Ferienkinder beim Inseltöpfer auf der Fraueninsel: Vom Meister viel abgeschaut

Marlene verleiht ihrem Hasen ein Gesicht. Breitfuß
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Marlene verleiht ihrem Hasen ein Gesicht. Breitfuß

Es ist August, die Sonne scheint, die Fraueninsel quillt förmlich über von Menschen. Eigentlich haben die Insulaner heute sehr gut zu tun. Trotzdem: Georg Klampfleuthner lässt die Kunden in seiner Inseltöpferei Kunden sein. Der 56-Jährige hat hohen Besuch: Acht Priener Ferienkinder gehen heute bei ihm in die Töpferlehre.

Von Dirk Breitfuß

Fraueninsel/Prien

Seit über 20 Jahren lässt sich Klampfleuthner das nicht nehmen. Er gehört zu den treuesten Anbietern, die mithelfen, das Priener Ferienprogramm jedes Jahr zu einem abwechslungsreichen Angebot zu entwickeln. Viele andere Gemeinden haben es heuer sein lassen, die Priener haben trotz Corona ein Programm mit 54 Angeboten auf die Beine gestellt. Eins davon heißt „Besuch bei ;Inseltöpfer‘“.

Lustige Biberfamilie zum Warmwerden

Klampfleuthner und seine Mitarbeiterin Christina Wallner haben jede Menge Ton vorbereitet. Zum Warmwerden greift sich jedes Kind eine Handvoll und formt – nur mit einem Foto als Vorlage – einen Biber. Schnell entsteht eine lustige Biberfamilie, die einem liegen, die anderen kriechen, einer macht sogar Männchen.

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Nur eins haben sie gemeinsam: die Farbe. Bis die Kinder ihre Werke fertig in den Händen halten dürfen, wird es wohl fast zwei Wochen dauern, erklären ihnen die Profis. Denn Töpfern erfordert viel Geduld. Während Klampfleuthner die Müslischüssel (ein Renner der Saison, besonders in Pastellfarben) mit geübten Fingern auf der Töpferscheibe in weniger als zwei Minuten geformt hat, ist es bis zum Endprodukt noch ein weiter Weg. Die gleichen Arbeitsschritte liegen auch noch vor den Kinderkunstwerken. Die Rohlinge müssen zunächst mehrere Tage komplett austrocknen, bevor sie mit „Engobe“, einem hellen, flüssigen Ton begossen werden, der für die spätere Farbgebung wichtig ist.

Nach einem sogenannten Schrühbrand bei 900 Grad folgen die Bemalung und die Glasur, bevor jedes Stück bei 1090 Grad „glatt“ gebrannt wird. Als Klampfleuthner für die Besucher die Ofentür öffnet, fällt der Blick auf Mengen von Töpferprodukten und die Hitze strömt einem entgegen.

Im Regal gegenüber sind feinsäuberlich noch farblose Kacheln aufgereiht, die später einmal zum neuen Kachelofen in der Frasdorfer Hütte gehören werden, erzählt der Chef. Solche Auftragsarbeiten machen etwa die Hälfte des Geschäfts der Inseltöpferei aus.

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Die sogenannten Negativformen sind ein großes Schatz des Betriebs. Weil die Geschichte der berühmten Inseltöpferei bis ins Jahr 1609 zurückreicht und sie seit 1723 in Familienbesitz ist, haben die Klampfleuthners Negativformen aus allen Stilepochen in ihren Beständen. Es gibt also kaum einen individuellen Wunsch, den sie nicht erfüllen können.

Nachdem die Biber zum Trocknen aufgestellt sind, holen Klampfleuthner und Wallner einige ihrer 300 Gipsformen.

Mit ihnen gelingen die Kunstwerke leichter, aber einfach ist es trotzdem nicht. Wenn der Ton in die Form gepresst und mit der Teigkelle glatt gestrichen ist, muss der Rohling aus dem Gips befreit werden, ohne ihn zu zerstören.

Der Trick mit der Tonkugel

Eine kleine, handliche Tonkugel hilft, der Chef zeigt mit geübten Fingern, wie es geht: Mit der Kugel am Rohling andocken und leicht ziehen, schon löst sich der Ton in der Form vom Gips. Auf die Rückseite schreiben die Kinder ihre Namen, damit nichts verwechselt wird. Wenn noch Platz ist, schreiben sie auch ihren Farbwunsch dazu: „Pink“ steht auf einem Tonherz. „Pink ist ganz schwierig“, weiß Klampfleuthner aus jahrzehntelanger Erfahrung beim Mischen der Farbtöne. Aber er wird sein Bestes geben, damit die Kinder bald ihre Kunstwerke mit glasierter Wunschfarbe in Händen halten können.

Georg Klampfleuthner arbeitet in seiner Werkstatt an einem Kerzenständer.Breitfuß
Anna hat ihren Namen auf die Rückseite des Herzens geschrieben, damit es nicht verwechselt wird.Breitfuß

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