dies lehnten die Gemeinderäte mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit ab.

Der letzte Punkt betraf die Ausbau-Kosten, die nach Überzeugung der Grünen den Nutzen übersteigen. Ohlert bezieht sich auf Informationen der Bürgerinitiative „A 8 – Bürger setzen Grenzen“. Die Mehrheit der Gemeinderäte lehnte diesen Standpunkt dennoch mit 15 zu drei Stimmen ab.

Einigkeit bei Tempolimit

Gemeinderat Peter Pertl (CSU) ist selbst Anwohner in Hötzing, „Im Moment ist der Lärmpegel unzumutbar und sämtliche Grenzwerte werden überschritten.“ Seit 30 Jahren lebe seine Familie schon mit dem Lärm. Von Flüsterasphalt hält er wenig, Er fordert eine Lärmschutzwand oder einen Schutzwall. Allerdings liegen die Hötzinger Häuser in welligem Gelände einige Meter über dem Autobahnniveau.

Michaela Leidel (BL) schließt sich Pertl an: „Da muss Lärmschutz her.“ Jakob Müller (CSU) bezeichnete den gegenwärtigen Stand der Planungen gegenüber dem betroffenen Ortsteil als „Frechheit“.

Parallel hat auch die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU) eine Stellungnahme der Autobahndirektion Südbayern angefordert. Auch sie hält einen Lärmschutz für Hötzing für notwendig und ist deshalb in engem Austausch mit der Gemeinde, teilte Ludwigs Sprecherin Rosi Raab mit.

Kommentare