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„Schutzengel“? Kajak-Unfall nach Christkindlmarkt-Besuch auf Fraueninsel endet fast tödlich

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Von: Sabine Deubler

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Gekenterter Kajakfahrer, der in Lebensgefahr schwebte und auf dem Rückweg vom Christkindlmarkt auf der Fraueninsel gerettet werden musste, vor seinem Boot.
Nur knapp mit dem Leben davongekommen. „Ich warne dringend vor nächtlichen Bootsfahrten auf dem winterlichen Chiemsee ohne Neoprenanzug und ohnmachtsichere Schwimmweste”, sagt der gerettete Andreas Ehrensperger (Bild aus dem Sommer). © Privat

Er fiel bei neun Grad Wassertemperatur aus seinem Kajak in den Chiemsee – und überlebte nur mit Glück und dank des beherzten Eingreifens eines Freundes. Im Interview erzählt Andreas Ehrensperger, wie knapp es tatsächlich war und wovor er Kajakfahrer warnt.

Gstadt/Prien – Es waren nur rund 20 Minuten, doch die waren so dramatisch, dass er sie nie vergessen wird. „Ich verkaufe mein Boot und höre mit dem Kajakfahren auf.“ So äußerte sich Andreas Ehrensperger aus Simbach am Inn kurz nach seinem schockierenden Erlebnis.

Auf dem Rückweg passiert es

Der 52-Jährige war mit einem Freund im Kajak von Gstadt aus zur Fraueninsel auf den Christkindlmarkt gepaddelt, während die Frauen und Kinder der beiden mit dem Schiff hin- und zurückfuhren. Nach dem Besuch des Marktes wollten die beiden Männer zurück nach Gstadt paddeln.

Nur neun Grad Wassertemperatur

Zunächst sei alles okay gewesen, so Ehrensperger, „doch dann ist Nebel aufgekommen und es war stockdunkel. Dann kam eine Welle und warf mein Kajak um. Ich fiel ins Wasser und dachte nur ‚Das ist es jetzt gewesen‘. Meine dicken Klamotten saugten sich sofort mit Wasser voll und hinderten mich am Schwimmen.” Dann habe er sich doch angestrengt – und durchgehalten. 

Dann treibt auch noch das Kajak ab

Das Durchhalten fiel jedoch nicht leicht, denn das Kajak trieb durch den Wellengang sofort in die Dunkelheit ab. Glücklicherweise war sein Freund noch in der Nähe. Und so hielt er sich an dessen Kajak fest. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der Schreinermeister alleine gewesen wäre. „Ich habe mich am Kajak meines Freundes festgehalten. Er ist dann rund 20 Minuten mit mir im Wasser zurückgerudert zur Fraueninsel. Denn wir hatten erst ein Drittel des Weges Richtung Gstadt zurückgelegt, und da war die Fraueninsel näher”, fasst der Verunglückte die Situation zusammen.

Trotz Beleuchtung und Schwimmweste kaum Chancen

Im Polizeibericht der Wasserschutzpolizei Prien am Chiemsee heißt es: „Der verunfallte Mann hätte es laut eigenen Angaben trotz Beleuchtung und Schwimmweste wohl alleine nicht mehr an das rettende Ufer geschafft.” Andreas Ehrensperger bestätigt das und will Kajakfahrer warnen: „Wir haben die Situation völlig falsch eingeschätzt, als wir nach dem Christkindlmarkt noch bei Tageslicht losgefahren sind. Wer im Winter Kajak fährt, sollte unbedingt eine ohnmachtsichere Schwimmweste tragen und einen Neoprenanzug.” Er selbst hatte diesen nicht.

Starke Unterkühlung

Als ihn sein Freund endlich an Land bringen konnte, war sein Körper auf unter 34 Grad Celsius herabgekühlt – noch nicht lebensbedrohlich, doch ein schwerer Unterkühlungszustand. Zum Glück waren das Bayerische Rote Kreuz und die Wasserrettung wegen des Christkindlmarkts auf der Fraueninsel in Bereitschaft und konnten Ehrensperger sofort versorgen. Der Gerettete zeigt sich sehr dankbar und beeindruckt: “Alle waren so freundlich zu mir. Keiner sagte ,Du Depp, was machst du da?’” Ein Dankeschön möchte er auch nochmals der Benediktinerinnen-Abtei Frauenwörth aussprechen. „Schwester Scholastica hat mir trockene Kleidung gegeben”, so der 52-Jährige Simbacher.

Jetzt ist Schluss

„Ich hatte einen Schutzengel. So etwas will ich kein zweites Mal riskieren. Darum höre ich mit dem Paddeln auf, auch wenn ich es bis jetzt passioniert betrieben habe“, sagt der Schreinermeister. Dass er das Kajak noch hat, hat er den Einsatzkräften zu verdanken. „Es konnte nach einer durch den Nebel deutlich erschwerten Absuche im Schilfgürtel gefunden werden und durch die Wasserwacht geborgen werden“, schildert der Polizeibericht.

Frauenchiemsee im Lichterglanz
Frauenchiemsee im Lichterglanz © Prien Marketing GmbH

Nie ohne Begleitung und Schutzausrüstung

Die Wasserschutzpolizei warnt, wie Andreas Ehrensperger, vor nächtlichen Bootsfahrten bei winterkalten Temperaturen. Eingehend abgeraten werde von solchen Fahrten, wenn keine Begleitung dabei sei. Im Fall von Andreas Ehrensperger war tatsächlich sein Begleiter sein Lebensretter.

Es war kein Alkohol im Spiel

Alkohol war bei dem Kajakunfall übrigens nicht im Spiel. Was wäre, wenn? Polizeihauptmeister Thomas Schmidbauer von der Wasserschutzpolizei Prien weist auf die strengen Regeln hin: „Auf dem Wasser gelten dieselben Regeln wie an Land. Ab 0,5 bis 1,1 Promille ist es eine Ordnungswidrigkeit, ab 1,5 Promille eine Straftat, ein Fahrzeug oder ein Boot zu lenken.” Der Kontrolldruck sei am See natürlich geringer als auf der Straße. Vor allem im Sommer passieren laut Schmidbauer ab und zu Bootsunfälle auf dem Chiemsee, bei denen der Lenker alkoholisiert ist.

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