Experiment in Hittenkirchen: Mit Quarzsand wird der Dorfweiher vor dem Umkippen gerettet

Ortstermin am Hittenkirchner Dorfweiher: (von links) Gerd Mappes von NaturSinn, Gunter Schmidt und Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber. Kirchner

Gunter Schmid wollte nicht mehr zuschauen, wie der Dorfweiher in seinem Heimattort Hittenkirchen immer unansehnlicher wurde. In Absprache mit der Gemeinde Bernau startete er ein Experiment. Nach drei Monaten stellen sich schon erste sichtbare Erfolge ein: Das Wasser wird klarer.

Von Elisabeth Kirchner

Hittenkirchen – Der Dorfweiher in Hittenkirchen ruht seit Jahrzehnten mitten im Dorf. Gespeist wird er vom Regenwasser. Der Weiher nicht alzu tief und mit knapp 100 Quadratmetern nicht allzu groß.

Im Lauf der Jahre haben sich in dem kleinen idyllischen Weiher immer mehr Algen gebildet, er wurde immer unansehnlicher. Bis es jetzt einem der Anlieger zuviel wurde: Er konnte und wollte das nicht mehr mit anschauen. Mit Quarzsand, den er einmal pro Woche ausbringt, versucht Gunter Schmidt seit knapp drei Monaten, dem Dorfweiher wieder zu seiner natürlichen Schönheit – und Gesundheit – zu verhelfen.

Zugute kommt dem Diplom-Ingenieur, dass er, wie der Hersteller des Quarzsands, Gerd Mappes von NaturSinn, auf die Naturheilkräfte der vorhandenen Mikrobiologie im Dorfweiher setzt.

Überschüssige Nährstoffe werden abgebaut

Bei einem Ortstermin mit Mappes und Schmidt konnte sich nun auch Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber von der Wirksamkeit der Quarzsand-Methode überzeugen. Wie Mappes im Gespräch darlegte, setzt er mit natürlichen Präparaten auf die „Zusammenarbeit mit der Natur“. Durch das regelmäßige Einbringen speziell behandelten Quarzmehls werde die vorhandene Mikrobiologie aktiviert und unterstützt.

Überschüssige Nährstoffe werden abgebaut, der Gesundungsprozess komme in Gang, auch wenn die Belastungsursachen noch gar nicht hinreichend reduziert werden konnten.

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Die ersten fünf Jahre brauche es eine „Grundbehandlung“, dann reiche eine sogenannte „Erfolgsbehandlung“ aus, erläuterte der Fachmann den Zeitplan des Verfahrens.

Schmidt ergänzte beim Ortstermin, dass er im Mai mit dem Ausbringen des Quarzsands angefangen habe. Einmal die Woche verteile er bis zu 100 Gramm an mehreren Stellen des Weihers. Schmidt hat schon festgestellt, dass diese Arbeit für die Kinder aus dem Dorf eine verlockende Aufgabe sein kann: die Menge an Quarzsand abmessen, mit Teichwasser anrühren und dann ausbringen. Für ihn selbst, seine Familie, aber auch alle anderen Hittenkirchener, die sich dafür interessierten, sei die Quarzsand-Behandlung ein spannendes Experiment.

Unansehnliches Unkraut am südlichen Ufer

Der Weiher habe sich schon in der kurzen Zeit verändert, freut sich Schmidt. Konnte man anfangs noch keine Steine auf dem Grund sehen, werde das Wasser jetzt klarer, die Sichttiefe liege nun bei 40 Zentimetern. Eine Schilfpflanze sei inzwischen sogar schon „ins Wasser gewandert“ und das unansehnliche Unkraut am südlichen Ufer des Weihers werde weniger. Dafür leuchteten „Wasserlilie und herzblättriges Hechtkraut mit seinen blau bis blauviolett gefrästen Kronzipfeln nun umso mehr“.

Schmidt zeigte sich beim Ortstermin begeistert von der Methode: „Da ist keine Chemie dabei. Das Gesteinsmehl muss man sich als Katalysator vorstellen.“ Auch Mappes ist vom Quarzmehl überzeugt, seit mehr als 30 Jahren werde es auch erfolgreich in vielen Badeseen im Landkreis angewandt.

Weiher war vor Jahren kurz vorm Umkippen

Biebl-Daiber lobte das Experiment. Sie habe sich in enger Abstimmung mit dem Kämmerer entschlossen, es zu unterstützen, um das Gewässer mit den Fischen vor dem Umkippen zu bewahren. „Es war vor ein paar Jahren schon einmal kurz davor“, erinnert sie sich.

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Damals habe die Feuerwehrjugend den Dorfweiher gesäubert und die ganzen Algen entfernt, um den Fischen wieder Freiraum zum Schwimmen zu schaffen. Um so eine Maßnahme nicht nochmal durchführen zu müssen, „haben wir uns dazu entschlossen, Herrn Schmidts Angebot anzunehmen und die Maßnahme mit Quarzmehl zu testen“.

Vereinbart ist erstmal ein Testlauf für dieses Jahr (Kosten knapp 600 Euro). Das Ausbringen, also die Arbeit an sich, koste die Gemeinde nichts, denn Schmidt habe seine kostenlose Mithilfe angeboten. „Wir waren einfach auch neugierig, wie sich das Quarzmehl auswirkt“, so Biebl-Daiber mit Blick auf den im Sonnenlicht schimmernden Weiher Und: „Es handelt sich ja um eine absolut biologische und naturkonforme Maßnahme.“

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