Gemeinde kämpft fürs alte Dach

Die alten Dächer über den Priener Bahnsteigen stehen seit 1909. Sie verleihen dem Bahnhof einen besonderen Charme. Foto db
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Die alten Dächer über den Priener Bahnsteigen stehen seit 1909. Sie verleihen dem Bahnhof einen besonderen Charme. Foto db

Im Kampf um den Erhalt der alten Dächer über den Bahnsteigen hat die Marktgemeinde jetzt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer um Hilfe gebeten. Wie berichtet, hält die Bahn die Dächer für marode und nicht sanierungsfähig. Bürgermeister und Verwaltung sind vom Gegenteil überzeugt.

Prien - Die alten Dächer verleihen dem Bahnhof einen besonderen Charme und unterscheiden ihn von den allermeisten anderen. Getragen werden die Überdachungen von gusseisernen, verschnörkelten Säulen. An einigen hat in jüngerer Vergangenheit Rost angesetzt.

Die Bahn hält die Dächer für nicht sanierungsfähig und will sie beim Umbau des Bahnhofs, der für die erste Hälfte des Jahres 2014 angestrebt wird, abbauen und voraussichtlich durch Standardüberdachungen ersetzen. "Zur Baumaßnahme gehört die Erneuerung der Bahnsteigdächer", hatte ein Bahnsprecher erst vor wenigen Wochen auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung bekräftigt.

Bürgermeister Jürgen Seifert und der Marktgemeinderat hatten schon im vergangenen Jahr Position für den Erhalt der Dächer bezogen. In der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats setzte Seifert das Gremium davon in Kenntnis, dass er sich nun mit einem Schreiben an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer gewandt und ihn um Unterstützung gebeten habe. Den Wortlaut des Briefs wollte er aber nicht veröffentlicht wissen. Vom hohen Mandatsträger, der ja aus dem Chiemgau kommt, erhofft man sich im Rathaus Schützenhilfe in der Diskussion mit der Bahn.

Seifert und seine Bauverwaltung haben nun noch ein weiteres Pfund in die Waagschale geworfen. Sie widersprechen der bisherigen Darstellung der Bahn, die Dächer seien nicht sanierungsfähig. Laurentius Fischer von der Bauverwaltung und Architekt Eberhard von Angerer, der die Marktgemeinde federführend bei den Projekten unterstützt, die in einem Städtebauförderprogramm bezuschusst werden, stünden mit Firmen in Kontakt, die sich in der Lage sehen, die Dächer zu sanieren und so zu erhalten. Und nicht nur das: Dieses Unternehmen würde sogar die beiden Säulen, die von der Bahn zwischenzeitlich bereits entfernt wurden, originalgetreu nachgießen, sagte der Bürgermeister.

Alternativ könnte die gesamte Überdachung auch originalgetreu nachgebaut werden, ergänzte Fischer auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung.

Zwei Säulen waren vor Jahren schon dem Bau der beiden lang ersehnten Aufzüge zum Opfer gefallen. Sie sollen seinerzeit verschrottet worden sein.

"Wir haben politisch, technisch und auf dem Verwaltungsweg alles in Bewegung gesetzt", unterstrich Seifert seine Entschlossenheit, in der Diskussion mit der Bahn nicht nachgeben zu wollen, auch wenn die Dächer nur ein Teilaspekt im Gesamtpaket zur Umgestaltung von Bahnhof und Umfeld sind, über das Gemeinde und Bahn seit Jahren verhandeln und das durch die Zusage von Städtebaufördermitteln Ende 2012 eine neue Dynamik bekommen hat (wir berichteten).

Die Priener ist "eine der letzten historischen Bahnhofsüberdachungen in Oberbayern", umschrieb Seifert den ideellen Wert der Konstruktion. Die räumlich am nächsten gelegene, vergleichbar alte Überdachung von Bahnsteigen findet sich in Salzburg.

In der Diskussion im Marktgemeinderat ging Seifert auf den Vorschlag aus dem Gremium, die Dächer notfalls der Bahn abzukaufen und auf eigene Kosten zu sanieren, nur indirekt ein. Es gehe dabei um eine extrem hohe Summe, deutete er an, dass dies wohl finanziell in keinem Verhältnis zu der Alternative steht, gegebenenfalls doch die Entscheidung der Bahn akzeptieren zu müssen.

Die Priener Bahnsteigdächer stehen seit über 100 Jahren in der heutigen Form, weiß Kreisheimatpfleger Karl Aß. Sie wurden 1909 aufgestellt, als der Bahnhof der Marktgemeinde in großem Stil umgebaut wurde. Die Form der Säulen ist sogar noch älter, sie datiert aus dem späten 19. Jahrhundert. Wahrscheinlich hatte die Bahn damals noch Restbestände, die in Prien Verwendung fanden.

Der Umbau des Bahnhofs hat übrigens noch an anderer Stelle Spuren hinterlassen. Bis 1909 lag der Bahnhof der Chiemseebahn auf der westlichen Ortsseite der Bahnlinie Rosenheim-Salzburg. Die Bockerlbahn musste auf ihrer gemütlichen Fahrt in Richtung Chiemsee die Gleise der durchfahrenden Züge kreuzen.

Vor 103 Jahren wurde der Chiemseebahnhof verlegt und eine erste Unterführung als Zugang zum zweiten Bahnsteig gebaut. Mit dem Aushubmaterial wurden die Schären in Stock aufgeschüttet.

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