Gemeinderat Bernau ringt um Höhe eines Werbepylons: 8,5 Meter sind zu viel

Neben dem Aldi-Markt in Bernau-Felden entsteht gerade ein dm-Drogeriemarkt. In dem Gebäude wird Platz sein für ein weiteres Geschäft. Alle drei wollen gemeinsam auf einem Pylon auf sich aufmerksam machen. Der darf nach dem Willen des Gemeinderats nicht höher als sieben Meter werden. Beantragt waren 8,5 Meter.
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Neben dem Aldi-Markt in Bernau-Felden entsteht gerade ein dm-Drogeriemarkt. In dem Gebäude wird Platz sein für ein weiteres Geschäft. Alle drei wollen gemeinsam auf einem Pylon auf sich aufmerksam machen. Der darf nach dem Willen des Gemeinderats nicht höher als sieben Meter werden. Beantragt waren 8,5 Meter.

Mit hauchdünner Mehrheit von 6:5 Stimmen quer durch die Fraktionen hat der Gemeinderat sieben Meter als maximal tolerierbare Höhe für einen Werbepylon an der Chiemseestraße festgelegt. Beantragt waren 8,5 Meter für einen Sammelpylon, der die Werbung für drei Märkte vereinen soll.

Von Dirk Breitfuß

Bernau

Gemeinden an der Autobahn stecken oft in  der Zwickmühle. Direkt an der A8 wohnen möchte niemand. Deshalb werden dort oft Gewerbegebiete ausgewiesen, um die wertvollen Flächen sinnvoll zu nutzen. Auch in Bernau haben sich im Laufe der Zeit immer mehr Unternehmen angesiedelt. Manche setzen zum Teil auf vorbeifahrende Reisende als potenzielle Kunden. Damit die Firmen wahrgenommen werden, brauchen sie auffällige und unübersehbare Werbeanlagen. Die wiederum können aber das Ortsbild auch verunstalten.

Neben der Aldi-Filiale nahe der Ausfahrt Bernau-Felden entsteht gerade ein Gebäude, in dem ein dm-Drogeriemarkt und ein namentlich noch nicht bekannter Fachmarkt einziehen werden. Auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung stand ein Antrag für einen 8,5 Meter hohen Pylon, der die Werbeschilder aller drei Märkte vereinen soll. Im Bebauungsplan „Irschen-Chiemseestraße Nord“ ist aber eine Obergrenze von sechs Metern für so genannte freistehende Werbeanlagen festgelegt.

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In der Diskussion im Rat ging es neben der Höhe auch um die Lichtemissionen. Das Gremium tagte Corona-bedingt in abgespeckter Ferienausschuss-Besetzung und mit durchgehender Maskenpflicht, um im Sitzungssaal des Rathauses die Abstände und Hygieneregeln einhalten zu können, Einstimmig plädierte der Rat dafür, festzulegen, dass die Werbeschilder spätestens eine Stunde nach Ladenschluss abgeschaltet werden, damit sie nicht die ganze Nacht leuchten.

Das Dilemma bei der Frage nach der Höhe: Einen Pylon gibt es schon. Dieser Werbeturm von Aldi hält sich an die Vorgaben des Bebauungsplans. Bei einer Ablehnung des Antrags läuft die Gemeinde Gefahr, Anträge für zwei weitere bis zu sechs Meter hohe Pylone für die künftigen Märkte auf den Tisch zu bekommen, die sie dann nicht ablehnen könnte. „Ich bin nicht begeistert, aber ich bin dafür, damit der Pylon der einzige bleibt“, formulierte Matthias Vieweger (CSU), was nicht wenige Räte dachten. Andererseits waren 8,5 Meter dann doch den meisten zu hoch. Unter anderem meldeten sich Severin Ohlert (Grüne) und Stefan Saur (WMG) zu Wort, um ihre Ablehnung deshalb zu formulieren. Auch Katrin Hofherr (SPD) gab als Ziel für einen Kompromiss vor: „So niedrig, wie es geht.“

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Die Maximalvariante von 8,5 Metern, die Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) zuerst zur Abstimmung stellte, fiel mit 4:7 Stimmen durch. Die alternative Version mit „maximal sieben Metern“ fand mit 6:5 eine knappe Mehrheit.

Pylone haben auch die Vorgängergremien des jetzigen Bernauer Gemeinderats immer wieder beschäftigt. So steht zum Beispiel in Sichtweite der dm-Baustelle, jenseits der Chiemseestraße am Feldener Kreisel ein Pylon, der laut Geschäftsleiterin Irmgard Daxlberger samt Unterbau elf Meter hoch ist. Er sei seinerzeit durch Einzelgenehmigung erlaubt worden. Einen Bebauungsplan, der Maximalhöhen definiert, gebe es dort nicht. Auf ihm werben die Textilfirmen eines Outlet-Centers.

Shell-Pylon an Ausfahrt Bernau

Am anderen Ortsende, an der Autobahnausfahrt Bernau, wirbt seit vielen Jahren unübersehbar der Mineralölkonzern Shell für seine Tankstelle. Als Burger King vor einigen Jahren in der Nähe baute, wollte die Fastfood-Kette einen sehr hohen Pylon bauen, um Kundschaft von der Autobahn anzulocken. Der damalige Gemeinderat lehnte das ab und sprach sich dafür aus, dass Burger King mit auf dem Shell-Pylon werben sollte. Daraus ist Daxlberger zufolge aber bis heute nichts geworden.

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