An den Badeplätzen wird es eng

Gemeinde Prien greift durch: Boots- und SUP-Verbot am Polizeisteg in Osternach

Der Polizeisteg am Ende des Forellenwegs ist für viele Priener die erste Adresse, um abseits der Touristenströme ein Bad im Chiemsee zu nehmen. Heuer haben immer mehr Bootsbesitzer und Stand-up-Paddler dort ihre Sportgeräte zu Wasser gelassen. Es gab viele Beschwerden, Die Gemeinde hat deshalb ein Verbotsschild aufgestellt – über das sich nun die Anwohner beschweren.
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Der Polizeisteg am Ende des Forellenwegs ist für viele Priener die erste Adresse, um abseits der Touristenströme ein Bad im Chiemsee zu nehmen. Heuer haben immer mehr Bootsbesitzer und Stand-up-Paddler dort ihre Sportgeräte zu Wasser gelassen. Es gab viele Beschwerden, Die Gemeinde hat deshalb ein Verbotsschild aufgestellt – über das sich nun die Anwohner beschweren.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Weil immer mehr Bootsfahrer und Stand-Up-Paddler zum Chiemsee drängen, wird es an vielen Badeplätzen immer enger. An einem besonders bei Einheimischen beliebten Steg in Prien-Ostenach hat der Markt Prien jetzt reagiert und ein Verbotsschild aufgestellt.

Prien – Der Sommer klingt langsam aus, das Wasser im Chiemsee wird kälter. Vielleicht wird es deshalb jetzt ruhiger am Beschwerdetelefon im Rathaus. Dort hatten sich zuletzt vermehrt Schwimmer gemeldet und beklagt, dass am Polizeisteg am Ende des Forellenwegs immer mehr Kajak- und Kanufahrer sowie Stand-Up-Paddler ihre Boote und Bretter zu Wasser lassen. Die Gemeinde hat deshalb jetzt eigens ein Verbotsschild entworfen und aufgestellt –¨und erntet dafür wieder Beschwerden.

„Seit 39 Jahren lebe ich in Prien, und ich habe mich mit meinen Kindern und Enkeln über diesen Zugang zum See sehr gefreut. So konnten wir unser kleines Gummiboot, ohne das Auto zu benutzen, zu Wasser bringen, so wie es viele Priener tun, die keinen eigenen Steg besitzen“, klagt Irmgard Beckelmann in einer Mail an die Chiemgau-Zeitung. Das tun heuer aber zu viele.

„Alle Maßnahmen dort einzuhalten ist unmöglich“

Aber der Reihe nach: „Wie die Leserin richtig erkannt hat, erfreut sich der sogenannte Polizeisteg einer sehr großen Beliebtheit in der Bevölkerung. Nun haben wir aber Corona. Das bedeutet, wir halten Abstand, nehmen aufeinander Rücksicht und vermeiden Menschenansammlungen. Diese ganzen Maßnahmen am Polizeisteg einzuhalten, ist unmöglich“, schildert Martin Plenk das Dilemma.

Der Leiter des Ordnungsamtes im Rathaus berichtet von sehr vielen Beschwerden, weil das Gedränge an dem beliebten Badeplatz im Corona-Sommer immer größer wurde. Im Gegensatz zu Stegen in bewirtschafteten Strandbädern, wo die Gemeinde Einbahnregelungen verhängen musste, weil die Bretter zu schmal für den Mindestabstand sind, müssen die Besucher das am Polizeisteg selbst untereinander regeln.

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Das hat offenbar nicht zur Zufriedenheit aller funktioniert. Die Gemeinde reagierte auf die Beschwerden zunächst mit einem Schild, auf dem den Badegästen die wichtigsten Hygieneregeln vor Augen geführt werden.

Einheimische Schwimmer beklagen sich

„Der Sommer ging weiter und die Probleme wurden nicht weniger“, resümmierte Plenk. „Neu war, dass jetzt neben den Campern auf em kleinen Parkplatz der Polizeisteg zum SUP-Zentrum wurde. Es gab deshalb Beschwerden aus allen Bevölkerungsschichten. Der Steg sei nicht mehr für normale Schwimmer nutzbar; schildert der Leiter des Ordnungsamtes. Der Abstand könne nicht mehr gewahrt werden, wenn ein SUP auf dem Steg liege, hätten sich mehrere einheimische Schwimmer beklagt.

Weil offenbar immer mehr Boots- und Paddelbrettbesitzer ihre Sportgeräte am Steg vorbei ins Wasser gebracht hätten, sei ein relativ breiter Trampelpfad parallel zum Steg im streng geschützten Uferbereich entstanden.

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Plenk appelliert im Namen des Marktes Prien den nahegelegenen, offiziellen Platz zum Einwassern am Strandbad Rimsting zu nutzen. „Wenn sich ein Trend dahingehend entwickelt, dass es Beeinträchtigungen auf anderer Seite ergibt, dann muss eingeschritten werden; begründet er die letztliche Entscheidung, ein Verbotsschild zu entwerfen und aufzustellen. „Unter Berücksichtigung der grundsätzlichen Coronaschutzbestimmungen ist der Steg bei entsprechender Frequentierung von SUP-Nutzern und normalen Schwimmern nicht mehr nutzbar“, warnt Plenk vor einem möglichen weitergehenden Verbot.

Schwimmerin Irmgard Beckelmann kann das nicht verstehen. „Warum freuen wir uns nicht darüber, dass viele Menschen, Priener und Urlauber, Sport treiben, Spaß haben und den See genießen. Meine aufrichtige Bitte ist: Entfernt dieses Verbotsschild.“

Verbotsschild hat rechtlich keine bindende Wirkung

Das haben inzwischen auch zahlreiche Priener aus Osternach gefordert, berichtet Plenk über negative Reaktionen von Boots- und SUP-Besitzern.

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Bei der ganzen Aufregung ist eins bisher außen vor geblieben: Das gemeindliche Verbotsschild hat rechtlich keine bindende Wirkung, bestätigte Wolfgang Schlemer von der örtlichen Polizeiinspektion auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung. Das Schild kann also nur als dringender Appell verstanden werden. Rücksicht und Vernunft sind weiter das Gebot der Stunde.

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