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Abschuss genehmigt

Gehört der Wolf in die Region? Vorsitzende des Bundes Naturschutz über Gefahren und Klagen

Aus Sicht des Bund Naturschutz gehört der Wolf in die Region.
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Aus Sicht des Bund Naturschutz gehört der Wolf in die Region.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Traunstein – Neben Corona polarisiert derzeit kaum ein Thema wie der Wolf. Die Regierung von Oberbayern hat nun die Entnahme, also den Abschuss eines Wolfes genehmigt. Die OVB-Heimatzeitungen haben mit Beate Rutkowski vom Bund Naturschutz in Traunstein über eine mögliche Klage gegen die Entnahme gesprochen.

Der Bund Naturschutz hat angekündigt, gegen eine Entnahme klagen zu wollen. Aus welchen Gründen?

Beate Rutkowski: Also erst einmal haben wir vorerst keine Klage angekündigt. Wir wollen uns die Begründung ansehen, die erst noch veröffentlicht wird. Sollte es zu einem Entnahmebescheid aufgrund der bisherigen Begründungen kommen, dann würden wir möglicherweise klagen. Zumal wir in einer Abschussgenehmigung auch keinen Sinn sehen, da das Tier seit fast vier Wochen aus der Region verschwunden ist.

Wenn ein Wolf mitten durch Bergen zieht und in der Nähe von Häusern Tiere reißt, ist es dann kein Problemwolf?

Rotkowski: Nein. Die gerissenen Tiere waren alle nicht wolfssicher eingezäunt. Und nur weil ein Wolf einmal durch Bergen läuft, ist er noch keine Gefahr für den Menschen. Normalerweise fliehen Wölfe vor Menschen – das war auch in Bergen der Fall und ist ein natürliches Verhalten. Auch wenn die Risse bei Wohnhäusern waren, ist das nicht ungewöhnlich. Der Wolf erkennt ja nicht, ob es eine Siedlung ist. Er kann auch Autos nicht dem Menschen zuordnen. Das Tier sucht schlicht nach Futter.

Beate Rutkowski

Was sind dann sogenannte Problemwölfe?

Rotkowski: Das sind beispielsweise Tiere, die bewusst Siedlungen aufsuchen. Etwa um aus Mülltonnen zu fressen oder wenn er sich bestimmten Hunden annähert. Neben dem Problemwolf sind Entnahmen auch dann gerechtfertigt, wenn sie trotz Wolfssicherung einen hohen wirtschaftlichen Schaden anrichten. Beides ist aber derzeit nach unserer Kenntnis nicht der Fall, daher sehen wir keinen Grund für eine Entnahme.

Die Sorgen der Bauern sind sehr groß. Können Sie das verstehen?

Rotkowski: Ja, auf jeden Fall. Die Bilder sind schrecklich und tun auch jedem Naturschützer in der Seele weh. Wir verstehen, dass Wolfsschutz erst einmal viel Arbeit ist. Die Zäune müssen oft kontrolliert werden, müssen elektrifiziert sein und vieles mehr. Deshalb hat sich der BN immer schon dafür eingesetzt, dass es eine Förderung gibt.

Wie sieht das genau aus?

Rotkowski: Der Landkreis ist in der Förderkulisse und etliche Landwirte haben dies schon beantragt. Ungesicherte Tiere sind für den nächsten durchziehenden Wolf wieder ein gefundenes Fressen. Wir sind auch in einem internationalen EU-Projekt namens „Lifestock-Protect“, in dem zum Wolfsschutz informiert und sehr praktisch beraten wird. Auch für die Almen. Das wird noch nicht so angenommen. Es ist schwierig, wenn das Ministerium so etwas nicht unterstützt, sondern lediglich den Abschuss fordert.

Viele Landwirte sagen, dass es in der Praxis einfach zu aufwendig ist und viele Weiden nicht entsprechend gezäunt werden können.

Rotkowski: Wir wollen auf gar keinen Fall, dass die Weidehaltung aufgegeben wird. Das wäre fatal. Ich sehe eher die Gefahr, dass der Frust sich so aufstaut, dass Landwirte aufhören. Darum müssen wir ins Gespräch kommen und auf Herdenschutz setzen. In den vorliegenden Fällen wären die Weiden fast immer zumutbar zäunbar gewesen. Von vorherein zu sagen, der Wolf muss weg, wäre falsch.

Viele Landwirte sind der Meinung, dass der Wolf nicht in die Region gehört.

Rotkowski: Das ist völlig falsch. Der Wolf gehört zum Tierspektrum Mitteleuropas und war ausgerottet. Wölfe sind streng geschützt. Man kann sie nicht einfach abschießen, weil man sie nicht haben möchte. In vielen Ländern funktioniert das Zusammenleben mit dem Wolf wunderbar.

Reden wir dann von durchziehenden oder auch von standorttreuen Wölfen?

Rotkowski: Wir haben derzeit elf standorttreue Wölfe in ganz Bayern. Nur einer davon ist in den Alpen, im Allgäu. Wie sich das zukünftig entwickelt, wissen wir schlicht nicht. Ich halte es eher für unwahrscheinlich, dass sich ein Rudel ansiedelt, weil deren Nahrungsbedarf sehr groß ist. Das hätte man gemerkt anhand von Rissen. Bislang wurde nur junge männliche Wölfe nachgewiesen.

Können Sie verstehen, dass die Debatte so emotional geführt wird?

Rotkowski: Dass Landwirte fürchten, dass ihre Anliegen nicht entsprechend gewürdigt werden, kann ich verstehen. Der Wolf ist vielleicht der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Der Bauernverband Traunstein ist auch Mitglied im BN, insofern sitzen wir da mit im Boot. Wir wollen miteinander ins Gespräch kommen und werden auf die Landwirte zugehen und an einem Runden Tisch teilnehmen, bei dem auch Betroffene eingeladen sein werden.

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