Das Gelöbnis von Pinswang: Bis heute schätzt man dort eine besondere Kapelle

Die Gedächtniskapelle in Pinswangaus dem Jahre 1928 wird derzeit saniert. Thümmler

Einst errichteten die Bauern im Rimstinger Ortsteil Pinswang eine kleine Kapelle. Sie sollte ein Zeichen der Dankbarkeit dafür sein, dass eine Frau aus dem Dorf nach langer Krankheit noch am Leben war. Aktuell wird sie saniert und ist weiterhin ein Ort für alle, die Stille suchen.

Von Hans Thümmler

Rimsting/Pinswang –Weder gotisch noch barock ist die Kapelle am westlichen Waldrand des Höhenberges und ostwärts des Dorfes Pinswang in der Gemeinde Rimsting. Ein Schmuckstück in der Landschaft ist sie allemal. Sie wird derzeit grundlegend saniert und erhält eine neue Bedachung und einen neuen Glockenreiter.

Die Kapelle wurde aufgrund eines Gelöbnisses von den Pinswangern erbaut. Am 11. Dezember 1925 ist den Eheleuten Hans und Agathe Furtner ein Kind nach der Geburt verstorben, auch die Mutter kam in Lebensgefahr und war lange Zeit krank.

Lesen Sie auch: Gärtnern fällt Brand in Kapelle auf – sie verhindern Schlimmeres

Der Wunsch des Maurerpoliers erfüllte sich

Da tat der Vater ein Gelöbnis: Wenn seine Frau wieder gesund würde, wolle er einen Bildstock für sie aufrichten. Als der Wunsch des Maurerpoliers sich tatsächlich erfüllte und seine Frau genas, sprachen die Nachbarn ihm zu, eine kleine Kapelle zu bauen. Alle wollten dabei mithelfen. Der Schneiderbauer, Andreas Fischer, gab ihm den Grund. Furtners Arbeitgeber, der Architekt und Bauunternehmer Karl Stein aus Prien (1896-1966) fertigte den Plan.

Die Maurerarbeit hatte Furtner selbst ausgeführt. Alle Pinswanger Bauern hatten Hand- und Spanndienste geleistet, schreibt die Chronik. Bei der Beschaffung des Altars hat damals der Priener Zimmermeister Stocker geholfen. Im Jahr 1928 war die Kapelle schließlich fertiggestellt und wurde vom Priener Pfarrer geweiht. Man widmete sie dem Andenken der Gefallenen des Weltkrieges 1914 bis 1918.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Im Schatten der Bäume

Es wurde eine Ehrentafel gestiftet mit den zehn Namen der aus Pinswang Gefallenen. Von der Kapelle aus hat man heute einen weiten und schönen Blick in Richtung Westen. Die Ortschaften der Gemeinde Rimsting, Sankt Salvator, Pinswang, Zacking und Greimharting, aber auch die Kampenwand, die Hochries und der Wendelstein sind im Blickfeld. Die Kapelle wird umschlossen von hohen Laub- und Nadelbäumen und spendet im Sommer willkommenen Schatten. Sie hat eine Größe von 4,80 mal 2,80 Meter, das Dach mit dem hölzernen Glockenreiter ist drei Meter hoch. Sechs verglaste und zwei offene Fenster geben dem Inneren Licht. Der Innenraum ist geteilt. Der südliche Teil, 1,80 Meter tief, ist jederzeit zugänglich – für Spaziergänger etwa, die im Alltag kurz innehalten wollen.

Schwarze Muttergottes mit Kind

Das einfache Gestühl bietet zwei Sitzplätze oder vier Kniebänkchen. Die gleiche Möglichkeit hat der geschlossene nördliche Raum, drei Meter tief, der durch eine schlichte Holztür abgetrennt ist. Rechts und links von dieser Tür geben zwei Fensteröffnungen den Blick frei in den Altarraum auf den einfachen neugotischen Schrein und die schwarze Muttergottes mit dem ebenfalls dunkelheutigen Kind, beide gekrönt mit Zepter, Apfel und Rosenkranz.

Lesen Sie auch: Ein bayerisch-katholischer Kraftort: Vor 500 Jahren erschien die Muttergottes am Nusslberg

An der Ostwand des Altarraums wurde nachträglich eine Tafel angebracht. Sie enthält die Namen und Daten der 15 im Zweiten Weltkrieg Gefallenen aus dem Ort, dazu eine Widmung ihrer Nachbarn. Bis heute treffen Die Pinswanger treffen sich bis heute in und vor der Kapelle zu Gedenkgottesdiensten.

Kommentare