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Sozialer Wohnungsbau mit Bauchweh

Gemeinderat Prien spricht sich mehrheitlich für Bau von vier Wohnblöcken in Trautersdorf aus

In diesem Areal in Trautersdorf wollen der Landkreis Rosenheim und seine Wohnbaugesellschaft vier Mehrfamilienhäuser mit fast 50 Mietwohnungen bauen. Zur Orientierung: Der markante Bau rechts oben ist die Turnhalle der Freien Waldorfschule.
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In diesem Areal in Trautersdorf wollen der Landkreis Rosenheim und seine Wohnbaugesellschaft vier Mehrfamilienhäuser mit fast 50 Mietwohnungen bauen. Zur Orientierung: Der markante Bau rechts oben ist die Turnhalle der Freien Waldorfschule.
  • Dirk Breitfuß
    VonDirk Breitfuß
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Bezahlbare Mietwohnungen oder dörfliche Idylle? Auf diese Entweder-oder-Frage spitzten viele Marktgemeinderäte ihre Entscheidung zu, als es in der jüngsten Sitzung um den Bau von vier Mehrfamilienhäusern in Trautersdorf ging. Der soziale Aspekt setzte sich durch.

Prien –Der Landkreis Rosenheim und seine Wohnbaugesellschaft wollen auf ihrem eigenen Grund zwischen Bauernberger und Joseph-von-Fraunhofer-Straße vier Wohnblöcke bauen, die laut Priens Bauamtsleiter Thomas Lindner jeweils zwölf Wohnungen beinhalten sollen. Wie sehr das Vorhaben die Trautersdorfer beschäftigt, ließ sich nach der langen und kontroversen Diskussion unmittelbar nach der Abstimmung deutlich erahnen. Fast alle der zehn Zuhörer auf den reservierten Plätzen im König-Ludwig-Saal gingen nach diesem Tagesordnungspunkt.

Vier CSU-Räten war ein Haus zu hoch

Vier Marktgemeinderäte aus den Reihen der CSU stimmten gegen die Beschlussvorlage. Ihnen ging es ausnahmslos um den westlichsten der vier geplanten Baukörper unmittelbar an der Bauernberger Straße. Sie hätten ihn mit zwei Vollgeschossen und Dachgeschoss gerne eine Etage niedriger gehabt als die anderen drei Gebäude.

Eine Reihe anderer Räte berichtete von Bauschmerzen. Julia Niemeyer (Bürger für Prien), die selbst in Trautersdorf lebt, sprach von einer „sehr, sehr schwierigen Entscheidung“. Das „kleine, niedliche“ Trautersdorf werde seinen Charakter verändern. Trotzdem gab sie dem sozialen Aspekt den Vorzug.

Im Kommunalwahlkampf 2020 hatten sich vor dem Hintergrund explorierender Grundstückspreise und Mieten alle Parteien und Gruppierungen die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum auf die Fahnen geschrieben.

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Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) konnte die „innere Zerrissenheit ein wenig nachvollziehen“. „Auch wir haben großes Verständnis, mit drei von vier Baukörpern können wir leben“, sagte CSU-Fraktionssprecherin Annette Resch. „Wir brauchen für die Leute vor Ort bezahlbare Mietwohnungen.“

Auch Leonhard Hinterholzer (Grüne) begrüßte den sozialen Wohnungsbau des Landkreises. Peter Fischer (ÜWG) sagte voraus, dass die Optik Trautersdorfs wegen der starken Hanglage nicht so sehr beeinträchtigt werde wie von vielen befürchtet.

Zweiter Bürgermeister Michael Anner und Rosi Hell (beide CSU) berichteten von ihrem Bauchweh. Hell konnte sich, wie zuvor Niemeyer, einen Seitenhieb auf eine Reihe von Unterzeichnern einer Stellungnahme von Bürgern im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens nicht verkneifen, weil diese relativ weit weg wohnten und einige früher selbst Nutznießer von Nachverdichtungsprojekten gewesen seien.

Sorgen aus den Reihen des Gremiums um die Zukunft von Bewohnern des Altbestands an der Stelle, wo die Wohnbaugesellschaft Ende dieses Jahres einen Altbau abreißen und das erste neue Haus bauen will, zerstreute Friedrich. Es gebe eine einvernehmliche Lösung, versicherte der Bürgermeister.

Wann der Landkreis die gemeinsame Tiefgarage für das Quartier und dann die drei weiteren Mehrfamilienhäuser realisiert, ist derzeit noch offen.

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Angela Kind (Grüne) relativierte die Kritik an der Nachverdichtung. „Es gibt viel schlimmere Sachen in Prien“, verwies sie auf die derzeitige enge Bebauung des ehemaligen Jugendherbergsgeländes an der Carl-Braun-Straße mit drei Wohnblöcken und zehn Reihenhäusern. Gabi Schelhas (SPD) äußerte sich skeptisch, ob die neue Bebauung durch die Hanglage ansehnlicher wird.

Johannes Dreikorn (CSU) drückte schließlich aus, was so ziemlich alle Räte umtrieb. „Es ist eine unangenehme Entscheidung. Aber wir haben auch die Verpflichtung, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und müssen Prioritäten setzen. Wenn wir für Wohnraum sind, dann müssen wir uns auch mal von verschiedener Seite unangenehme Sachen sagen lassen.“

Der Grundsatzbeschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans als Rechtsgrundlage für die Pläne des Land kreises Rosenheim fiel bereits im April 2020. Die Räte waren nun durch die kritischen Stellungnahmen von Bürgern aus Trautersdorf und dem Umfeld sensibilisiert worden. Sie hatten ihre Sorgen vor Emissionen, mögliche Probleme mit dem Niederschlagswasser, die Verkehrszunahme, die Höhe der Gebäude und Auswirkungen auf Grundstückspreise als wichtigste Argumente ins Feld geführt.

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Bauamtsleiter Thomas Lindner erläuterte im Marktgemeinderat die Antworten der Verwaltung zu den Einwänden, die von Ämtern und Privatpersonen während der mehrwöchigen Auslegung des Bebauungsplanentwurfs im Zuge des Aufstellungsverfahrens eingegangen waren.

Die Erschließung über die dann 5,5 Meter breite Joseph-von-Fraunhofer-Straße zur geplanten Tiefgarage des neuen Quartiers mit 72 Plätzen hält er für ausreichend, eine massive Verkehrszunahme, wie von Anwohnern in einer Stellungnahme vorausgesagt, sei nicht zu befürchten.

Bezüglich der Höhe der geplanten Häuser verwies Lindner auf Bezugsfälle in der Umgebung, unter anderem auf zwei landwirtschaftliche Anwesen.

Die Entsorgung von Niederschlagswasser sei wegen der Bodenbeschaffenheit auf dem Grundstück selbst nicht möglich. Das habe eine Sickerprobe ergeben. Das Wasser könne aber unterhalb des Areals an der Joseph-von-Fraunhofer-Straße entsorgt werden.

Für das Gesamtvorhaben müssen einige Obstbäume weichen. Es sollen aber als Ersatz mehr neue Bäume gepflanzt werden, als es jetzt gebe.

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