Früher Tochter gespielt, jetzt die Mutter

Statt Geburtstagsgeschenke zu erwarten, stiftete der Theaterverein zum Jubiläum 500 Euro für Bedürftige im Ort. Da konnte der Rathauschef Rudi Jantke nur applaudieren.  Foto Eder
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Statt Geburtstagsgeschenke zu erwarten, stiftete der Theaterverein zum Jubiläum 500 Euro für Bedürftige im Ort. Da konnte der Rathauschef Rudi Jantke nur applaudieren. Foto Eder

Mit viel Musik und der Aufführung "Die Wunschbraut", davor einigen Reden und Ehrungen, feierte die Grassauer Bauernbühne im Heftersaal ihr 50-jähriges Bestehen. Vorsitzende Mona Pavlak stellte die Frage, ob in der schnelllebigen Zeit ein Theaterverein noch eine Daseinsberechtigung habe.

Dies griff auch der Präsident des bayrischen Amateurtheaters, Horst Rankl, auf: "Es gibt nichts Schöneres, um das Volk zu begeistern."

Grassau - Als sich das Bauerntheater vor 50 Jahren formierte, waren die Zeiten noch anders und das Leben nicht so hektisch, erinnert sich Mona Pavlak zurück. Viel Altes musste weichen, und das Internet eroberte sich seinen Raum. Heute habe man die Medienpräsenz ständig in der Hand. Da stelle sich die Frage, so die Vorsitzende, ob in dieser schnelllebigen Zeit ein Theaterverein noch eine Daseinsberechtigung habe. Die Antwort biete der Festabend mit vielen Besuchern. "Wir bemühen uns, die Theaterkultur zu pflegen", betonte sie. Der Verein müsse sich um den Nachwuchs nicht sorgen. Viele junge Talente würden bereits auf der Bühne stehen. Zurückblicken könne man mit einem gewissen Stolz, "denn es wurden sehr viele Stücke auf die Bühne gebracht und der Verein konnte so zum kulturellen Leben in Grassau beitragen".

Auch an die Anfänge des Vereins erinnerte sie, an die Zeit, als weder Kostüme noch Geld für Requisiten vorhanden waren, und an die erste gelungene Aufführung im August 1965.

So mancher jugendliche Liebhaber wurde im Laufe der Zeit zum Opa. Auch sie selbst spielte in einem Stück die Tochter, und nun, 20 Jahre später, die Mutter. Ein paar Mal sei der Verein in den letzten Jahren mit seinen Aufführungen vom klassischen Bauerntheater abgewichen und habe damit Erfolg gehabt. Pavlak:"Man muss auch einmal neue Wege beschreiten."

"Natürlich haben wir die Berechtigung, Amateur-Volkstheater zu sein", betonte Horst Rankl. So gebe es nichts Schöneres, außer der Musik, womit das Volk begeistert werden könne. Er stehe zum ersten Mal in Grassau auf der Bühne, sagte Rankl und gratulierte zu dem "besonders schönen Saal". Dies zeige, dass die Marktgemeinde ein offenes Ohr für die Theaterkunst habe. Die Grassauer Bauernbühne sei seit 50 Jahren Mitglied im Verband bayrischer Amateurtheater. Rund 660 Bühnen seien dort vertreten.

Eine Ansprache wolle er nicht halten, erklärte Bürgermeister Rudi Jantke. "Die Gäste wollen bei diesem Geburtstag ein Theater sehen und warten auf die Aufführung." Es gebe dennoch zwei Gemeinsamkeiten mit dem Verein. Zum einen sei es nicht schlecht, wenn der Bürgermeister ein wenig schauspielerisches Talent besitzt, und zum anderen könne die Marktgemeinde ebenfalls auf ein 50. Jubiläum verweisen. Man könne also sagen, so Jantke, dass es mit der Markterhebung auch beim Theaterverein richtig losgegangen sei.

Einheimische, Gäste wie auch die Achentaler seien immer bestens unterhalten worden, betonte Jantke und lobte den Beitrag für das Kulturleben. Er überreichte neben einem Blumenstrauß für die Vorsitzende auch eine Schnaps- und eine Likörflasche und erklärte, dass aus diesen beiden Zutaten das "Theatergeheimnis", das besondere Getränk, welches der Verein immer beim Grassauer Adventsmarkt ausschenkt, bestehen würde. Der Rathauschef ist sich sicher, hinter dieses Geheimnis gekommen zu sein.

Eine besondere Überraschung hatte Mona Pavlak für den Bürgermeister. Sie überreichte einen Scheck in Höhe von 500 Euro, zu verwenden für Bedürftige im Ort. Er werde den Betrag an die Familienstelle weiterreichen.

Natürlich wurde die Gelegenheit des Festabends genutzt, um auch langjährige Theatermitglieder - darunter auch noch Gründungsmitglieder - zu ehren. Dies übernahm Horst Rankl. 50 Jahre sind sie Ehrenvorstände und Herren der ersten Stunde, Werner Haslinger und Sepp Noichl wie auch Theo Steininger, die beide noch immer aktiv sind sowie Anderl Laubhuber (Maskenbildner). Für 45 Jahre wurden Monika Noichl, Renate Halbmayer und Hias Haslinger ausgezeichnet. Auf eine 30-jährige Mitgliedschaft kann Klaus Kirchleitner verweisen, und Mona Pavlak ist bereits seit 25 Jahren dem Verein treu.

Mit der anschließenden, gelungenen Aufführung "Die Wunschbraut" stellte der Theaterverein dann seine "Daseinsberechtigung" gekonnt unter Beweis und begeisterte das Publikum.

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