Antrag abgelehnt

Gemeinderat Seeon-Seebruck erlaubt nicht, aus einer Wohnung ein Feriendomizil zu machen

Seebruck ist begehrter Urlaubsort. Nach Auffassung der Freien Wählergemeinschaft Seebruck sollte der einheimische Wohnungsmarkt aber nicht unter der Umwidmung von Wohnungen in Ferienwohnungen leiden.
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Seebruck ist begehrter Urlaubsort. Nach Auffassung der Freien Wählergemeinschaft Seebruck sollte der einheimische Wohnungsmarkt aber nicht unter der Umwidmung von Wohnungen in Ferienwohnungen leiden.
  • vonGabi Rasch
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„Leben wo andere Urlaub machen.“ Dieser Werbeslogan trifft auch auf die Gemeinde Seeon-Seebruck zu. Aber in dem Tourismusort ist es um den Wohnungsmarkt für Einheimische schlecht bestellt. Nun setzt die Gemeinde ein Zeichen.

Seeon-Seebruck –Um ein Zeichen zu setzen, hat sich der Gemeinderat in seiner Sitzung im Truchtlachinger Bürgersaal dafür ausgesprochen, künftig ein Auge darauf zu werfen, dass ein bestehender Wohnraum keiner anderen Nutzung zugeführt werden soll. Ein erstes Signal setzte das Ratsgremium mit der Verweigerung des gemeindlichen Einvernehmens zugunsten einer beantragten Umwidmung einer Eigentumswohnung in eine Ferienwohnung.

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Antrag von Investor aus Dingolfing

Ursprünglich sollte der auf dem Verwaltungsweg von der Gemeinde Seeon-Seebruck abgesegnete Antrag der Fast Energy GmbH in Dingolfing nur bekannt gegeben werden. Die Gemeindeverwaltung hatte dem Antrag aus touristischer Sicht stattgegeben, zumal Ferienwohnungen grundsätzlich begrüßt und dort ausnahmsweise auch zulässig sind.

Gemeinderat beschäftigt sich mit der Verwaltungsangelegenheit

Die Freie Wählergemeinschaft Seebruck (FWG) vertrat aber die Auffassung, dass aufgrund der Bedeutung des Vorhabens der Gemeinderat darüber entscheiden sollte. In einem Antrag forderte sie, die Nutzungsänderung abzulehnen. Die Wohnung befindet sich in einem Wohnhaus mit drei Parteien in der Haushoferstraße in Seebruck. Nach den Erkenntnissen der FWG-Fraktion werden alle drei Wohnungen als Erstwohnsitz genutzt und bewohnt.

Ein neuer Mieter ließe sich problemlos finden

Die besagte Wohnung im ersten Stock soll von den bisherigen Besitzern an den jetzigen Antragsteller verkauft worden sein. Dabei handle es sich um eine große Drei-Zimmer-Wohnung und damit um wertvollen Wohnraum für den Ort, erklärt die Fraktionssprecherin und Dritte Bürgermeisterin Dr. Christine Kosanovic in dem Antrag. Wenn die bisherigen Bewohner ausziehen, lasse sich sicherlich problemlos ein neuer, dauerhafter Mieter finden. Denn viele Familien würden händeringend Wohnraum im Gemeindegebiet suchen, auch zur Miete und in dieser Größe.

Sorge um Verkleinerung des Wohnungsmarktes

„Uns geht es darum, ein Zeichen für den örtlichen Wohnungsmarkt zu setzen. Natürlich kann der neue Eigentümer die Wohnung für sich selbst nutzen, wie er will. Das ist ja klar“, so Kosanovic. Öffne die Gemeinde auch bei bestehenden Wohnungen immer mehr die Tür zur anderweitigen Nutzung, dann werde das Angebot immer rarer.

Keine Querfinanzierung oder Aufbau eines beruflichen Standbeins

Aus Sicht der FWG liege hier kein Fall vor, bei dem beispielsweise ein Einheimischer zur Querfinanzierung seines Eigenheims oder zum Aufbau eines echten beruflichen Standbeins eine Ferienwohnung zur touristischen Nutzung betreiben möchte. „Das wäre dann selbstverständlich anders gelagert“, betonte Kosanovic.

Gemeinde Seeon-Seebruck möchte Leerstand der Wohnung vermeiden

Vielmehr habe hier eine auswärtige GmbH die Räume in einem reinen Wohngebiet als Wohnung erworben. Der neue Eigentümer könne hier problemlos als Vermieter des Wohnraums agieren und damit auch Einnahmen erzielen. Bei einer Umwidmung sei jedoch zu befürchten, dass dauerhaft die Wohnung weder als Wohnraum noch als echte, touristische Ferienwohnung genutzt werde und damit jeglicher Nutzen für die Gemeinde entfalle. Eine Nutzung als gelegentliche Ferienwohnung, die zugleich wieder einen längeren Leerstand mit sich bringe, sei keinesfalls sinnvoll.

Keine schlüssige Begründung

„Wichtiger und hochwertiger Wohnraum sollte unserer Ansicht nach nicht ohne Not oder schlüssige Begründung aus dem ohnehin schon sehr begrenzten Angebot herausgenommen werden.“

Grünen-Sprecher Toni Mayer begrüßte den Antrag. Auch er forderte, endlich ein Zeichen zu setzen.„Die Wohnungssuchenden stehen schon Schlange.“ Gegen die Stimme von Sepp Daxenberger (CSU) wurde der Antrag der Freien Wählergemeinschaft abgesegnet, das gemeindliche Einvernehmen für eine Umnutzung der Wohnung in eine Ferienwohnung nicht zu erteilen. Die Stellungnahme mit der Begründung, dass der Gemeinde Wohnraum wichtiger erscheint, wird jetzt an das Landratsamt Traunstein weitergeleitet.

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