Auf der Fraueninsel fühlen sie sich wohl: Rubinette und Roter Eiser

Der Klostergarten der Abtei Frauenwörth auf der Fraueninsel, im Hintergrund der Obstanger. Die grüne Pracht ist einen Besuch wert, zumal auch die Schiffe wieder uneingeschränkt – aber mit Auflagen – fahren.
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Der Klostergarten der Abtei Frauenwörth auf der Fraueninsel, im Hintergrund der Obstanger. Die grüne Pracht ist einen Besuch wert, zumal auch die Schiffe wieder uneingeschränkt – aber mit Auflagen – fahren.

Vor 15 Jahren belebte das Kloster Frauenwörth auf der Fraueninsel seinen Obstanger neu. Was einst Äbtissin Domitilla Veith mit einem beherzten Griff zum Spaten begonnen hatte, gestalteten die Ordensschwestern von Grund auf neu und entschieden sich für biologische, überwiegend alte Obstsorten.

Von Hans Thümmler

Fraueninsel – Der biologisch bepflanzte Obstanger des Klostergartens auf der Fraueninsel ist immer wieder eine Schau, und jetzt, wo Besuche auf der Insel wieder möglich sind, einen Besuch wert – auch wenn er nicht betreten werden darf, schließlich wird er von den Ordensschwestern bewirtschaftet. Sie feiern heuer ein kleines Jubiläum: Der Anger besteht seit seiner Neupflanzung seit 15 Jahren und beschenkt die Schwestern mit Zwetschgen, Birnen, Kirschen und vor allem Äpfeln.

Die Äbtissin griff beherzt zum Spaten

Wie zu jedem Hof der Bauerngarten und traditionell die Obstwiese gehören, so pflegen speziell auch die Klöster ihren Obstanbau. Seit Alters her galten die Bäume darin sogar als heilig. Der Klostergarten auf der Fraueninsel wurde ursprünglich im Jahre 1983 wiederbelebt. Die damalige Äbtissin Domitilla Veith griff beherzt zum Spaten und pflanzte unter Anleitung eines Fachmanns der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege das erste Apfelbäumchen für die neue Obstanlage. Weitere 59 wurden gepflanzt. Im Jahr 2005 erfolgte die Neuanlage des Obstangers. Die Benediktinerinnen wollten bewusst an die alte und geschätzte Obstbaumtradition der Klöster anknüpfen.

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Nach rund 20 köstlichen Erntejahren ermüdeten die kleinen Bäumchen. „Die Entscheidung, eine neue Obstanlage anzulegen fiel dem Kloster nicht leicht“, so die für den Klostergarten zuständige Ordensschwester Katharina Heisterkamp. Die neue Anlage sollte pflegeleichter und zugleich ertragreicher genutzt werden können. „Insbesondere legten wir auf biologischen Anbau mit integriertem Pflanzenschutz Wert.“ Eine Spindelbuschanlage erfüllte diese Voraussetzungen am besten. Dabei sind die einzelnen Sorten auf den schwach wachsenden Unterlagen veredelt und die Bäume bleiben selbst im ausgewachsenen Zustand relativ klein.

Die Entscheidung bedeutete aber auch mühsame und schwierige Rodungsarbeiten über das ganze Jahr 2005 hinweg.

Hagelschlag 2013 zerstörte alles

„Nur wenige Bäume der ersten Pflanzung blieben für die kommende Anpflanzung stehen“, erinnert sich Schwester Katharina Heisterkamp. So wurden im Herbst 2005 rund 100 Obstbäumchen, vor allem Apfel, aber auch Zwetschge, Kirsche und Birne von einer biologischen Baumschule bezogen. Obwohl die Beete aufs Beste hergerichtet waren, erlaubte ein früher Wintereinbruch nicht mehr das Einpflanzen. Erst im Frühjahr 2006 durften die Bäumchen endlich in die vorgesehenen Beete gesetzt werden. Im gleichen Frühjahr begann zur Freude des Klosters schon ein mehr oder weniger üppiges Blühen.

Aber auch die neue Anlage wurde von Katastrophen nicht verschont. „So wurden beim großen Hagelschlag 2013 alle Äpfel und Birnen zerschlagen und so manches Bäumchen erlitt eine empfindliche Verletzung“, sagt Ordensschwester Ruth Bauer, die Teil des Betreuerteams des Obstangers ist. Die Schwestern fertigten im Winter 2015/2016 Namensschilder für die jeweiligen Sorten der Obstbäume und legten ein Apfelarchiv an. Darin sind fein säuberlich alle Sortennamen beschrieben, wie Eigenschaften, Wuchsverhalten, Aussehen und Geschmack der Äpfel.

Alte und neue Sorten nebeneinander

Viele Sorten wurden nach und nach gekauft und eingepflanzt. Großes Augenmerk wird auf alte, erhaltenswerte Sorten auf den schwach wachsenden Unterlagen gelegt. So entschloss sich das Kloster, alte und neue Sorten gleichberechtigt miteinander aufleben zu lassen. Dies sind besonders die Winterapfelsorten Zaber-gäurenette und der Rote Eiserapfel. Vom „Roten Eiser“ ist bekannt, dass er schon im 16. Jahrhundert verbürgt und erst durch Züchtung der „Modeäpfel“ in Vergessenheit geraten war. Eine neuere Sorte im klösterlichen Obstanger ist zum Beispiel „Rubinette“.

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Haben sich nun nach rund 15 Jahren die Überlegungen des Klosters, besonders mit der Spindelbuschanlage, bewährt? Die Schwestern bejahen dies in jeder Hinsicht. So habe sich auch bestens die getroffene Auswahl der Obstsorten bewährt, trotz der oft rauen Ostwinde und der kalten Frühjahre. Des Weiteren seien die Bio-Bäume einfach oder sogar mehrfach resistent gegen Pilzerkrankungen. Die Pflege der Bäume und die Ernte würden durch die relative Kleinwüchsigkeit der Spindelbüsche sehr erleichtert. So sei auch das Anbringen von Schutznetzen gegen den Vogelfraß wegen der geringen Höhe viel leichter gewesen, erzählt Schwester Katharina.

Laut Äbtissin Johanna Mayer ist die Apfelernte 2019 im Obstanger „besonders gut und reichlich“ ausgefallen: „Die schönen, prächtigen Äpfel sind eine wahre Freude.“

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