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Firma steigt aus Gasbetrieb aus

Frieren in Prien? Gasanbieter kündigt „völlig überraschend“ - So geht es jetzt weiter

Neben dem Kronasthaus (im Bild) sind auch weitere Gebäude in Prien betroffen.
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Neben dem Kronasthaus (im Bild) sind auch weitere Gebäude in Prien betroffen.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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„Völlig überraschend“ ist laut Bürgermeister Andreas Friedrich die Gasversorgung gekündigt worden. Welche Gebäude betroffen sind und wie es nun weitergeht.

Prien – Nun hat es auch die Marktgemeinde Prien erwischt: Der bisherige Gasanbieter hat die Verträge für vier Liegenschaften in der Marktgemeinde gekündigt. „Völlig überraschend“, wie Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen berichtet.

Beim bisherigen Anbieter, der„E.optimum“ AG, handelt es sich laut Angaben des Unternehmens um einen bundesweit tätigen Energieversorger, der Deutschlands größte unabhängige Energie-Einkaufsgemeinschaft ist. Ein Geschäftsmodell, das man im Priener Rathaus für relativ zuverlässig hielt. „Wir gingen davon aus, dass wir über die Einkaufsgenossenschaft sicher sind, weil Kostensteigerungen weitergegeben werden“, sagt der Bürgermeister.

Geschäftsmodell als Belastung

Als Kunden nennt „E.optimum“ auf seiner Homepage vorrangig kleine und mittelständische Unternehmen im ganzen Bundesgebiet. Die nun ebenfalls auf den Gasvertrag verzichten müssen. „Leider steigen seit über zwölf Monaten die Gaspreise kontinuierlich und unterliegen einer extremen Volatilität. „Durch das besondere Beschaffungsmodell wird die ‚E.Optimum‘ AG unmittelbar und sehr frühzeitig von dieser Entwicklung getroffen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Daher wolle sich das Unternehmen auf den Bereich Strom konzentrieren und aus dem Gasbereich aussteigen.

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Betroffen sind in Prien laut Friedrich die Alte Post, in welcher die Musikschule und die AWO ihren Sitz haben, außerdem das Haus für Kinder Marquette, das Kronast-Haus und die Stippelwerft. Zwar habe er sich gleich nach der Kündigung zum 15. September nach einem neuen Lieferanten umgesehen, allerdings habe sich dies schwierig gestaltet. „Selbst die großen Anbieter in Deutschland schließen aktuell keine Neuverträge ab, weil die Preise schlicht nicht mehr zuverlässig zu kalkulieren sind“, so Friedrich. Lediglich ein Angebot habe es gegeben. Allerdings „sehr teuer und mit sehr langer Laufzeit“, daher habe man sich dagegen entschieden.

„Faktor vier oder sogar 4,5“

Die Musikschüler müssen jedoch künftig nicht mit klammen Fingern Klarinette spielen, und auch in den anderen Liegenschaften drohen angesichts der Kündigung keine Minusgrade. Denn jetzt kommt die gesetzliche Ersatzversorgung zum Tragen. Nur ist die nicht billig: „Im Vergleich zum letzten Abrechnungsjahr liegen die Kosten beim Faktor vier oder sogar 4,5.“ Diese werden dann auf die Mieter der vier Liegenschaften umgelegt, indirekt sei aber auch die Gemeinde betroffen. „Beim Kronasthaus sind circa zwei Drittel der Kosten bei der Gemeinde. Bei der Stippelwerft hingegen trifft es die Mieter, zwei Segelvereine, und unseren Werftbereich“, bedauert der Bürgermeister.

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Um wie viel höher die Kosten für die Marktgemeinde dann tatsächlich sein werden, könne man jetzt aber noch nicht abschätzen. Privatpersonen seien nicht direkt betroffen, da in den betroffenen Liegenschaften keine Mietwohnungen der Gemeinde seien. Immerhin sei der Umbau der Heizung an der Franziska-Hager-Schule diesbezüglich rechtzeitig abgeschlossen: „Dort heizen wir künftig nicht mehr mit Gas, sondern mit aus Hackschnitzeln erzeugter Fernwärme.“

Was bei der Ersatzversorgung gilt

Wenn der Gasversorger wie im Fall der Marktgemeinde Prien den Vertrag kurzfristig kündigt, bedeutet das nicht, dass auch tatsächlich kein Gas mehr fließt. In diesem Fall springt der Grundversorger für diese Energielieferung ein. Der Vorgang wird als „Ersatzversorgung“ bezeichnet. Hintergrund ist eine gesetzlich angeordnete Notversorgung. Im Klartext: Die Versorgung mit Energie ist dadurch immer gesichert. Und zwar nicht nur bei Haushaltskunden, sondern auch bei gewerblichen Kunden. Die Ersatzversorgung beginnt nach dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) automatisch ab dem Zeitpunkt, an dem der Netzbetreiber die jeweilige Abnahmestelle dem Grundversorger zur Ersatzversorgung zuordnet.

„Passiert dies, weil der Netzbetreiber einem Lieferanten das Recht zur Netznutzung entzogen hat, muss der Netzbetreiber unverzüglich alle Anschlussnutzer (Kunden) und den Grundversorger in Textform darüber informieren und die Anschlussnutzer auf die Grundversorgung nach § 36 EnWG und die Ersatzversorgung nach § 38 EnWG hinweisen“, so die Information der Bundesnetzagentur.

Ein Vertragsabschluss sei dazu nicht extra nötig. Allerdings ist Ersatzversorgung oft teuerer, denn jeweils zum Ersten und 15. eines Monats können die Preise ohne Einhaltung einer Frist angepasst werden. Kunden sollten auch darauf achten, dem Ersatzversorger ihren tatsächlichen Verbrauch zu melden. Dieser darf nämlich auch vom Netzbetreiber geschätzt werden.

Binnen dreier Monate brauchen Kunden jedoch wieder einen neuen Lieferanten. Eine Kündigungsfrist beim Ersatzversorger besteht jedoch nicht.

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