Mit Fest an Sieg erinnern

Volksfest mit Umzug durch den Ort: Am Samstag geht‘s um 14.14 Uhr in Unterwössen los. Foto Archiv Flug
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Volksfest mit Umzug durch den Ort: Am Samstag geht‘s um 14.14 Uhr in Unterwössen los. Foto Archiv Flug

Unterwössen - Mit dem Seeräuberspiel und einem großen Umzug versetzen rund 350 Mitwirkende das Dorf Unterwössen zurück in die Welt um 950 n. Chr. Acht Jahre nach der letzten Aufführung in 2006 veranstaltet der traditionelle Seeräuberverein Wössen erneut dieses große Fest. Er setzt damit eine jahrhundertelange Tradition fort.

Das Volksfest geht auf eine Sage zurück. Der mutige Ritter und Herr der Rettenburg habe das Volk im Achental versammelt, plündernde und marodierende Ungarn zu vertreiben. Deren Reiterscharen wüteten im Chiemgau und eroberten auch das Nonnenkloster Frauenwörth. Die Achentaler hätten die Eindringlinge vernichtend geschlagen, weiß die Sage. Dazu passt, dass ab 899 n. Chr. Ungarn in Bayern einfielen. Im Jahr darauf drangen die ersten Reiterschwärme bis zur Enns vor. 907 n. Chr. zerstörten sie auch die Chiemseeklöster. In dieser Zeit wurden die Städte befestigt und Burgen gebaut. Im Achental entstanden wohl ab 920 n. Chr. die Burgen Hohenstein, Veles, Streichen und die Rettenburg. 954 n. Chr. kam es zu erneuten Verwüstungen durch die Ungarn. Erst 955 n. Chr. wurden die Ungarn durch Otto den Großen auf dem Lechfeld vernichtend geschlagen. Es ist überliefert, dass die gefangenen Ungarn in der Region Lehndienste leisteten.

Dr. Josef Aschenbrenner weiß in seiner Unterwössner Heimatgeschichte, dass der Bevölkerung die landesherrliche Erlaubnis erteilt wurde, alle zehn Jahre mit einem Fest an den Sieg zu erinnern. Bekannt sind neuerliche Aufführungen aus 1849, 1865, 1886, 1897, 1911 und 1934. Nach Gründung im Jahr 2000 hat in der Neuzeit der Verein das Seeräuberspiel 2001 und 2006 aufgeführt. Jetzt in 2014, acht Jahre später, steht es wieder an. Als Motiv für die Neugründung des Vereins sieht das 69-jährige Vorstandsmitglied Hans Michael Heser "gelebte Dorfgemeinschaft". Mit der Neugründung hätten sich die alten Unterwössener dagegen gewandt, den alten Brauch zu vergessen. Sein persönlicher Wunsch wäre es, dass sich das Seeräuberspiel zukünftig mehr abseits des Faschingstrubels etablieren könnte.

Samstag, 14.14 Uhr zeigt die Uhr und die Kirchenglocken der Pfarrkirche St. Martin läuten. Kurz darauf schnalzen beim Aperschnalzen an der Hauptstraße die Passen ihre bis zu Meter langen Goaßln. Auf diese Zeichen setzt sich der Festzug von der Einmündung Streichenweg/Burgweg in Bewegung. Er besteht aus zwei Zügen. Der Erste ist der Triumphzug, der den Sieg über die Ungarn feiert. Der zweite Zug erinnert an historische Momente, zeigt mittelalterliches Volk und steht sinnbildlich für die Winteraustreibung.

Der Zug führt über die alte Dorfstraße zur Kirche, von da über die Hauptstraße zum Rathausplatz. Dort stellen sich nach festlichen Ansprachen die Gruppen aus dem Zug vor. Der Ortsheimatpfleger Anton Greimel blickt auf die Geschichte. Das Publikum erwartet gespannt die traditionellen Tänze, den Bogentanz der Seeräuber, den Chinesen- und den Zigeunertanz. Höhepunkt wird der Schwertertanz in Begleitung der Reifenschwinger sein. Die Aperschnalzer setzen den Schlusspunkt. Vom Rathausplatz führt der Zug über den Postweg zum Zigeunerlager in und um die Turnhalle am Zollweg. Bei Bewirtung und Barbetrieb, mit Musik von den Musikkapellen und der heimischen Band "ZündUp" klingt das Fest spät in der Nacht aus.

Die Festzeichen - auch Eintrittskarte für die Abendveranstaltung - kosten während des Festzuges 2,50 Euro und an der Abendkasse fünf Euro. Es empfiehlt sich deshalb - so der Tipp von Seeräubervorstand Michael Frank - schon zum Festumzug dabei zu sein.

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