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Wie haben Römer und Kelten in Seeon-Seebruck gelebt?

Birkenpech und Eschenbogen: Familientag am Keltengehöft in Stöffling

Als sich die Kelten und Römer beim historischen Familientag der Tourist-Information Seebruck vor dem Eingangstor des Keltengehöft Stöffling gruppierten, setzte ein wahres Blitzlichtgewitter ein. Wenig später zuckten dann echte Gewitterblitze vom Himmel.
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Als sich die Kelten und Römer beim historischen Familientag der Tourist-Information Seebruck vor dem Eingangstor des Keltengehöft Stöffling gruppierten, setzte ein wahres Blitzlichtgewitter ein. Wenig später zuckten dann echte Gewitterblitze vom Himmel.
  • VonMarkus Müller
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Wie wohl die Römer und die Kelten früher gelebt haben? Das gab es nun hautnah zu erleben am Keltengehöft in Stöffling in der Gemeinde Seeon-Seebruck. Was das mit Zwiebelschalen und Schilfblüten zu tun hat.

Seeon-Seebruck – Sehr gut angenommen wurde der historische Familientag der veranstaltenden Tourist-Information Seebruck im Freilichtmuseum Keltengehöft Stöffling. An fünf Stationen tauchten die Besucher, darunter viele Familien mit Kindern, in die antike Vergangenheit ein und nutzten die Chance, sich mit waschechten Kelten und Römern zu unterhalten.

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An der Westseite des Gehöfts präsentierten schwer bewaffnete römische Legionäre der „Legio II Italica“ ihre Schwerter, Dolche und Wurfspeere sowie ihre Ausrüstung und Kleidung, darunter Kettenhemd, Helm und Schild. „Ihr Schild haben die Soldaten bei ihren langen Märschen auf dem Rücken getragen, nur bei Feindkontakt haben sie es in die Hand genommen“, erklärte Legionär Manfred Mayer.

Wie schliefen die Legionäre?

Zu bestaunen gab es auch einige der 45 von der Römergruppe selbst hergestellten „Pila Muralis“, bestehend aus drei auf beiden Seiten spitz zulaufenden und zusammengebundenen Holzpfählen. Dicht nebeneinander auf einem Grabenwall aufgestellt hätten sie einst für ein Militär-Nachtlager einen guten Schutz geboten, so Legionär Uwe Herwegh. Organisator Matthias Ziereis und dessen Sohn Lenz zeigten die Ergebnisse von Beschussexperimenten mit keltischen und germanischen Langbögen sowie die Anfertigung solcher antiker Fernwaffen aus dafür bestens geeignetem Eiben- und Eschenholz.

Die Besucher konnten mit römischen Soldaten ins Gespräch kommen. Diese gaben gerne Auskunft über ihre Waffen, Ausrüstung, Kleidung und vieles mehr.

„Mit dem Eibenbogen haben wir im eigenen Garten aus 15 Metern Entfernung einen Pfeil abgefeuert und damit ein Kettenhemd, ein dahinter befindliches fünf Zentimeter dickes Schweinefleisch, eine nachfolgende Strohzielscheibe und eine abschließende ein Zentimeter dicke Holzplatte locker durchschlagen“, so Ziereis. Auch der mit dem Eschenbogen abgeschossene Pfeil habe noch einen halben Zentimeter aus der Holzplatte geschaut. Mit beiden Bögen sei man auf einem Feld gut 150 Meter weit gekommen.

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Nebenan präsentierte die Keltengruppe „Antumnos“ wie vor über 2000 Jahren Lederstücke zusammengenäht und Wollfaden gesponnen wurden – damals freilich noch ohne Spinnrad, denn das wurde erst viel später erfunden. Angesprochen auf das althergebrachte Färben der Wolle meinte Bianca Kaiser, dass sich tierische Fasern leichter färben ließen als pflanzliche. Sie habe unter anderem schon Zwiebelschalen, Ahornblätter, Schilfblüten und Krappwurzel zum Färben verwendet. Auch mit Pilzen ließe sich gut färben. Gelb sei mit Abstand die häufigste Farbe.

Martina Ziereis weihte vor dem Gehöft in die Kunst des Flechtens und der Pflege eines lebenden Weidenzauns ein. „Die dickeren Äste werden herausgeschnitten und der Rest wird verflochten“, so Museumsführerin Ziereis. Früher haben die Menschen die Hecken sogar von ihrem Vieh anfressen lassen, weil sie gewusst hatten, dass sich die abgebissenen Äste dann verzweigten und die schützende Hecke immer dichter werden würde.

Per Destillation zum Kleber

An der fünften Station brachte Hermann Pilhofer seinen Zuhörern die Geheimnisse der Birkenpech-Destillation näher. Mithilfe zweier Keramiktöpfe habe er aus Birkenrinde unter Luftabschluss und großer Hitze ein Kondensat aus ätherischen Ölen und Wasser gewonnen, einen antiken wasserfesten Kleber, mit dem einst zum Beispiel Federn auf Pfeilen und Lanzenspitzen befestigt worden seien. „Schon in der Steinzeit kannten die Menschen einen Kleber, der aus Wachs und Harz hergestellt worden ist“, sagte Pilhofer.

Hermann Pilhofer zeigt wie die Kelten einst einen antiken Kleber aus Birkenpech herstellten. Seine Frau Adele fertigte derweil am Webstuhl keltische Beinwickel.

Seine Frau Adele verschrieb sich nebenan dem Textilhandwerk. „Ich mache gerade keltische Beinwickel für meinen Mann“, erzählte Pilhofer an ihrem nachgebauten Rundwebstuhl. Die nebenan am Bortenwebstuhl entstandenen Borten habe man ursprünglich als Kantenstoßschutz auf Kleidungsstücken platziert, später auch mit Verzierung.

Eine Wiederholung des Familientages und ein Römermarsch von Chieming nach Seebruck sind laut Organisatoren geplant, letzterer am 3. Oktober.

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