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Ein Leben für‘s Tanzen und Eisstockschießen

Franz Obermair aus Breitbrunn feiert 90. Geburtstag

Breitbrunns Ehrenbürger Franz Obermair bei seinem täglichen Ritual, dem ausführlichen Lesen der Chiemgau-Zeitung. Seinen 90. Geburtstag feierte er im Kreis seiner Familie.
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Breitbrunns Ehrenbürger Franz Obermair bei seinem täglichen Ritual, dem ausführlichen Lesen der Chiemgau-Zeitung. Seinen 90. Geburtstag feierte er im Kreis seiner Familie.
  • VonKarl Wastl
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Franz Obermair ist Ehrenbürger von Breitbrunn, und das hat er vor allem seinen beiden Leidenschaften zu verdanken: dem Plattln und dem Eisstockschießen. Wobei er vor allem ein Faible für das „Wuidschiassn“ hegt. Jetzt ist er 90 Jahre alt geworden und schaut auf ein bewegtes Leben.

Breitbrunn – Bei stabiler Gesundheit konnte der Breitbrunner Ehrenbürger Franz Obermair dieser Tage sein 90. Wiegenfest feiern. In die Riege der Gratulanten reihte sich neben Zweitem Bürgermeister Wolfgang Schlemer auch Seniorenbeauftragte Martina Wagner ein.

Obermair, den die meisten im Ort „Staller Franz“ nennen, wurde 1931 als sechtes von acht Kindern der Bauersleute Susanne und Sepp Obermair geboren. Dass die Familie den „Stallerhof“ bewirtschaftete, erklärt auch seinen Rufnamen.

Frühe Verluste prägen sein Leben

Die Zeit des Zweiten Weltkriegs bedeutete für die Obermairs mehrere, schwere Schicksalsschläge: 1942 und 1943 ließen die beiden Brüder Josef, damals 19, und Emmeran, 26, ihr Leben als Soldaten in Rußland. Der Vater erlag 1946 einem Krebsleiden. Somit musste der junge Franz mit 15 Jahren den elterlichen Hof übernehmen, kaum dass er die Volks- und Landwirtschaftsschule verlassen hatte.

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Freude und Abwechslung zum Alltag voller harter Arbeit fand er im Trachtentanz. Das Plattln lag ihm schon früh im Blut: „Zu jeder Musi haben wir damals geplattelt.“ Beliebt waren besonders die „Almtänze“: Dort lernte er Irene Schleipfner von der Fraueninsel kennen, 1958 läuteten die Hochzeitsglocken. Fünf Kinder kamen zur Welt; heute hat Obermair elf Enkel und ist bereits Uropa. Anfang der 1970er Jahre stellte er die Landwirtschaft ein. Bis zu seiner Rente arbeitete Obermair in einer Priener Druckerei.

„Seine“ Trachtenkinder holten Preise

Zwei Passionen, nämlich das Schuhplatteln und Eisstockschießen, hat der „Staller Franz“ fast sein halbes Leben gewidmet, erzählt er im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Unter seiner Anleitung pflegten Generationen von Breitbrunner Kindern das Brauchtum des Schuhplattelns und lernten Eisstockschießen. Geübt hat Obermair mit den Trachtenkindern anfangs noch im Hausgang vom „Stallerhof“. In Ermangelung einer musikalischen Begleitung, „habe ich die Stücke einfach selber gepfiffen, und mit bestimmten Zeichen auf die Fehler hingewiesen.“ Viele „seiner“ Trachtenkinder holten Stockerlpreise in der Gaujugend oder durften in der Gaugruppe mitmachen.

Wurde im Sommer hauptsächlich getanzt, widmete sich der Jubilar im Winter mehr dem Eisstockschießen.

Bis zur Weltmeisterschaft gebracht

Zunächst als Ersatz fürs Skifahren: Da seien ihm in jungen Jahren unter der Abfahrt die Brettln kaputt gegangen und Geld für neue gab es nicht: Ein alter Holzstock aus dem Schuppen war dann das „Startkapital„ fürs Eisstockschießen. Ab da kam sie jeden Winter zurück, die Freude an diesem gesellligen Sport. „Jede freie Minute“ verbrachte Obermair, wie er sagt, auf dem Eis.

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Am meisten Spaß macht es ihm „ohne Regeln und mit Berühren der Bande, also `Wuidschiass´n´ mit `O`wandln´“. Ausgeprägter Teamgeist und Obermairs unermüdlicher Einsatz als Trainer sind es, die die Breitbrunner Stockschützen im Lauf der Jahre über den Kreismeister bis hin zum Bayerischen, Deutschen, Europa und Weltmeister im Gruppen- oder Einzelstockschießen.

„Nie hat sich einer abwerben lassen“, ist Obemair noch heute Stolz. Seit Anfang der 1990er Jahre stellen die Breitbrunner Stockschützen sogar eine erfolgreiche Bundesliga-Mannschaft.

Ausgezeichnet für Sport-Engagement

Im Jahr 2006 wurde ihm das Gau-Ehrenzeichen des Trachtenverbands und 2008 das Ehrenabzeichen in Gold des Bayerischen Eisstockverband überreicht. 2012 beschloss der Gemeinderat, den Jubilar zum Breitbrunner Ehrenbürger zu ernennen.

2018 musste er seine geliebte Gattin zu Grabe tragen. Bis vor geraumer Zeit unternahm Obermair noch ausgedehnte Spaziergänge. Das ausführliche Lesen der Chiemgau-Zeitung gehört nach wie vor zu seinen täglichen Ritualen.

Seinen Ehrentag feierte er im Kreis seiner fürsorglichen Familie. Wie es sich für einen Trachtler gehört, haben seine Söhne ihm zu Ehren einige Stücke geplattelt und Musikwart Hannes Ettenhuber steuerte das Liedgut bei.

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