Gebaut für die nächsten 70 bis 80 Jahre

Als einer der Chiemseenaturführer gibt Jürgen Pohl immer wieder gern über die Biber Auskunft. Berger
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Als einer der Chiemseenaturführer gibt Jürgen Pohl immer wieder gern über die Biber Auskunft. Berger

Eine ganz und gar ungewöhnliche Entdeckung machte Jürgen Pohl dieser Tage an der Mündung der Prien in den Chiemsee. „Es war Zufall“, erzählt er im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Mit einem Kollegen war der Chiemseenaturführer wieder einmal an dem Fluss unterwegs, um einfach nur nach dem Rechten zu sehen. Und dann sahen die beiden den neuen Bau: Unmittelbar neben der Biberburg, die schon seit rund sieben Jahren besteht, ist jetzt eine zweite entstanden, die den Tieren als Unterschlupf dient.

Rimsting/Prien – Ungewöhnlich ist, dass die Biber in unmittelbarer Nachbarschaft einer bereits bestehenden Biberburg nur wenige Meter entfernt eine weitere anlegen. Denn laut Pohl reicht einer Familie, die ein ein Revier bewohnt, ein Zuhause. Über die Gründe für den zweiten Bau seiner Art im Revier an der Prienmündung lässt sich nur spekulieren. Womöglich hat der eine oder andere Nachkomme in der Familie einfach nur ein bisschen üben wollen, schließlich werden sie alle, wenn sie zwei oder zweieinhalb Jahre alt sind, von ihren Eltern aus dem Bau vertrieben. Und dann müssen sie sich ein eigenes Zuhause schaffen.

Vor etwa sieben Jahren hat sich der Biber an der Prienmündung niedergelassen. Er fühlt sich wohl in dieser Umgebung – Nachwuchs ist gekommen. Zurzeit gehören zur Familie laut Pohl wohl vier bis fünf Biber: zwei Eltern- und maximal drei Jungtiere. Ganz genau lasse sich ihre Zahl nicht feststellen, den, so der Chiemseeführer, „wir sehen sie nie zusammen auf einmal“.

Groß und mächtig ist die Burg, die nun schon seit Jahr und Tag der Familie eine Unterkunft bietet. Pohl erzählt, dass sie etwa drei Meter hoch, zweieinhalb bis drei Meter breit und vier bis fünf Meter lang sei. Etwas kleiner ausgefallen sei hingegen der Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft. Pohl sagt, dass er etwa „nur“ ein bis eineinhalb Meter hoch sei.

Immer wieder hoch ist der Aufwand, den Biber betreiben, wenn sie an einen Bau gehen. Äste und Zweige in Hülle und Fülle holen sie sich aus der Umgebung heran, fein säuberlich schichten sie diese Baumaterialen übereinander auf. Und dann unternehmen sie auch noch allerlei Anstrengungen, um die Burg mit Schlamm und Laub abzudichten – nicht, dass unliebsame, kalte Zugluft den Aufenthalt im Winter beeinträchtigt.

Wer eine Biberburg erblickt, wundert sich vielleicht, wenn er keinen Eingang entdeckt. Der Zugang ist schlecht zu sehen, dafür aber umso sicherer für die Tiere: Er liegt unter Wasser. Die Biber tauchen gleichsam unten hinein in ihre Burg. In der Bauphase bearbeiten sie das aufgeschichtete Holz von unten und beißen einen Kessel heraus, der ihnen dann, wenn die Burg fertig ist, einen geschützten und geschätzten Rückzugsort bietet.

Die Biber sind gute Baumeister. Ihre Arbeit hat lange Bestand. Ein Biber werde, so Pohl, durchschnittlich etwa zwölf Jahre alt. Die Burg, die er baue, sei hingegen 70 bis 80 Jahre in Gebrauch – was wiederum heiße, dass die Tiere eine vorhandene Burg, wenn sie denn eine entdecken, gerne übernehmen und dort dann selbst einziehen. „Wenn einmal eine Burg da ist, dann wird sie auch benutzt“, sagt der Chiemseenaturführer.

Die Tiere sind viel unterwegs. Auch in diesen Tagen beschränken sie sich nicht darauf, sich ausschließlich in ihrer Burg aufzuhalten. „Der Biber hält keinen Winterschlaf“, sagt Pohl. Das Tier schlummert vielleicht einmal zwei bis drei Tage, doch dann wache er wieder auf.

Der Chiemseenaturführer macht kein Hehl daraus, dass die Tiere – was da und dort für Missfallen sorgt – Bäume anfressen. Laut Pohl holen sie sich jedoch nur das, was sie als Nahrung brauchen. Und er betont vor allem auch, dass sie sich in einem Gebiet bedienen, das ein besonderes sei. Im Auwald gebe es, so Pohl, keine „wirtschaftlich wertvollen Bäume“. Seinen Angaben zufolge wurzeln die Bäume dort in nassem Untergrund – womit dann auch das Holz in der Regel feucht und etwa für den Schreiner wenig wertvoll sei. Diese Bäume haben laut dem Chiemseenaturführer vor allem eins: einen „emotionalen Wert“.

GEBAUT FÜR DIE NÄCHSTEN 70 BIS 80 JAHRE

TIERE SCHUFEN ZWEITE BIBERBURG AN DER PRIENMÜNDUNG

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