Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Sheltersuits für Traunstein

Schutzkleidung gegen den Kältetod: Wie Sheltersuits Wohnsitzlosen in Traunstein helfen

Mit neuartigen Überlebensanzügen, die als Mantel und Schlafsack nutzbar sind, will das Diakonische Werk Traunstein Wohnsitzlosen im Winter helfen. Finanzielle Unterstützung kommt von (von links) Veronika Hümmer, Vorsitzende des Hilfsvereins „Die im Dunkeln sieht man nicht“ und Birgit Sailer, Vorsitzende des Hilfsvereins „Vergissmeinnicht Chiemgau“ mit. Rechts freut sich Sozialberaterin Christine Bohl von der Diakonie.
+
Mit neuartigen Überlebensanzügen, die als Mantel und Schlafsack nutzbar sind, will das Diakonische Werk Traunstein Wohnsitzlosen im Winter helfen. Finanzielle Unterstützung kommt von (von links) Veronika Hümmer, Vorsitzende des Hilfsvereins „Die im Dunkeln sieht man nicht“ und Birgit Sailer, Vorsitzende des Hilfsvereins „Vergissmeinnicht Chiemgau“ mit. Rechts freut sich Sozialberaterin Christine Bohl von der Diakonie.
  • Axel Effner
    VonAxel Effner
    schließen

Dank der Spenden der beiden Traunsteiner Hilfsvereine „Vergissmeinnicht“ und „Die im Dunkeln sieht man nicht“ konnten für 3000 Euro zehn Schutzanzüge finanziert werden. Ausgangspunkt war ein Fall eines Hilfsbedürftigen, „der uns echt nahegegangen ist“, erklärt Diakon Robert Münderlein von der Diakonie in Traunstein.

Traunstein – Gerade in der kalten Jahreszeit ist die Not von wohnungslosen Menschen besonders groß.. Mit einer ungewöhnlichen Hilfsaktion hat jetzt das Diakonische Werk Traunstein darauf reagiert. Ausgangspunkt war ein Fall eines Hilfsbedürftigen, „der uns echt nahegegangen ist“, erklärt Diakon Robert Münderlein jetzt bei einer Pressekonferenz im Möbellager der Diakonie in Traunstein.

Zusammen mit den beiden Vorsitzenden der Hilfsvereine „Die im Dunkeln sieht man nicht“ und „Vergissmeinnicht“ wurden dort sogenannte Sheltersuits vorgestellt. Das sind Überlebensanzüge gegen Kälte, die sich sowohl als Schlafsack wie auch als eine Art Mantel verwenden lässt.

Unkomplizierte Versorgung

Wie Münderlein erläutert, seien in den letzten Wochen vermehrt wohnungslose Menschen bei der Beratungsstelle der Diakonie für Kirchliche Allgemeinen Sozialarbeit bei Christine Bohl in Traunstein erschienen. „Nicht immer ist es tatsächlich möglich oder realistisch, den betreffenden Personen eine Unterkunft zu vermitteln“, erklärt Münderlein. Für solche Fälle seien jetzt zehn Rucksäcke mit Sheltersuits angeschafft worden. Die Anzüge sollen die Betreffenden schnell und unkompliziert mit dem Nötigsten versorgen, um wirksam gegen Kälte geschützt zu sein.

+++ Mehr aus der Region +++

Einer der Auslöser war, wie der Diakon erklärt, der Fall eines Mannes, der psychisch auffällig und in Sandalen unterwegs war, sich aber nicht helfen lassen wollte. Bei Recherchen über sinnvolle Nothilfen sei man auf das Obdachlosen- und Flüchtlingsprojekt eines Outdoor-Ausrüsters aus den Niederlanden gestoßen. Dieser produziert aus ausrangierten Zelten, Schlafsäcken und anderen Recyclingmaterialien atmungsaktive Anzüge mit Innenfutter als Wasser- und Kälteschutz.

Dank der Spenden der beiden Traunsteiner Hilfsvereine „Vergissmeinnicht“ und „Die im Dunkeln sieht man nicht“ konnten für 3000 Euro zehn Schutzanzüge finanziert werden. „Wenn man dafür sensibilisiert ist, fällt einem auf, wie viel Bedürftige im Bushäuschen schlafen, im Müll nach Ess-barem suchen oder mit Tüten und einem Wagerl unterwegs sind. Gerade im Winter und unter Corona-Bedingungen ist Hilfe bitter nötig“, sagt Birgit Sailer, Vorsitzende des Vereins „Vergissmeinnicht Chiemgau“.

Von „sehr individuellen und unterschiedlichen Hilfsangeboten“ spricht Christine Bohl, die die Beratungsgespräche der kirchlichen Sozialarbeit in den Räumen der Diakonie am Martin-Luther-Platz 4 in Traunstein führt. „Zu uns kommen Menschen aus allen Schichten und mit unterschiedlichsten persönlichen Lebenshintergründen in Krisensituationen oder schwierigen Lebenslagen.“

Sexuelle Übergriffe

Während der eine verzweifelt versucht, eine kurz bevorstehende Wohnungsräumung noch abzuwenden, schlafen andere bereits dauerhaft im Auto oder versuchen immer wieder wechselnd bei Freunden unterzukommen, bevor sie auf der Straße landen. Gerade bei Frauen seien in dieser Situation auch sexuelle Übergriffe nicht ausgeschlossen. Ebenso gebe es Wohnungslose, die bereits seit Jahren zum Teil in ganz Europa unterwegs seien und sich mit den Gegebenheiten in den einzelnen Ländern bestens auskennen.

„Wir besprechen die persönliche Situation und ich zeige Hilfsmöglichkeiten oder die Vermittlung an die passenden Hilfsstellen auf“, sagt Bohl. Manchmal helfe auch schon ein Besuch in der Kleiderstelle des Möbellagers der Diakonie in Traunstein. Entscheidend sei der „Respekt vor der Selbstbestimmung des individuellen Lebensweges“, da sich nicht jeder gern helfen lassen oder an eine Bedarfsunterkunft vermitteln lassen wolle. Gerade für solche Fälle seien die Sheltersuits eine Option, „um gut durch den Winter zu kommen“.

Mehr zum Thema