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Flatrate-Partys statt Idylle am Hochgern?

Einheimische verärgert: Findet im Hochgernhaus eine Art Ballermann-Tourismus statt?

Der Hochgern ist einer der schönsten Aussichtsberge des Chiemgaus. Im Hochgernhaus, dem höchstgelegenen Gastronomiebetrieb, kann man allerdings zu Flatrate-Tarifen feiern. Das stört so manchen bergbegeisterten Einheimischen und Tourist.
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Der Hochgern ist einer der schönsten Aussichtsberge des Chiemgaus. Im Hochgernhaus, dem höchstgelegenen Gastronomiebetrieb, kann man allerdings zu Flatrate-Tarifen feiern. Das stört so manchen bergbegeisterten Einheimischen und Tourist.
  • VonOliver Lang
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Hinterm Hochgernhaus (1461 Meter) wehen tibetische Gebetsfahnen im Wind. Doch ganz so idyllisch, wie es dieser Anblick vermuten lässt, soll es hier nicht immer zugehen. Regelmäßig stattfindende Feiern stoßen nicht überall auf Gegenliebe. Hier die Situation im Detail.

Von den höchstgelegenen Gastronomiebetrieben des Hochgerns, der Moar-Alm (1 400 Meter), der Enzian-Hütte (1 420 m) und dem Hochgernhaus (1 461 Meter) bietet nur Letzterer die Möglichkeit zur Übernachtung. Wer möchte, kann dort auch zu Flatrate-Tarifen und mit Musik bis spät in die Nacht hinein feiern.

Flatrate-Partys und Junggesellenabschiede als Konzept?

Im privat geführten Hochgernhaus können Mehrbettzimmer und das Matratzenlager mit Halbpension gebucht werden. Größere Gruppen, die zur Halbpension noch etwas drauf legen, können ihre eigenen alkoholischen Getränke mitbringen. Beliebt ist der Flatrate-Tarif: Für gut 40 Euro Zuschlag kann man soviel trinken, wie man verträgt. Oder auch nicht. Bis es ins Bett geht.

Genau das stößt einigen bergbegeisterten Einheimischen (Namen sind der Redaktion der OVB-Heimatzeitungen bekannt) sauer auf. Die Rede ist von einem Ballermann-Konzept ohne Rücksicht auf andere Wanderer und Gäste, die Natur und die Tierwelt sowie die Gesundheit der Feiernden. Denn ungefährlich ist es auf fast 1 500 Metern per se nicht.

Mahnende Stimmen sind der Gemeinde Unterwössen bekannt

Dass es Kritik am Hochgernhauses gibt, ist auch der Gemeinde Unterwössen bekannt. „Wir wurden in der Vergangenheit durch Wanderer auf gewisse Mängel rund ums Hochgernhaus hingewiesen“, so Unterwössens Bürgermeister Ludwig Entfellner (CSU) auf unsere Anfrage. „Daraufhin haben wir im letzten Jahr das Gespräch mit dem Pächter gesucht!“ Der hatte daraufhin angekündigt, „sich um die Mängel zu kümmern“.

Das sagt der Pächter

Darauf angesprochen, bestätigt der Pächter Robert Plajer, ein Berufspilot aus Bad Aibling, dass es im letzten Jahr ein Gespräch mit den Bürgermeistern von Marquartstein und Unterwössen gab. Dabei soll es jedoch vor allem um Investitionen gegangen sein. „Die Sauberkeit wurde nicht bemängelt!“, so Robert Plajer auf unsere Nachfrage: „Das Problem der Müllentsorgung haben wir vor rund zwei Jahren mit der Anschaffung von verschließbaren Mülltonnen in den Griff bekommen.“

Weiter berichtet Plajer: „In den letzten Monaten wurde sehr viel investiert. Die Küche wurde komplett neu gefliest und mit Edelstahl-Arbeitsplatten ausgestattet. Dazu kommt eine moderne Gläser-Spüleinrichtung und eine Photovoltaik-Anlage mit Akku-Speicherkapazität für über 50.000 Euro!“

Auf das Konzept der Flatrate-Partys angesprochen, bestätigt Plajer dieses: „Der Pauschalpreis wird gerne genutzt, aber nicht nur für Feiern, sondern auch von Schulklassen.“ Zudem verweist er auf einen stattfindenden Einheimischen-Stammtisch und überwiegend sehr gute Google-Rezensionen in den letzten Monaten.

Das sah schon mal anders aus, wie unsere Recherche bei den Bewertungsportalen Google und Tripadvisor ergab. Doch zuletzt wurde das Hochgernhaus mehr gelobt.

Unser Eindruck vom Hochgernhaus

Vorbei an jungen Kühen, Mischwaldbestand und Wildblumenwiesen erreicht man nach einer leichten Wanderung das Hochgernhaus. Der Ausblick von dort oben ist – und das trifft auch für die Moar-Alm und die Enzian-Hütte zu – sensationell.

Es ist kein Wunder, dass der Hochgern einer der beliebtesten Aussichtsberge des Chiemgaus ist. Da versteht man auch bergbegeisterte Einheimische, die sich um die Idylle dort sorgen. Doch bei einem Besuch des Autors anlässlich der Recherche wurden keine Auffälligkeiten festgestellt.

Die Aussichten

Was bleibt, ist ein gemischtes Stimmungsbild. Kritische Stimmen bemängeln, dass das Hochgernhaus nicht dem schönen und symbolträchtigen Standort angemessen geführt wird. In der Kritik steht vor allem das Partykonzept mit Flatrate-Tarifen und später Nachtruhe.

Auf der anderen Seite steht der Pächter, Robert Plajer, der in den letzten Monaten hohe Investitionen in die Hygiene und Energieversorgung getätigt hat und insgesamt zufrieden mit dem aktuellen Zustand zu sein scheint.

Wer will, kann sich ja ein eigenes Bild von der Lage auf 1 461 Meter Höhe machen – der Ausblick ist garantiert großartig.

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