Gefiederte „Neubürger“ für Bernau in luftiger Höhe - Storchenpärchen arbeitet an eigenem Nachwuchs

Anflugauf den Nistbaum in Bernau an der Braunstraße. Der gekappte Wipfel ist zum Nestbau auserkoren.

Zwei gefiederte „Neubürger“ hat die Gemeinde Bernau seit einigen Tagen. Viel Sympathie aus der Bevölkerung schlägt für den in Sagen und Bräuchen häufig vorkommenden Weißstorch entgegen. In den sozialen Medien freuen sich Bürger über Ansiedlung des Pärchens. Dieses baut ein Nest in einer kaputten Baumspitze.

von Silvia Mischi

Bernau

Nest in den Baumwipfeln als natürliche Brutstätte

Bei frühlingshaften Temperaturen kehren die Störche aus dem Winterquartier in Südeuropa nach Deutschland zurück. Die Zahl der in Bayern brütenden Weißstörche nimmt nach Angaben des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) wieder leicht zu. Jahrelang gab es ein Artenhilfsprogramm zur Rettung des Weißstorchs in Bayern.

Dieses wurde aber 2017 eingestellt. „Das war jedoch keine Schreckens-, sondern eine Erfolgsmeldung: In Bayern ist der Weißstorch wieder heimisch“, freute sich der LBV. Die Schutzmaßnahmen waren 1984 vom Landesbund, dem Bayerischen Umweltministerium und dem Bayerischen Landesamt für Umwelt initiiert. Während in den 80er-Jahren nur noch knapp 60 Brutpaare in Bayern gezählt worden waren, waren es 2017 rund 480. Damit gelte der Bestand in Bayern als gesichert. Mit der Unterstützung von Hauseigentümern, Bürgermeistern und Feuerwehren wurden Horstplattformen auf Gebäuden aufgestellt. Landwirte und Gemeinden wurden beraten, wie Talwiesen bewirtschaftet und Siedlungen und Straßen storchfreundlich angelegt werden können. Ein Großteil der Strommasten in Bayern ist mittlerweile so gesichert, dass Störche von ihnen keinen Stromschlag mehr abbekommen. Sein typisches Klappern mit dem Schnabel verrät dabei oftmals die Nester in luftiger Höhe.

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Zur Zeit klappert in Bernau vor allem das Männchen, um seine Gefährtin zu beeindrucken. Denn das klassische Symbol für Nachwuchs, will selbst welchen. „Den Weißstorchbestand wird der LBV aber über ein Monitoring weiter im Auge behalten, da sich Faktoren, wie zum Beispiel der Zustand der Winterquartiere der Zugvögel, durch mögliche neue EU-Regelungen und Anreize jederzeit ändern können“, so Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV. Oda Wieding, Projektleiterin für den Weißstorchschutz ergänzt gegenüber unserer Zeitung: „Das Nest im baum wird mit den Ästen fest verankert. Es ist ein Flachbau, in dem kein Regenwasser stehen bleibt und so die Nachzucht nicht ertrinken kann.

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Weißstörche seien anmutige Großvögel und gelten als Frühlingsboten und Glücksbringer. Weil der Weißstorch hohe Ansprüche an seinen Lebensraum und seine Nahrung stellt, hat er es aber nicht einfach. Für sein Nest sucht er sich bevorzugt Haus- und Stalldächer aus. Ein Storchenpaar brauche rund 200 Hektar feuchtes, nicht landwirtschaftlich genutztes Grünland in der Nähe seines Horstes, um ausreichend Nahrung zu bekommen. Allein ein Jungstorch vertilge pro Tag etwa ein Pfund Lebendfutter. Der Weißstorch liebt offene Landschaften, feuchtes Grünland und Flussauen, die regelmäßig überschwemmt werden. „Hier findet er Frösche und Fische. In Wiesen und Weiden pickt er vor allem nach Insekten, Eidechsen, Schlangen und Regenwürmern“, so Wieding. 80 bis 100 Zentimeter wird der Weißstorch (Ciconia ciconia) groß und bis zu 4,5 Kilogramm schwer. Sein Gefieder ist weiß, die Schwungfedern und Teile der Oberflügeldecken sind schwarz gefärbt. Mit seinen Flügeln erreicht er eine Spannweite von 2,20 Metern. Leuchtend rot sind seine Beine und sein Schnabel. Mit dem wird zur Begrüßung, aber auch zum Vertreiben von Feinden geklappert.

Urbanisierung hat Vögel auf die Hausdächer gebracht

Der Weißstorch gehört zu den Schreitvögeln, seine Nahrung nimmt er im Gehen auf. Durchschnittlich wird er rund zehn Jahre alt. Sein Verwandter, der Schwarzstorch brütet wie die Bernauer von jeher auf Bäume. Durch die Urbanisierung der Regionen hat sich der Weißstorch angepasst und auch Hausdächer und Kamine zu seinen Nistplätzen auserkoren. „Diese sind zudem manchmal sicherer, da kein Marder hinaufklettern kann“, erklärt Wieding. Ab Ende April könnten befruchtete Eier im Nest liegen und die Brutzeit der Störche beginnen.

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