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„STILLER PROTEST“ DER DEHOGA

Gedeckte Tischen bleiben überall leer

Unterstützten die Aktion in Ruhpolding: (v.l.) Anton Steffl (Hotel Steffl), Anja Brungard (Hotel Bellevue), Sepp Holhlweger (Alpen-Chalets Beim Waicher), Annabell Pichler (Helds Vitalhotel) und Stefanie Reiter (Hotel Ruhpoldinger Hof).
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Unterstützten die Aktion in Ruhpolding: (v.l.) Anton Steffl (Hotel Steffl), Anja Brungard (Hotel Bellevue), Sepp Holhlweger (Alpen-Chalets Beim Waicher), Annabell Pichler (Helds Vitalhotel) und Stefanie Reiter (Hotel Ruhpoldinger Hof).
  • Axel Effner
    VonAxel Effner
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Ein gedeckter Tisch oder ein gemachtes Bett als Zeichen des stillen Protests: Im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages machten am gestrigen Montag, 1. März 2021, auch im Landkreis Traunstein Hotels und Gastronome auf die „verzweifelte Lage der Betriebe und das Fehlen einer Öffnungsperspektive“ aufmerksam.

Traunstein – In Reit im Winkl, Ruhpolding, Inzell, Hammer, Waging am See, Traunstein und Seebruck machten Beteiligte mit entsprechenden Installationen und Flugblättern auf ihre Situation aufmerksam.

Gastgewerbe fordert gleiche Maßstäbe

Im Vorfeld der nächsten Bund-Länder-Gespräche am morgigen Mittwoch wollen sie darauf hinwirken, das analog zur aktuellen Wiedereröffnung in anderen Branchen die gleichen Maßstäbe auch für das Gastgewerbe gelten sollen. „Einen fortgesetzten Teil-Lockdown als Dauerzustand können wir nicht weiter akzeptieren“, erklärte Klaus Lebek, Vorsitzender des Kreisvorstands Traunstein des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA.

22 Gastronomiebetriebe und drei Brauerein in Traunstein dabei

Der Hotelier aus Waging am See stand auf dem Stadtplatz in Traunstein Passanten und Journalisten Rede und Antwort. 22 Gastronomiebetriebe und drei Brauereien machten rund um den Lindlbrunnen mit fantasievoll gedeckten Tischen, Bierbänken und Requisiten wie Rakete und Gorilla auf das Fehlen gemütlicher Gastlichkeit aufmerksam.

Höllbräu-Wirtin legt jedes Monat 8000 Euro drauf

„An unseren Essen to go verdiene ich nichts, sondern ich muss monatlich noch 8 000 Euro drauflegen, um alle Kosten zu decken“, erklärte Christian Noichl, Wirt vom Höllbräu. „Wir alle brennen darauf, wieder unsere Gäste mit frischen Gerichten bedienen zu dürfen. Wir haben ausgefeilte Hygienekonzepte und brauchen dringend eine Öffnungsperspektive für die warmen Tage und zwar jetzt“, ergänzt Fitim Sopa, Inhaber des Café-Restaurants Lindl. „Die Zahlen des Robert-Koch-Instituts zeigen, dass gerade die Gastronomie nicht zu den Brennpunkten mit erhöhtem Ansteckungsrisiko gehört“, ergänzt Klaus Lebek.

Umsätze mit Tagesausflüglern stark eingebrochen

Um einen Tisch vis-à-vis vom Gasthof zur Post haben sich auch in Ruhpolding mehrere Hoteliers versammelt. „Seit dem ersten Corona-Lockdown vor knapp einem Jahr sind die Hotels und Gastronomiebetriebe fast sieben Monate geschlossen gewesen“, erklärt Sepp Hohlweger, Vorstandsmitlied im DEHOGA-Kreisverband. Durch die Schließungsmonate seien vor allem die Umsätze mit Tagesausflüglern stark eingebrochen. Binnen Jahresfrist dürfte der Rückgang bei 35 Prozent liegen, schätzt er. Bei den Tourismus-Umsätzen von bisher mehr als einer halben Milliarde Euro im Landkreis dürfte es „starke Einbrüche“ geben. Von der aktuellen Schließung betroffen seien auch Lieferanten und später womöglich auch Handwerker „wenn viele Betriebe anstehende Renovierungen aufschieben“. Gerade für Privatvermieter sei die Finanzklemme schwierig, weil sie keine Überbrückungshilfen bekämen.

Für die Mitarbeiter wird es finanziell schwierig

„Normalerweise brummt im Februar das Geschäft“, sagt Stefanie Reiter vom Ruhpoldinger Hof. Durch die lange Phase der Kurzarbeit werde es für viele Mitarbeiter finanziell schwierig. Man versuche viel, um qualifizierte Fachkräfte zu halten, „aber es gibt deutliche Abwanderungsbewegungen in andere Branchen“.

Mentale Belastung, weil Perspektive fehlt

Auch mit den Saisonkräften aus dem Ausland würde die Situation bei andauerndem Lockdown immer schwieriger. „Die mentalen Belastungen nehmen durch die fortdauernde Perspektivlosigkeit, erst Monate später überwiesene Überbrückungsgelder, zunehmend verunsicherte Gäste und möglicherweise noch folgende Lockdowns erheblich zu“, argumentiert Anton Steffl, dem die Lage vieler Gastronomen als Vorstandsmitglied im DEHOGA-Kreisvorstand ebenfalls nahe geht.

In Waging setzen sich 15 Betriebe für die Öffnung ein

„Es ist eben nicht so, dass man sich ins gemachte Bett legen kann“, erklärt Franz Tanner vom Landhaus Tanner in Waging vor einem Doppelbett auf dem Marktplatz im Zentrum von Waging am See. Zusammen mit 15 anderen Betrieben fordere er dort zwischen Bett und gedeckten Tischen eine Öffnungsperspektive. „Ein Hotel ist schließlich kein Büro, das man mal eben ohne längere Vorbereitungen auf- und zusperren kann.“

Der Inhaber des Seebrucker SeeHotels Wassermann Peter Stocker, Tochter Eva Kühn und deren Ehemann Tobias Kühn (v.r.) beteiligten sich an der stillen Protest-Aktion „Gedeckter Tisch & gemachtes Bett“ des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Bayern.

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