„Fair trade“

Wie diese Prienerin Eine-Welt-Arbeit in Südostbayern organisiert und was sie beim Einkaufen rät

Viktoria Soder unterstützt und koordiniert von ihrem Büro im Priener Weltladen die Eine-Welt-Initiativen in ganz Süd-Ost-Oberbayern.
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Viktoria Soder unterstützt und koordiniert von ihrem Büro im Priener Weltladen die Eine-Welt-Initiativen in ganz Süd-Ost-Oberbayern.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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„Eine Welt“ steht für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit im globalen Handel. Produkte und Initiativen unter diesem Label sollen es zum Beispiel afrikanischen Kleinbauern ermöglichen, von ihrer Arbeit leben zu können. In Prien laufen die Eine-Welt-Fäden aus ganz Südostbayern zusammen.

Prien – Im Weltladen in der Geigelsteinstraße hat Viktoria Soder ihr Büro. Sie ist eine von bundesweit 150 Eine-Welt-Promoterinnen.

Dass ausgerechnet in Prien einer von sechs bayerischen Eine-Welt-Promotion-Büros ansässig ist, hast seine Gründe. Schon seit fast 30 Jahren setzt sich die rührige „Priener Initiative für Eine Welt“ für fairen, globalen Handel ein und betreibt einen erfolgreichen und beliebten Weltladen mit einer breiten Produktpalette. Zudem erfüllt Prien seit einigen Jahren die Kriterien einer Fair-Trade-Gemeinde und darf sich mit diesem Zertifikat samt eigenem Label schmücken.

Aufgaben für „Fair trade“

Soders Aufgaben sind vielschichtig. Sie unterstützt die gut zwei Dutzend Weltläden zwischen Altötting und Kiefersfelden, zwischen Irschenberg und Walserberg. Die gebürtige Kitzbühelerin, die unter anderem Sozial- und Humanökologie studiert hat, berät Kommunen, klärt an Schulen und Kindergärten über fairen Handel auf. Zurzeit arbeitet Soder an einem Flyer, der bald erschienen und alle Aktivitäten aufzeigen soll.

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Sehr am Herz liegt der Promoterin die Vernetzung aller Akteure in ihrem Zuständigkeitsgebiet, um Kräfte zu bündeln und den Austausch kreativer Ideen zu fördern. Von der Kleidertauschparty bis zur „Priener Fairsuchung“ (Schokolade), vom aufklärenden Schul-Planspiel der „Reise der Jeans“ bis zur Vorbereitung „Fairer Wochen“ – Soder hilft, wo sie kann. Dass Eine-Welt-Arbeit oft mühsam ist und viel Geduld erfordert, schreckt die Wahl-Rosenheimerin nicht.

Sie weiß, dass vieles in der großen, bunten Verbraucherwelt „für den Endkonsumenten kaum nachvollziehbar ist“. Deshalb ist Aufklärungsarbeit eines ihrer Steckenpferde. Wenn sie Schüler fragt, ob sie sich zum Beispiel im Sommer und Herbst unbedingt Äpfel aus Neuseeland kaufen müssen, dann weiß Soder, dass sie manche zum Nachdenken bringen kann.

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Die Corona-Pandemie erschwert auch ihre Arbeit, aber die Menschen, die sich für Fair Trade einsetzen, scheinen sich von einer Pandemie nicht von ihrem grundsätzlichen Weg abbringen zu lassen, auch wenn Infostände und andere Aktionen zurzeit kein Thema sind. „Es ist schön, dass all die Gruppen sich nicht entmutigen lassen“, berichtet Soder im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung von ungebrochenem Idealismus und Engagement.

Fairer Einkauf gar nicht so schwierig

Skeptikern, die faires Konsumieren hierzulande nicht für durchführbar halten, weil es zu wenig Angebote gibt und die Produkte zu teuer sind, hält sie ihre eigene Erfahrung aus der Praxis des Alltags entgegen. Ein fairer Wochenend-Einkauf sei „gar nicht so schwierig“, weil zum Beispiel auch immer mehr Lebensmittel-Discounter und andere große Ketten faire Produktlinien gegen Lizenzgebühren in ihre Sortimente aufnehmen.

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Soder, die aufgrund ihrer Erkenntnisse durch die Aufgabe als Promoterin ihren Fleischkonsum nach eigener Aussage deutlich reduziert hat, ist überzeugt: Jeder kann durch sein Verhalten zum fairen Handel beitragen, denn: „Alles, was wir konsumieren, hat Auswirkungen auf Menschen in Ländern irgendwo auf der Welt.“

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