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AUS DEM GEMEINDERAT

Gemeinde Bernau bleibt nach Strombündelausschreibung bei Ökostrom

Ein Solarpark auf einer Freifläche östlich von Berlin. Zusammen mit Wind- und Wasserkraft sowie Biomasse oder Geothermie sind solche Photovoltaikanlagen wesentliche Ökostromlieferanten, auf die Gemeinden setzen.
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Ein Solarpark auf einer Freifläche östlich von Berlin. Zusammen mit Wind- und Wasserkraft sowie Biomasse oder Geothermie sind solche Photovoltaikanlagen wesentliche Ökostromlieferanten, auf die Gemeinden setzen.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Die neue Strombündelausschreibung führte im Bernauer Gemeinderat vor kurzem zu einer Grundsatzdiskussion. Mit 11:7 beschloss aber die Mehrheit, weiterhin „Ökostrom mit Neuanlagenquote“ beziehen zu wollen.

Bernau – Die „Kommunalberatung und Service GmbH“ (Kubus) mit Sitz in Schwerin führt solche Ausschreibungen im Bündel durch. Auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen erklärt das Unternehmen, dass die Ausschreibung vom Bayerischen Gemeindetag initiiert worden sei. Ziel sei, für eine große Zahl öffentlicher Auftraggeber in Bayern eine effiziente und wirtschaftliche Beschaffung von Elektrizität zu ermöglichen.

1500 öffentliche Auftraggeber vereint

Kubus betreue 750 Vertragspartner, welche sich noch in einzelne Auftraggeber unterteilen. Für die Lieferjahre 2023 bis 2025 nähmen 1500 öffentliche Auftraggeber teil.

Einer davon ist die Gemeinde Bernau. Der Gemeinderat befasste sich mit genau dieser Strombündelausschreibung für den genannten Zeitraum. Auf Nachfrage war aus dem Rathaus zu erfahren, dass die Gemeinde Bernau im vergangenen Jahr einen Stromverbrauch von rund 860 000 Kilowattstunden hatte, was Kosten in Höhe von rund 190.000 Euro verursachte. Aktuell werde der Strom von der E.ON Energie Deutschland GmbH bezogen.

Energie aus Wind, Wasser und Sonne

Der Vorschlag der Verwaltung lautete in der Gemeinderatssitzung, weiterhin den „Ökostrom mit Neuanlagenquote“ zu wählen. Dies bedeute, dass der Ökostrom zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien stamme. Er müsse in Anlagen erzeugt werden, die ausschließlich erneuerbare Energien, also etwa Wind, Wasser oder Sonne, nutzen.

Die Neuanlagenquote bedeute, dass mindestens die Hälfte der Anlagen neu sein müssen. Ursula Zeitlmann (Grüne) wollte wissen, was der Klimaschutzmanager des Landkreises dazu sage, immerhin sei Ökostrom nicht gleich Ökostrom. Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) meinte, dass lediglich zwischen drei Varianten entschieden werden könne.

Fast die Hälfte der Kommunen nehmen Normalstrom

Laut Firma Kubus besteht die Möglichkeit, zwischen Normalstrom, Ökostrom oder Ökostrom mit Neuanlagenquote zu wählen. Die Neuanlagen zur Stromerzeugung dürften bis Lieferbeginn bei Verwendung von Wind, Biomasse oder Solar bis zu vier Jahre alt sein sowie bei Wasserkraft und Geothermie bis zu sechs Jahre. Bei der letzten großen Bündelausschreibung für die Jahre 2020 bis 2022 hätten sich 49,5 Prozent für Normalstrom entschieden, 44 Prozent für Ökostrom und 6,5 Prozent für Ökostrom mit Neuanlagenquote.

Hauptamtsleiterin Irmgard Daxlberger verwies in der Gemeinderatssitzung darauf, dass die Alternative eine eigene Ausschreibung der Gemeinde sei: „Ich glaube, das haben wir nicht im Kreuz. Wir würden keine besseren Preise bekommen.“

Eigene Ausschreibung zu aufwändig

Pia Ostler (Grüne) meinte, dass es noch andere Kriterien gebe bei der Auswahl der Strombeschaffung. Die Bürgermeisterin wiederholte, dass die Gemeinde die Ausschreibung dann selbst in die Hand nehmen müsse und sie sei sich nicht sicher, ob sie nicht sogar europaweit ausschreiben müsste.

Peter Pertl (CSU) stellte die Sinnhaftigkeit der Neuanlagenquote in Frage: „Da setzt man kleinere Anlagen unter Druck und fördert die Großanlagen.“ Biebl-Daiber erklärte, ein Drittel der Anlagen dürfe nicht älter als 20 Jahre alt sein. Jakob Müller (CSU) argumentierte, dass damit Müll produziert werde. Auch ältere Anlagen seien oft noch wirtschaftlich zu betreiben. Biebl-Daiber verwies darauf, dass es auch den Tarif Ökostrom ohne Neuanlagenquote gebe.

Kleine Anlagen für Eigenverbrauch

Severin Ohlert (Grüne) sagte, dass nur 50 Prozent der Anlagen neu sein müssten und kleinere Anlagen häufig dazu dienten, Eigenverbrauch zu decken. Das übergeordnete Ziel sei die Energiewende in Deutschland. Von daher passe die Neuanlagenquote.

Gemeinsame Ausschreibung ist eine Preisfrage

Zeitlmann betonte erneut, dass sie es für wichtig halte zu wissen, woher der Strom bezogen werde. Sie würde gerne mehr darüber wissen. Die Bürgermeisterin gab erneut zu bedenken, dass es eine Preisfrage sei, wenn die Gemeinde Bernau die Strombeschaffung als einzige anders mache.

Daxlberger schlug vor, das Thema bei der nächsten Ausschreibung in zwei Jahren ausführlicher zu beleuchten. Aktuell sei eine Frist einzuhalten. Dem kam das Gremium mit seinem Beschluss dann auch nach.

Starker Wettbewerb und bessere Preise durch gemeinsame Ausschreibung:

Die Kubus GmbH begleitet nach eigener Aussage seit 15 Jahren Ausschreibungen von Strom- und Gaslieferleistungen. In enger Abstimmung mit dem Bayerischen Gemeindetag werde das Verfahren vorbereitet, koordiniert und durchgeführt. Durch die große Anzahl von Auftraggebern könne ein attraktives Los gebildet werden, das für eine Vielzahl von seriösen Anbietern interessant sei. Dies führe im Ergebnis zu einem starken Wettbewerb und guten Preisen.

Ausschreibung in Abstimmung mit dem Bayerischen Gemeindetag

Die Firma Kubus erstelle für die Kommunen das Leistungsverzeichnis und die -beschreibung. Dann werde der Auftrag bekannt gemacht, Lieferfirmen werden aufgefordert, ihre Angebote vorzulegen. Bieter müssten Eigenerklärungen ausfüllen. In enger Abstimmung mit dem Bayerischen Gemeindetag werde laut Kubus schließlich das Ausschreibungsverfahren an sich durchgeführt. Im Zuge dessen müssten beispielsweise Termine gesetzt, Bekanntmachungen versendet und Bieterfragen beantwortet werden. Zuletzt wird das Angebot eröffnet und ausgewertet.

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