Ein Fluss, der niemals Ruhe gibt: Reparaturarbeiten sollen die Tiroler Achen fürs Hochwasser wappnen 

Die Baggerarbeiten bei Schleching bewegen jede menge Steine und Erdmassen. Tofern

Es tut sich was im Flussbett der Tiroler Achen – und das gleich an zwei Stellen. Einmal in Baumgarten bei Schleching. „Dort ist stellenweise das Ufer weggebrochen“, erklärt Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Traunstein auf nachfrage unserer Zeitung.

Marquartstein/Schleching –  „Das gefährdet den gleich dahinter liegenden Damm.“ Wie das passiert ist? Da braucht es keine große Katastrophe, da reicht schon ein kleines Hochwasser wie im vergangenen Jahr.

Flusswasser per Wall aus Sand und Kies umgeleitet

Das Ufer muss mit neuen Buhnen (rechtwinklig vom Ufer zur Flussmitte hin errichteter Damm, der dem Flussbau geschützt werden). Diese Buhnen werden im Alpenraum auch Schlacht genannt und sind kleine Dämme, die Richtung Flussmitte errichtet werden, um das Ufer zu schützen. Damit die Arbeiten in Ruhe vonstatten gehen können, wurde der Großteil des Flusswassers mit einem Wall aus Sand und Kies umgeleitet.

Bis zu 2000 Lkw-Ladungen Kies und Geröll

So kommt an dem Ufer, an dem gearbeitet wird, kaum Wasser an. Beim Betreten der Baustelle holt man sich nur minimal nasse Füße. Stück für Stück werden Sand und Geröll mit Baggern umgeschichtet und dicke Holzpfähle zur Befestigung in den Grund getrieben. Auch in Marquartstein arbeiten mehrere Bagger im Flussbett.

„Dort ist eine Kiesbank viel zu hoch, die ist ein regelrechtes Abflusshindernis geworden“, erklärt Raith. Immerhin schiebt der Fluss pro Jahr zwischen 1000 und 2000 Lkw-Ladungen Kies und Geröll vor sich her. Und davon bleibt dann ein Teil an einer Flussbiegung wie kurz vor Marquartstein auf Höhe der Chiemgau-Klinik hängen. Diese unliebsame Fracht türmt sich zu regelrechten Wällen auf. Diese Gesteinsberge werden nun wieder abgetragen, damit das Wasser ordentlich abfließen kann.

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Die Reparaturarbeiten bei Schleching kosten 70  000 Euro, die in Marquartstein sogar 80 000 Euro. „Die Kosten sind durchaus angemessen, denn dadurch wird der Hochwasserschutz weiter gewährleistet“, sagt Raith. Außer Sand und Geröll wird auch das viele Schwemmholz gesammelt und abtransportiert, das den Winter über an dieser Stelle gestrandet ist.

Vor allem auch deshalb, damit es nicht wieder so ein Problem wird, wie beim dramatischen Hochwasser Anfang Juni 2013. Damals hatten die Wassermassen viele Ortschaften überflutet und von der Außenwelt abgeschnitten. Das Treibholz aber hatte kleinere Brücken mitgerissen und das Delta der Achen im Chiemseeblockiert.

Im Frühsommer 2013 hatte es tage- und nächtelang geregnet. Der Regen hörte nicht auf, das Wasser stieg allerorten immer weiter. Alle Straßen aus und in den Ort waren unpassierbar, weil sie überflutet waren. In vielen Häusern waren die Keller vollgelaufen, das Grundwasser drückte unaufhaltsam nach oben. Die Feuerwehr sperrte viele Brücken ab und vertrieb die Schaulustigen, da die Gefahr bestand, dass das Wasser die Bauwerke überspült.

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In den Gemeinden Raiten, Marquartstein und Staudach mussten wegen des Hochwassers ganze Ortsteile evakuiert werden. Ein großes Problem hatten die Achental-Bewohner, die im Keller ihren metallenen Öltank in einer Plastikwanne gelagert hatten.

Das letzzte Hochwasser hob die Plastikwannen an, der Öltank kippte und lief aus. Solcherart heimgesuchte Häuser waren fast unbewohnbar. Nur ein Beispiel, das zeigt, wie wichtig ein akkurater Hochwasserschutz ist.

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