„Für die Gemeinde etwas bewegen“

Der 53-jährige Zimmerermeister, Betriebswirt und Holzbauunternehmer Gerhard Wirnshoferist der neue Bürgermeister von Grabenstätt. Müller

Grabenstätt – Nach 36 Jahren räumt Georg Schützinger, dienstältester Bürgermeister der Region 18, den Rathausstuhl und übergibt das Zepter an seinen Nachfolger Gerhard Wirnshofer (Bürgergruppe). Im Interview stellt er sich und seine Ziele vor.

Wie steht Ihre Familie zu Ihrer neuen Aufgabe?

Gerhard Wirnshofer: Wenn man zu einer Bürgermeisterwahl antreten will, braucht man schon vorher die ganze Unterstützung von seiner Familie und sie freuen sich auf meine neue Aufgabe sehr.

Einen so langjährigen und verdienten Rathauschef wie Georg Schützinger zu beerben, ist nicht leicht. Was schätzen Sie an ihm?

Wirnshofer:Wie positiv sich die Gemeinde in 36 Jahren seiner Amtszeit verändert hat, ist enorm. Dass man sich in den 18 Jahren eines gemeinsamen Weges nicht immer einig sein kann, liegt in der Natur der Sache. Sein Wille, alle Gruppierungen in der Sache immer mitzunehmen, dem kann ich nur zustimmen. Was ich sehr an ihm schätze, ist seine Menschlichkeit.

Wie haben Sie sich auf den beruflichen Neuanfang vorbereitet? Inwiefern hilft Ihnen Ihre 18-jährige Erfahrung im Gemeinderat?

Wirnshofer: Die lange Zeit als Gemeinderat hilft mir jetzt zum Amtsantritt sehr. Man kennt viele Bürger, man kennt die Probleme und viele Umstände, man kennt Wünsche und Sorgen in unserer Gemeinde. Jetzt gilt es, sich in der Sache damit auseinanderzusetzen und nach Lösungen zu suchen, die man umsetzen kann.

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Was nehmen Sie aus Ihrem Beruf als Zimmerermeister und selbstständiger Holzbauunternehmer in ihr neues Amt mit?

Wirnshofer: Erfahrung in Personalführung und fachliche Kompetenzen sind für mich in meinem neuen Amt sehr hilfreich, vor allem ein Unternehmen führen zu können, ist in Zukunft sicher kein Nachteil.

Auf was freuen Sie sich in Ihrem neuen Amt am meisten?

Darauf, dass man mit unseren guten Mitarbeitern in Verwaltung, Bauhof, Kindergarten und Schule für unsere Gemeinde etwas bewegen kann.

Welche Wahlprogramm-Punkte wollen Sie zuerst anpacken? Was wird länger dauern?

Wirnshofer: Ich bitte alle Bürger um Verständnis, dass ich eine kurze Einarbeitungszeit brauche um für die nächste Zeit die richtigen Prioritäten zu setzen. Dennoch stehen bei mir in der Agenda der Hochwasserschutz, die Verkehrssicherheit und die Dorferneuerung ganz oben.

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Sie haben im Wahlkampf mehr Bürgernähe und Transparenz versprochen? Wie wollen Sie das umsetzen?

Wirnshofer: Es ist sicher von Vorteil, wenn man zuerst mit der Verwaltung die Möglichkeit erörtert, wie wir in Zukunft den Informationsfluss erweitern.

Der neue Gemeinderat hat viele neue Gesichter und ist auch deutlich verjüngt. Was wünschen Sie sich von Ihren alten und neuen Kollegen?

Wirnshofer: Zuerst freue ich mich auf den neugewählten Gemeinderat. Ich bin überzeugt, die Erfahrenen werden den neuen Räten zur Seite stehen. Weiter möchte ich mich bei den ausgeschiedenen und bei den nicht mehr gewählten Räten für die gute Zusammenarbeit in den letzten sechs Jahren bedanken. Bedanken möchte ich mich vor allem auch bei meinem und unserem Freund Rudi Aigner, der als gewählter Rat sein Amt nicht mehr ausüben durfte.

Ihre Bürgergruppe und die Freien Wähler, deren gemeinsamer Bürgermeisterkandidat Sie waren, haben nun im Gremium eine Mehrheit. Wird das Ihre Arbeit erleichtern?

Wirnshofer: Es geht hier nicht um Erleichterung, sondern um partei- und gruppierungsübergreifende Zusammenarbeit, zum Wohle unserer Gemeinde.

Was können Sie den Bediensteten in der Gemeindeverwaltung versprechen?

Wirnshofer: Versprechen möchte ich nichts, aber unsere Mitarbeiter können sicher sein, dass ich mich sehr bemühe, den Wünschen und den Erwartungen gerecht zu werden.

Was war Ihre Motivation vor 18 Jahren in die Kommunalpolitik zu gehen? Nie bereut?

Wirnshofer: Viele junge Menschen möchten in ihren Leben etwas bewegen, möchten helfen und gestalten. Etwas davon, so denke ich, ist mir auch gelungen. Ich als Bürgermeister von Grabenstätt, da hängen Freude und Demut ganz nahe beieinander. Bereuen kann ich da nichts!

Wann wird das Gemeinde- und Vereinsleben wieder so sein wie vor Corona?

Wirnshofer: Wer, außer Virologen, hätte im Januar sagen können, was da ein paar Wochen später auf der ganzen Welt passiert. Die Corona-Krise wird uns auch noch einige Zeit beschäftigen. Es kommen sicher wieder bessere Zeiten! Eine intakte Gesellschaft wie unsere, wird auch nach Corona wieder einiges an Normalität bringen.

Welche Lehren müssen aus dieser Krise gezogen werden? Gibt es auch positive Aspekte?

Wirnshofer: Gerade diese Krise zeigt, wie wichtig unsere Landwirtschaft für uns ist, indem Lebensmittel in unserem Land und in unserer Region produziert werden. Unsere Nahversorgung wie Bäcker, Metzger und Lebensmittelgeschäfte müssen durch unsere Einkäufe gestützt werden. Wir müssen auch an andere Geschäfte denken, die jetzt nach und nach wieder öffnen und vor allem an unsere Gastronomie. Alle brauchen unsere Unterstützung. Der positive Aspekt ist, dass uns allen wieder bewusst wird, wie wir uns gegenseitig brauchen.

Über welches Fazit, würden Sie nach ihrer ersten Amtszeit 2026 freuen?

Wirnshofer: Wenn unsere Einwohner mit der Arbeit der Gemeinde zufrieden sind.

Wie soll die Gemeinde Grabenstätt in zehn oder 20 Jahren aussehen?

Wirnshofer: Lebenswert und Liebenswert soll es in unserer Gemeinde sein – und für die Zukunft gerüstet.

Zur Person

Der gebürtige Erlstätter Gerhard Wirnshofer lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in der Erlstätter Ortsmitte und gehört seit 18 Jahren dem Grabenstätter Gemeinderat an. Im Bauausschuss und im Haushaltsausschuss bringt der 53-Jährige seit jeher sein Fachwissen ein. Sehr am Herzen liegen dem Zimmerermeister, Betriebswirt und Unternehmer die Grabenstätter und Erlstätter Vereine. In vielen ist er Mitglied und gehörte auch schon Vorstandschaften als Beisitzer und Kassier an. Ehrenamtlich ist Wirnshofer seit 1996 Verbandsrat der Wasserversorgung „Mühlener Gruppe“, bei der er seit 2014 auch das Amt des Zweiten Vorsitzenden inne hat. Als Vorstandsmitglied fungiert er bei der Elektrizitätsgenossenschaft „Wolkersdorf und Umgebung“. Zu seinen Lieblings-Freizeitbeschäftigungen zählen das Imkern und Radfahren.

Interview: Markus Müller

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