Problem bei Starkregen

Gemeinderat Bernau fordert Hausaufgaben ein - eine nicht ertüchtigte Stützmauer

Denkmalgeschützte Salinenbauten, der Hang und in der Mitte etwas nach hinten gesetzt der Neubau mit den Ferienwohnungen – die baulichen Herausforderungen als auch Vorschriften von Wasserwirtschaft und Denkmalschutz sind beachtlich.
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Denkmalgeschützte Salinenbauten, der Hang und in der Mitte etwas nach hinten gesetzt der Neubau mit den Ferienwohnungen – die baulichen Herausforderungen als auch Vorschriften von Wasserwirtschaft und Denkmalschutz sind beachtlich.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Unerledigte Aufgaben holten Ferienwohnungsbesitzer in Osterham ein: Sie wollen ein Gebäude aufstocken. Allerdings haben sie die Stützmauer um das Haus noch nicht ertüchtigt. Dies war von den Behörden bei der Baugenehmigung des Hauses in der Vergangenheit gefordert worden.

Bernau – Zum Hintergrund: Der Ferienwohnungsbesitzer ist noch im Rechtsstreit mit der Nachbarin. Die Bauverwaltung argumentiert jedoch, dass alternativ eine geänderte Planung (Tektur) die Lösung hätte sein können. Wegen dieser und anderer offener Angelegenheiten im Hintergrund sprach sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig gegen die Aufstockung aus.

Starkregen machte schon große Probleme

Die Agenda im Hintergrund quillt über. Zuletzt schwappte Anfang August 2020 der Starkregen wie eine Welle über das Anwesen herein. Der Hang hinter dem Haus rutschte ab und der denkmalgeschützte Salinenstollen unter einem der insgesamt drei Häuser brach teilweise ein, weshalb das Wasser von unten nach oben drückte.

Bebauung hätte im Nachhinein betrachtet besser vermieden werden sollen

Ob die geforderte Stützmauer hinter und seitlich des neuen Gebäudes Schaden verhindert hätte, kann im Nachhinein niemand sagen, erklärte Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Bauverwaltung argumentiert jedenfalls: „Aufgrund der Erkenntnisse ... muss gesehen werden, dass eine Bebauung an dem Standort im Nachhinein besser hätte vermieden werden sollen.“ Die Gefahrenlage durch zusätzliche Wohnbebauung zu verschärfen, werde der Situation nicht gerecht. Das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Rosenheim habe in seiner Stellungnahme schon im Satzungsverfahren auf die Gefahr von „wild abfließendem Oberflächenwasser“ hingewiesen.

Denkmalgeschützte Salinengebäude prägen das Ensemble

Das geplante Flachdach entspreche nicht unbedingt einer Gestaltung, die im Außenbereich verträglich sei, fuhr Biebl-Daiber in der Sitzung fort. Auch entspreche es nicht der Eigenart der näheren Umgebung, die unter anderem von denkmalgeschützten Salinengebäuden geprägt sei. Die Gestaltung müsste ohnehin mit der Denkmalschutzbehörde besprochen werden.

Aktuelle Situation absichern vor weiteren Baumaßnahmen

Das größere Problem sei aber die Lage am Bach und dem instabil gewordenen Hang. Der geplante Aufbau greife zusätzlich in den Hang ein. Die Neuverrohrung des Baches im Salinenstollen habe das WWA noch nicht klären können. „Bevor nun weitere zusätzliche Baumaßnahmen ausgeführt werden, sollte die aktuelle Situation abgesichert werden“, so Biebl-Daiber. Die Einschätzung des Geologen sei dringend erforderlich. Grundsätzlich stehe der Aufstockung an sich aus Sicht der Verwaltung nichts entgegen, argumentierte Biebl-Daiber. Die „ungeklärten Dinge im Hintergrund“ seien das Problem.

Aufstockung eine Stütze für den Hang?

Severin Ohlert (Grüne) sagte, er sehe „das Ganze nicht so dramatisch“. Die Aufstockung wäre eine Stütze für den Hang. Er plädierte dafür, eine Bernauer Familie zu unterstützen mit ihrem touristischen Angebot. Matthias Vieweger (CSU) dagegen hielt eine Zustimmung für die neuen Pläne ohne Gutachten für schwierig, ebenso, so lange alte Sachen nicht erledigt seien. Jakob Müller (CSU) sagte: „Wenn unten keine Statik da ist, kann man oben nicht drauf bauen.“

Aufstockung könnte Halt für den Hang sein

Auch Zweiter Bürgermeister Gerhard Jell (CSU) argumentierte, dass zuerst die „Hausaufgaben gemacht“ werden müssten. Einer ungesicherten Situation könne er nicht zustimmen.

Behörden haben Angelegenheit noch nicht erledigt

Irmgard Daxlberger betonte insbesondere in Bezug auf die noch ausstehende abschließende Beurteilung des WWA: „Da muss dringend eine Lösung her.“ Franz Praßberger (ÜWG) meinte dagegen: „Der Hang ist schon runtergekommen, von daher sehe ich nicht so sehr eine Gefahr.“ Die unerledigte Angelegenheit mit dem Stollen liege an den Behörden. Er sah wie Ohlert die Aufstockung eher als Halt für den Hang. Irmgard Daxlberger wies das Gremium noch darauf hin, dass die fünf Ferienwohnungen im Außenbereich theoretisch auch dauerhaft vermietet werden könnten.

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