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Alpenquellen wollen wachsen

Angst ums Trinkwasser: Widerstand gegen Adelholzener-Pläne in Bergen

Sarina Kraft vertritt die BI, die das Grundwasser unterhalb des Hochfellns in Gefahr sieht.
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Sarina Kraft vertritt die BI, die das Grundwasser unterhalb des Hochfellns in Gefahr sieht.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Übertriebene Ängste oder eine echte Gefährdung der Natur? Die Fronten zwischen einigen Bürgern aus Bergen und den Adelholzener Alpenquellen verhärten sich. Das Unternehmen will wachsen - auf Kosten des Grundwassers, meint die neue Bürgerinitiative.

Bergen/Siegsdorf – Zapfen die Adelholzener Alpenquellen den Bergenern das Grundwasser ab? Angesichts der Expansionspläne der Adelholzener Alpenquellen haben 20 Bürger in Bergen eine Bürgerinitiative (BI) namens „Unser Bergener Wasser“ gegründet – aus Sorge, dass ihnen das Wasser ausgehen könnte.

Die Adelholzener Alpenquellen wollen „moderat“ wachsen, um das Unternehmen gesund weiterzuentwickeln. Im Zuge dessen werden auch die Wasserrechte neu beim Landratsamt beantragt. „Die Anwohner des Ortes sind besorgt, dass die Entnahme von Grundwasser durch die Firma Adelholzener dazu führen könnte, dass die Grundwasserstände in der Region noch schneller sinken, als sie dies klimawandelbedingt sowieso schon tun“, heißt es in einer Pressemitteilung der BI. So seien die Almbetreiber und Anwohner des Weißachentals besorgt, dass ihre Quellen in der Zukunft nicht mehr genug Wasser führen könnten.

Mehr Wasser durch Klimawandel?

Eine Einschätzung, die die Alpenquellen nicht teilen: „Gemäß dem Landesamt für Umwelt (LfU) in Bayern sind für die Zukunft kaum Veränderungen der jährlichen Niederschlagsmenge im Alpenraum durch den Klimawandel zu erwarten“, schreiben die Alpenquellen auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Zumal es aus Sicht von Adelholzener um zweierlei Wasser geht: „Wir gewinnen unser Wasser aus Tiefbrunnen. Diese Brunnen sind geologisch durch Tonschichten vom oberflächennahen Grundwasser getrennt. Weder heute noch in der Zukunft könne oder werde die Gewinnung unseres Mineralwassers die Trinkwasserversorgung oder die Wasserführung von Quellen und Oberflächengewässern beeinträchtigen.“

Dies bestätigt auch das Landratsamt Traunstein auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Ein Konflikt zwischen beiden Nutzungen besteht gegenwärtig nicht und wird auch künftig nicht zu erwarten sein“, sagt Sprecherin Laura Lockfisch.

Negativbeispiel Vittel

Genau das zweifelt Sarina Kraft, Sprecherin der Bürgerinitiative, jedoch an. Sie verweist auf den französischen Ort Vittel, den der Lebensmittelkonzern Nestlé durch zu große Förderung von Wasser trockengelegt haben soll. Presseberichten zufolge sinkt dort der Wasserspiegel jährlich um 30 Zentimeter.

Wobei die Alpenquellen kein höheres Wasserentnahme-Volumen als heute genehmigt bekommen wollen. Noch sind die wasserrechtlichen Gestattungen befristet bis 2025. „Nach unseren Informationen beabsichtigt die Firma Adelholzener, diese in gleichem Umfang wieder zu beantragen“, sagt Lockfisch. Dies teilt auch das Unternehmen mit.

Der Sitz der Adelholzener Alpenquellen liegt in Siegsdorf. Ein Großteil des Wassers wird in Bergen gefördert.

Dennoch stören sich Kraft und die BI daran. Denn aus ihrer Sicht untersuche das Landratsamt lediglich auf die Plausibilität des Antrags. Wobei das Landratsamt von „umfassenden rechsstaatlichen Verfahren“ schreibt, in denen Gutachten und Stellungnahmen von Fachbehörden maßgeblich seien. Auch müssen die Alpenquellen ein hydrogeologisches Gutachten beifügen, das das Wasserwirtschaftsamt prüfe. Kraft geht das nicht weit genug: „Wir wollen, dass unabhängige Hydrogeologen diesen Antrag und die Grundwasserneubildung prüfen.“

Quelle versiegt?

Als warnendes Beispiel gibt die Bürgerinitiative die Gleichenbergalm in Bergen an, deren Quelle versiegt sein soll. Vom Landratsamt hört sich das jedoch anders an: „Dass die Quelle auf der Gleichenbergalm versiegt sein soll, können wir so nicht bestätigen. Auch in gemäßigten Klimazonen wie der unseren kann es in niederschlagsarmen Jahren zum zumindest zeitweiligen Versiegen von Quellen kommen.“

Kraft zufolge habe die BI öffentlich einsehbare Daten ausgewertet, die darauf hindeuten, dass das Wasser weniger werde. Mit einer Einschränkung: „Wir sind Laien.“ Darum pocht die BI auch darauf, keine langfristige Genehmigung zur Wasserentnahme zu erteilen: „Das empfiehlt auch das LfU!“ Gerüchten zufolge soll Adelholzener Wasserrechte für 30 Jahre beantragen wollen. Noch liegt der Antrag beim Landratsamt nicht vor. Das Unternehmen bezog auf Anfrage keine Stellung zur geplanten Dauer.

Gemeinde will Gutachter anheuern

Tatsächlich war es der Gemeinderat Bergen selbst gewesen, der um einen langfristigen Plan gebeten hatte, da immer wieder Bauprojekte von Adelholzener in den Gemeinderat eingebracht worden waren, sagt Stefan Schneider, Bürgermeister der Gemeinde Bergen. Dass das Unternehmen wachsen will, wundert ihn nicht. „Das ist normal – so funktioniert eben unser Wirtschaftssystem“, sagt Schneider. Ebenso sei aber für ihn auch „okay“, dass eben viele Bürger Bedenken haben und diese äußern. Er habe aber Vertrauen in die Institutionen, die die neuen Wasserrechte nun prüfen. Schon jetzt stehe fest, dass auch die Gemeinde Bergen Gutachter beauftragen werde.

Aus Sicht von Sarina Kraft „höchste Eisenbahn“, dass es dazu kommt. Denn die Gemeinde habe nur drei Monate Zeit, um auf einen Antrag der Adelholzener Alpenquellen zu reagieren. Die BI will jetzt Bürger über Infostände und Flugblätter informieren. Auf Adelholzener sei die BI noch nicht direkt zugegangen, Gemeinderat und Landratsamt seien derzeit die Adressaten. „Wenn die Gutachter sagen, alles fein, sind wir beruhigt. Wenn nicht, müssen wir sprechen.“ Das Unternehmen hat bereits angekündigt, mit den Bürgern und der BI „weiterhin einen offenen und intensiven Austausch“ führen zu wollen.