Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Hoffnungsschimmer kurz vor Weihnachten

Außergewöhnliche Spende: Ein Friseursalon aus Seeon für die Flutopfer im Ahrtal

Kerstin Gründel in ihrem Friseursalon an der Altenmarkter Straße in Seeon. Am Tag vor Heiligabend wird sie ihn ein letztes Mal für ihre Kunden öffnen.
+
Kerstin Gründel in ihrem Friseursalon an der Altenmarkter Straße in Seeon: Am Tag vor Heiligabend wird sie ihn ein letztes Mal für ihre Kunden öffnen. Dann geht die Einrichtung als Spende an ein Flutopfer im Ahrtal.
  • VonKlaus Oberkandler
    schließen

Kerstin Gründel aus Seeon schließt ihren Friseurbetrieb und spendet das Inventar an ein Flutopfer auf Ahrtal. Damit macht sie eine von vielen Friseurinnen glücklich, die durch das Hochwasser vom Sommer ihre Existenz verloren haben.

Seeon/ Ahrweiler – Tagelang beherrschten Mitte Juli die Schreckensmeldungen und Bilder von der katastrophalen Flut in Bad-Neuenahr-Ahrweiler die Medien. Alles was nicht niet- noch nagelfest war, von den Fluten der Ahr hinweggespült. Der Wiederaufbau geht schleppend voran.

„Handwerker zu bekommen ist fast wie ein Sechser im Lotto“, sagt Simone Manhillen im Gespräch mit der Heimatzeitung. Sie ist Inhaberin eines Friseurbetriebs, der wie 25 weiteren selbstständigen Friseuren durch das Hochwasser die Existenzgrundlage genommen wurde. Ihr Betrieb, der „Salon Chic“, wurde komplett zerstört, Teile des Inventars kilometerweit weggespült.

Hilfe aus dem entfernten Chiemgau

Hilfe bekommt sie jetzt aus dem Chiemgau, aus Seeon. Hier schließt Kerstin Gründel ihren Friseursalon zu Weihnachten und spendet das Inventar der Berufskollegin, die damit gut 600 Kilometer nordöstlich von Seeon, zwischen Koblenz und Bonn, einen weiteren wichtigen Baustein für einen beruflichen Neuanfang bekommt.

Der „Salon chic“ in Ahrweiler von Simone Manhillen nach der Flut. 1,82 Meter hoch stand hier das Wasser am 15. Juli, es blieb eine dicke Schlammschicht.

Zustande gekommen ist der Kontakt nach Seeon durch Uschi Gruber, die bei Edeka Summerer in Seeon arbeitet. Sie lebte selbst im Ahrtal, kannte Friseurin Manhillen und deren Schicksal. Als sie hörte, dass Kerstin Gründel ihren Salon aus gesundheitlichen Gründen schließen muss, fragte sie, ob sie das Inventar nicht verkaufen wolle. „Als ich hörte, dass die Sachen ins Ahrtal gehen sollten, war mir sofort klar, dass ich dafür kein Geld verlange, sondern die Sachen spende“, erzählt die Friseurin, die ihren alteingesessenen Salon am 23. Dezember zum letzten Mal aufsperren wird.

Zuzusperren fällt ihr schwer

Nach einer Hüftoperation mit anschließenden Komplikationen fällt ihr das lange Stehen im Salon schwer und sie wird ihre treuen Kunden nur noch daheim in Emertsham bedienen. 2010 hatte sie den seit mehr als einem halben Jahrhundert bestehenden Friseursalon von Christa Schön übernommen und seither drei bis vier Mitarbeiterinnen beschäftigt.

Sie sagt, es falle ihr schwer, das Geschäft schließen zu müssen. Schon Gründels Vater war Friseur und führte den Salon „Kern“ in Traunstein. Dort hat sie ihr Handwerk gelernt und sich 1993 selbständig gemacht. 2010 pachtete sie den 1969 von Otto Gerl gegründeten Betrieb an der Altenmarkter Straße in Seeon.

Gemeinde hilft bei Transportkosten

Auch Bürgermeister Martin Bartlweber tut es leid, dass ein weiterer Mosaikstein der Versorgung in Seeon verschwinden wird. „Die Gemeinde hätte gerne geholfen, dass Kerstin Gründel ihren Betrieb weiterführen kann“. Letztlich sei der 55-Jährigen die Gesundheit aber wichtiger, was man verstehen müsse. Das Gemeindeoberhaupt hat für den letzten Öffnungstag am 23. Dezember schon einen Termin zum Haareschneiden reserviert. Der Chiemgau-Zeitung sagt er, dass man sich an der Aktion beteiligen werde: „Der Sozialfonds der Gemeinde wird einen erheblichen Teil der Transportkosten übernehmen.“

Weitere Mitstreiter für die gute Sache könne man gut gebrauchen, betont Kerstin Gründel. Einer hat sich bereits spontan bereit erklärt, zu helfen: Schreinermeister Hubert Frank wird die Einbaumöbel des Seeoner Friseursalons fachmännisch ausbauen und zerlegen – kostenlos.

Simone Manhillen indes hat bereits spezielle Friseur-Waschbecken für ihren neuen Salon gespendet bekommen. Die passen aber von der Größe her nicht, und sie würde sie gerne weitergeben, damit auch ein anderer zerstörter Betrieb eine Starthilfe bekommt. Wovon aber soll sie die neuen Waschbecken kaufen? „Eines kostet mindestens 2000 Euro“, so die Geschädigte.

Warten auf Unterstützung

Geld hat sie keines mehr, obwohl sie eine Betriebsausfallversicherung abgeschlossen hat. Die habe es aber „nicht eilig“ mit dem Bezahlen und beschäftigt Gutachter mit der Schadensfeststellung und -prüfung. Staatliche Hilfe bekommen zunächst nur die Betriebe, die eine solche Versicherung nicht haben.

„Aber auch die großzügig versprochenen Staatshilfen fließen zäh“, berichtet die Friseurin aus dem Ahrtal über Erfahrungen ihrer Kolleginnen. Das einzige, was sie aus dem Schutt und Schlamm – alles, was von ihrem Salon noch übrig war – habe retten können, war ihr Meisterbrief. Er ist das Symbol für den Neuanfang, den die 48-Jährige mit Hilfe aus Seeon wagen will.