60.000 verkaufte Sticker: In Bernau sind TSV-Fußballer begehrter als Bundesliga-Stars

Ein Bernauer Fußballfan hat seine doppelten Sticker ausgelegt, die er via WhatsApp zum Tausch angebot.
  • Dirk Breitfuß
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Was Panini kann, können wir auch. Das dachten sich vielleicht die Fußballer des TSV Bernau. Sie brachten ein eigenes Sammelalbum mit den Konterfeis der örtlichen Fußballgrößen heraus. 60.000 Sticker gingen über die Ladentische. Der Erfolg hat den Verein völlig überrascht.

Bernau – Ein paar tausend Sticker wollten die Fußballer des TSV Bernau verkaufen, als sie Anfang April ein eigenes Sammelalbum im Stile der berühmten Panini-Alben mit Klebebildern herausbrachten. Von wegen: Sage und schreibe 60 000 Sticker mit den Konterfeis Bernauer Fußballgrößen und anderen Fußballmotiven gingen über die örtlichen Ladentische. Damit hatten die TSV-Kicker niemals gerechnet.

Wie sonst vor Welt- oder Europameisterschaften avancierten auch die Klebebilder mit den Porträts der Bernauer Spieler im Ort schnell zum begehrten Sammelobjekt.

Alexander Mitterer, einer der ersten die ihr Album voll hatten; klebt gerade seinen letzten Sticker ein.

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Nachdem bereits nach vier Tagen die erste Verkaufsstelle „ausverkauft“ meldete, waren die anfänglichen Zweifel schnell zerstreut. 6000 Päckchen mit jeweils zehn Stickern wurden am Ende verkauft. Ein letzter Restposten soll demnächst noch am Vereinsheim angeboten werden.

Es bedurfte sogar eines Nachdrucks, als zwischendurch alle Tütchen restlos vergriffen waren. In einer WhatsApp-Gruppe tauschten die Bernauer Fußballfans fleißig Sticker, die sie doppelt hatten gegen andere, die ihnen noch fehlten.

Bayern-Trikot mit Autogrammen dank Glückssticker

Unter den 60.000 Stickern waren auch vier sogenannte „Glückssticker“ versteckt. Hinter jedem dieser Aufkleber verbarg sich ein Geschenk. Diese Preise wurden am jetzt im Rahmen einer kleinen Verlosung am Vereinsheim des TSV Bernau übergeben. Den Hauptpreis, ein heiß begehrtes FC Bayern-Trikot mit Original-Unterschriften der Profis des deutschen Rekordmeisters gewann Stefan Loy.

Zwei der Glückssticker-Gewinner: Darko Janjic (hinten links) und Stefan Loy (vorne rechts) erhalten ihre Preise von Andreas Saldivar (Organisator, vorne links) und Fußball-Abteilungsleiter Donat Steindlmüller. re

Ebenso erhielten die Schnellsten, die ihr Album mit allen Bildern vervollständigen konnten, einen Ball als Trophäe. Florian Wöhrer, der als erster sein Album bereits nach rund 14 Tagen voll hatte, spendete seinen Ball an die Jugendspieler des TSV und legte gleich noch vier weitere aus eigener Tasche oben drauf.

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Vertrieben wurden die Sticker und Alben über fünf Verkaufsstellen im Ort: die Apotheke im Ärztezentrum, Edeka Schmid, Getränke Winkler, Nazar Döner sowie die Shell-Tankstelle Lackerschmid waren die richtigen Adressen für Bernauer, die das Sammelfieber gepackt hatte. „Wir danken unseren Verkaufsstellen für ihre kostenlose Unterstützung. Ohne sie wäre dieser tolle Erfolg nicht möglich gewesen“, so der Organisator der Sticker-Aktion, Andreas Saldivar.

Erfolg des Albums überrascht TSV Bernau

Ursprünglich war dieses Projekt ins Leben gerufen worden, um die Geselligkeit im Verein zu stärken. Eine „schwarze Null“ war ausgegebenes Ziel für die Aktion. Nachdem das Stickeralbum so großen Anklang gefunden hat, dürfen sich die Bernauer Fußballer nun über unerwartete zusätzliche Einnahmen freuen. Diese werden Saldivar zufolge in erster Linie für die Sanierung der bestehenden Flutlichtanlage beziehungsweise deren Ausbau verwendet, „ein sehr großes Investment für den Verein“, so der Erfinder des Bernauer Sammelalbums.

Zukünftig sollen somit beide Fußballplätze mit umweltschonenden LED-Lampen beleuchtet werden. Der große Zuwachs beim TSV im Jugendbereich mache die Installation einer zusätzlichen Flutlichtanlage am Hauptplatz notwendig.

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Zudem wird ein Teil der Erlöse demnächst für einen sozialen Zweck gespendet, kündigte der Organisator an. Auf die Idee gebracht hatte ihn eine Wiener Firma, die solche Alben auch für Vereine herstellt. Eines Tages landete ein Brief aus der österreichischen Hauptstadt im Briekasten des TSV. „Da hat es bei mir gleich Klick gemacht“, erinnert sich Saldivar.

Zur Vorbereitung war ein umfangreiches Foto-Shooting erforderlich, das von der Firma aus Wien organisiert und abgewickelt wurde. Die Fußballabteilung des TSV hat dank des Zulaufs im Nachwuchsbereich zwar gerade die Marke von 400 Mitgliedern geknackt, doch beim Sammelalbum wollten die Fußballer eher defensiv spielen: Sie rechneten damit, zirka 170 Personen fotografieren zu lassen.

250 Personen bei Fotoshooting vor der Kamera

„Letztlich haben wir es geschafft, 250 Personen fotografieren zu lassen“, erklärt Saldivar. Vor die Kamera kamen nicht nur die aktiven Spieler, sondern auch Ehrenmitglieder und Schiedsrichter, junge und alte Mitglieder zwischen 5 und 80 Jahren.

Das ist an der Bernauer Sticker-Album-Version anders

Neben Porträts aktueller und ehemaliger Kicker gab es auch Sticker mit Motiven aus dem Vereinsleben sowie Jubelbilder von sportlichen Erfolgen. Im Gegensatz zum Vorbild Panini gab es alle Motive gleich oft, sodass durch Tauschen jedes Album voll werden konnte. Bei berühmten Original sind immer einzelne Klebebilder extrem rar, sodass es zeitraubend und teuer werden kann, das Album voll zu bekommen.

Das Projekt kostete rund 1.500 Euro, was der Verein durch Sponsoren hereinholen konnte. Im Gegenzug sind die Firmen mit einem eigenen Sticker mit Firmenlogo im Sammelalbum vertreten. Das Album kostete übrigens sechs Euro, ein Tütchen mit zehn Bildern zwei Euro.

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