Das ganze Dorf soll mitmachen: Für Kammer entsteht ein neues Heimatbuch

„Es wird Zeit, den Text des Heimatbuches aus 1988 zu überarbeiten und zusätzlich die letzten gut 20 Jahre zu dokumentieren“, sagt Klaus Oberkandler. RE

Für die bis 1972 selbstständige Gemeinde Kammer soll ein neues Heimatbuch entstehen. Klaus Oberkandler, der bereits 1988 zur 1200-Jahr-Feier der ersten urkundlichen Erwähnung ein Buch über die Gemeinde geschrieben hat, möchte dabei möglichst viele Menschen aus der ehemaligen Gemeinde einbeziehen.

Traunstein-Kammer – „Es soll ein Buch werden, das für unsere Enkel und Urenkel festhält, wie ihre Vorfahren bis in die ersten zwei Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts hinein gelebt haben“, sagt Herausgeber Klaus Oberkandler, der bereits seit einigen Monaten an dem Heimatbuch arbeitet. Die Beiträge über die erste Besiedelung der Region, über die Altgemeinde Kammer und über die Siedlungsgeschichte sind, von einigen Ergänzungen abgesehen, identisch mit denen aus dem 1988 erschienenen Buch. Geschrieben hat sie damals der im Mai 2018 verstorbene Historiker Gebhard Diener, der in Sauerlach bei München gelebt hat. 1996 hat er ein einmaliges Werk veröffentlicht: die Chronik der Höfe in Kammer und Umgebung. Ein von Diener für das Jahrbuch des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein verfasster Beitrag wird ebenfalls im neuen Heimatbuch abgedruckt werden: Wie die Bewirtschaftung der gemeinsamen Maieranger einst organisiert war.

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Oberkandler hat auch Kontakt zur Tochter von Gebhard Diener, Irmtraud Heitmeier. Sie ist ebenfalls Historikerin und hat zugesagt, einen Beitrag über die alten Ortsnamen zu verfassen.

Neben Diener und Heitmeier unterstützen eine Reihe weiterer Personen die Arbeit. Der Traunsteiner Stadtarchivar Franz Haselbeck ist wichtigster Ansprechpartner, Heimatforscher Walter Staller aus Nußdorf hat lesenswerte Beiträge über den Standortübungsplatz der Bundeswehr in Kammer, über Flugzeugabstürze in diesem Bereich und über andere Themen verfasst. Mehrere Gemeindebürger sind mit Feuereifer dabei, die Geschichte von Vereinen, Kirche und anderen Bereichen zu erkunden.

Aussagen von Zeitzeugen wichtig

Besonders wichtig sind dem Herausgeber auch Aussagen und Schilderungen von Zeitzeugen. Im Januar und Februar hatte er schon verschiedene Gesprächsrunden einberufen. Unter anderem berichteten dabei ältere Mitbürger, wie sie als Kinder und Jugendliche beim Torfabbau in der Kammerer Filzn mitgeholfen haben. Torf war bis in die 1960er Jahre hinein ein wichtiges Wirtschaftsgut. Er wurde nicht nur im eigenen Haus als Brennstoff genutzt und als Energieträger fürs Dampfdreschen; im Herbst wurde der getrocknete Torf als Heizmaterial vor allem nach Traunstein verkauft.

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Aber auch die Schlossbrauerei Stein und die Brauerei Fuchsbüchler in Palling waren wichtige Abnehmer, denn sie beheizten ihre Sudkessel mit Torf. Die Schlossbrauerei Stein hatte sogar ein eigenes Torffeld in der Kammerer beziehungsweise Demmelfilzn. Josef Limbeck aus Trostberg (Jahrgang 1925) erinnerte sich an seinem 95. Geburtstag im Januar daran, dass die Brauerei ihre Sudkessel bereits mit Öl beheizt hat, als er dort im Jahr 1960 zu arbeiten anfing. Sie ließ aber noch einige weitere Jahre Torf in Kammer abbauen und stellte ihn ihren Mitarbeitern als preiswerten Brennstoff zur Verfügung.

Diese und viele andere Geschichten sollen das Heimatbuch zu einem interessanten Lesestoff machen. Derzeit ist die Arbeit des Herausgebers wegen des Ausgangs- und Versammlungsverbotes stark behindert. Er wendet sich deshalb auf diesem Weg an alle, die einen Beitrag für das Buch leisten wollen, sich mit ihm in Verbindung zu setzen. Gefragt sind alte Bilder, Berichte und Informationen über alle Lebensbereiche: über Handwerk und Gewerbe, über den Tourismus, die Landwirtschaft, das Vereinsleben und vor allem auch über kuriose Geschehnisse. Geplant ist nämlich, im Anschluss an jeden themenbezogenen Beitrag ein G’schichterl zu dieser Geschichte zu verfassen und abzudrucken

Wer weiß heute noch, dass der beste Schweizer Käse in weitem Umkreis aus Kammer kam? Die Molkerei war einer der wichtigsten Wirtschaftsbetriebe im Ort. Das ehemalige Molkereigebäude am nördlichen Ortsausgang, unmittelbar neben der Kreisstraße Traunstein-Kammer, wurde erst vor wenigen Woche abgerissen. Wer weiß, dass der Bereich Kammer heute wirklich energieautark ist? Der Autor recherchiert derzeit und kommt zu einem Ergebnis, das in weitem Umkreis seinesgleichen sucht.

Seit über 50 Jahren als Journalist tätig

„Es ist unheimlich spannend, mit Menschen zu reden und solchen Fragen nachzugehen.“ Oberkandler, ein gebürtiger Trostberger, ist seit über 50 Jahren als Journalist tätig und bezeichnet sich selbst als extrem heimatverbunden.

„Was jetzt nicht aufgeschrieben wird, ist unwiederbringlich verloren“, betont er. Wer glaubt, mit Informationen, Bildern oder Berichten einen Beitrag zum neuen Heimatbuch leisten zu können, der kann sich mit ihm unter Telefon 0861 60884 oder auf elektronischem Weg unter klaus.oberkandler@t-online.de in Verbindung setzen.

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