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Gemeinde bezieht künftig ökostrom

Die Gemeinde Bernau will künftig mindestens die Hälfte ihres Bedarfes mit ökostrom decken. Sie zieht auch in Erwägung, sich nur noch Energie, die zum Beispiel Wasser- und Windkraftanlagen erzeugen, in ihre Häuser zu holen. Bislang kommt der Strom, den sie im Rathaus, im Haus des Gastes, im Hallenbad und in all ihren anderen Gebäuden benötigt, ausschließlich aus herkömmlichen Quellen - und damit auch aus Atomkraftwerken.

Bernau - Bislang bezieht die Gemeinde den Strom, den sie braucht, von Eon. Ende des Jahres läuft der Vertrag mit dem Unternehmen aus - und dann erhält die Kommune die Möglichkeit, ihre Gewohnheiten zu ändern. Und so viel steht jetzt bereits fest: Sie will künftig auch ökostrom geliefert bekommen.

In dieser Frage war sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung am Donnerstag einig. Offen ließ er jedoch noch, wieviel ökologisch erzeugte Energie er künftig beziehen will: 50 Prozent der benötigten Menge nimmt er ins Visier - vielleicht wird's aber auch noch mehr. Eine Entscheidung trifft das Gremium, wenn die Angebote vorliegen. Denn eins ist allen Gemeinderäten klar: Die Energie, die das Windrad erzeugt, ist natürlich teurer als die, die aus dem Atomkraftwerk kommt.

Bernau will einen neuen Stromliefervertrag abschließen, der dann vier Jahre gültig ist. EU-weit muss die Gemeinde - wie die Gesetzgebung jetzt vorschreibt - einen Anbieter suchen. Zwei Wege stehen ihr offen: In die europaweite Ausschreibung kann sie entweder alleine gehen - was jedoch nach Angaben von Bürgermeister Klaus Daiber einen "riesigen Aufwand" bringen würde - oder im Verbund mit anderen Kommunen im Landkreis Rosenheim.

Im Verbund mit anderen Gemeinden

Der Gemeinderat hat die Vogehensweise jetzt festgelegt: Bernau begibt sich auf letzteren Weg und nimmt das Angebot des Landratsamtes an, die Ausschreibung für die Kommunen zu übernehmen.

Ihren Ausgang nahm die Diskussion im Gemeinderat von einem Antrag, den Sepp Genghammer (Bündnis 90/Die Grünen) stellte. Er forderte, möglichst viel "grünen Strom" ins Haus zu holen. Der Strom, den die Gemeinde benötige, sollte seiner Ansicht nach ganz oder zumindest zu 50 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen wie Fotovoltaik-, Wind-, Biomasse- und kleineren Wasserkraftanlagen kommen. Im letzteren Fall sollte dann jedoch die andere Hälfte über die Kraft-Wärme-Kopplung entstehen, nicht jedoch über die Nutzung der Atomkraft und der Braunkohle. Die Gemeinde sollte ihre Energieversorgung, so Genghammer in der Begründung seines Antrags, "zukunftssicher und umweltverträglich gestalten".

Daiber sagte, dass er gegen eine ausschließliche Nutzung von "grünem Strom" sei, weil bislang nicht gewährleistet sei, dass diese Energie auch tatsächlich in vollem Umfang ökologich erzeugt werde. Er sei vielmehr für eine Versorgung je zur Hälfte mit öko- und mit "normalem" Strom. Nachbargemeinden hätten sich bereits für diese 50:50-Regelung ausgesprochen.

Philipp Bernhofer (Bernauer Liste) sagte, dass die Gemeinde Bernau vor einer Entscheidung stehe, die "Signalwirkung" auf die Bürger habe. Sie sollte sehr wohl auch in Erwägung ziehen, küntig sogar den gesamten Bedarf mit ökostrom zu decken. Grassau habe diesen Weg eingeschlagen. Die Zukunft liege in der regenerativen Energie.

ökologie, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit sind nach Ansicht von Christian Hügel (CSU) die Kriterien für die Entscheidung der Gemeinde. Unter dieser Maßgabe dürfe sie nicht alleine in die Auschreibung gehen, sondern müsse vielmehr - was sie jetzt auch macht - das Angebot des Landkreises annehmen und gemeinsam europaweit nach dem besten Angebot suchen. Gemeinsam sind die Kommunen laut Hügel stärker - und bekommen dann auch über eine größere Menge einen für die einzelne Kommune dann besseren Preis.

Zweiter Bürgermeister Matthias Vieweger (CSU) regte an - so dann auch der vom Gremium festgelegte Weg -, "zweigleisig zu fahren" und sich Angebote einzuholen, 50 Prozent beziehungsweise 100 Prozent ökostrom zu beziehen.

Auch Alexander Herkner (SPD) sprach sich dafür aus, sich jetzt "grünen Strom" liefern zu lassen. Die Gemeinde sollte einen "weiten Schritt wagen". Allerdings müssten die Anbieter von ökostrom überprüft werden.

Für den ökostrom muss die Gemeinde mehr bezahlen als für den "nomalen". Daiber schätzte gestern gegenüber der Chiemgau-Zeitung, dass die Kommune rund 1000 Euro oder wohl 1500 bis 2000 Euro mehr im Jahr bezahlen müsse, wenn sie ihren Bedarf zur Hälfte beziehungsweise ganz mit grünem Strom decke. Auch Gerhard Jell (CSU) ist gegen eine völlige Abkehr vom "normalen" Strom. Schließlich sei eine Deckung des Bedarfs zu 50 Prozent aus ökostrom "schon ein Risen-Schritt". pü

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