Gemeinde hilft Ruhpoldings Gastwirten: „Corona ist wie Weihnachten ohne Schnee“

Wie gastronomische Betriebe derzeit mit den Platzverhältnissen im Außenbereich zurechtkommen, darüber informierte sich Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer (links) bei Kristina Gastager und Michael Scheurl vor dem Café an der Hauptstraße.
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Wie gastronomische Betriebe derzeit mit den Platzverhältnissen im Außenbereich zurechtkommen, darüber informierte sich Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer (links) bei Kristina Gastager und Michael Scheurl vor dem Café an der Hauptstraße.

Mittlerweile machen einige gastronomische Betriebe von der Möglichkeit Gebrauch, zusätzlich auf gemeindliche Flächen zur Bewirtung ihrer Gäste zurückzugreifen. Schon in Sachen Steuern und Fremdenverkehrsabgabe zeigt sich die Gemeinde kulant.

Von Ludwig Schick

Ruhpolding – Um die Vorteile einer Ausweitung in nächster Zeit nutzen zu können, vor allem in Hinblick auf die bevorstehende Sommersaison, bedarf es nur eines formlosen Antrags bei der Gemeindeverwaltung (wir berichteten).

Die Eingaben werden dann im Einzelfall zügig geprüft und bearbeitet, wie es aus dem Rathaus heißt. Die Antragstellung ist auch in der Folgezeit weiterhin möglich.

Kommune stundet Steuern

Die Kommune kommt den Betrieben seit Wochen durch die Stundung der Gewerbesteuer sowie des Kur- und Fremdenverkehrsbeitrags entgegen. „Die Regelung für das zusätzliche Sitzflächenkontingent ist ein weiterer Mosaikstein, um unsere Gastronomen flexibel und unkompliziert zu unterstützen,“ erläuterte Bürgermeister Justus Pfeifer die unbürokratische Maßnahme. Jedenfalls ist es wünschenswert, wenn man so entstandene finanzielle Einbußen wenigstens im Ansatz etwas abfedern könnte, so Pfeifer.

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Unsere Zeitung hat sich stichprobenartig bei einigen Wirten und Hoteliers in der Hauptstraße umgehört, ob und wie sie die Lockerungen, sofern es sie überhaupt betrifft, in ihr betriebliches Konzept umsetzen werden.

Grundsätzlich beurteilten alle Befragten die gemeindliche Offerte zu mehr Spielraum als positives Signal. Renate Wolf, die seit Januar vergangenen Jahres das kleine Bistro-Pub Renate 2 an der Johannesbrücke gepachtet hat, findet es ausgesprochen gut, dass man sich im Rathaus Gedanken über das Gastgewerbe und seine derzeitige Situation macht.

Hälfte der Sitzplätze fällt weg

Ihr kleiner Gastgarten lässt sich allerdings nicht großartig ausweiten, höchstens um zwei Tische. Die Option dafür lässt sie sich momentan offen, zumal es noch nicht absehbar ist, wie sich die aktuell beschlossene Innenbereich-Lösung sowie weitere Lockerungen entwickeln werden. Über bedeutend mehr Freischankflächen verfügt Konditormeister Wolfgang Heigermoser vom Café Chiemgau, auch wenn durch die gebotene Abstandsregelung die Hälfte der Sitzplätze wegfällt.

Als langjähriger Gemeinderat und zugleich Betroffener liegt ihm das Wohl der örtlichen Gastronomie zwangsläufig am Herzen. Er geht davon aus, dass er mit seinem Café die kommende Sommersaison auch so bewältigen kann. „Sollte der Ansturm wirklich zu groß werden, können wir zeitnah reagieren und bei Bedarf auf den hauseigenen Parkplatz ausweichen,“ sagt Heigermoser. Er denkt mit vorsichtigem Optimismus an die kommenden Monate.

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Nennenswerte Platzprobleme sehen auch Rudi und Agi Rechl vom Hotel zur Post nicht auf sich zukommen, zumal die komplett neu gestaltete Dachterrasse über dem Bar- und Lounge-Bereich rechtzeitig zur Sommersaison wieder zur Verfügung steht.

Die Modernisierung hatte sich zeitlich etwas verzögert, weil es eine Herzensangelegenheit des Hoteliers-Ehepaars war, erst einmal dem Direktvermarkter-Laden in der ehemaligen Metzgerei auf die Beine zu helfen. Wie sich gezeigt hat, eine richtige Entscheidung zugunsten des Nahversorgers, denn regionale Produkte sind gerade jetzt in Zeiten von Corona und den damit zusammenhängenden Einschränkungen sehr gefragt.

Ausfall nicht mehr zu kompensieren

Viel Geld in die Hand genommen hat vergangenes Jahr Kristina Gastager und kräftig in die „kleine Bäckerei Kreidl“ mit zeitgemäßem Café investiert. Dass ausgerechnet jetzt Corona auf der Bildfläche erscheint, hat der Konditorin und Betriebswirtin die Bilanz verdorben: „Das ist wie Weihnachten ohne Schnee und Gäste; den Ausfall kannst du nicht mehr kompensieren“, kommentiert Gastager, die den Betrieb mit Partner Michael Scheurl in fünfter Generation führt, die finanziellen Einbußen.

Für die zusätzlichen Freiflächen, die sie nach Absprache mit ihren Nachbarn nutzen kann, hat sie bei der Gemeinde Ruhpolding eine vorübergehende Gaststättenerlaubnis beantragt. Stolz ist die Betriebswirtin darauf, dass sie die schwierige Zeit ohne Kurzarbeit oder Kündigungen durchgezogen hat. „Das wird auch so bleiben“, versichert sie ihren motivierten Mitarbeitern.

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