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Führungen von Naturexperten

Expedition in der Nacht: Auf der Herreninsel sind die Fledermäuse los

Gestatten, Kleine Hufeisennase ist mein Name! Die selten gewordene Fledermaus-Gattung hat Quartier auf der Herreninsel genommen, wo sie zu den letzten Vorkommen in Bayern zählt.
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Gestatten, Kleine Hufeisennase ist mein Name! Die selten gewordene Fledermaus-Gattung hat Quartier auf der Herreninsel genommen, wo sie zu den letzten Vorkommen in Bayern zählt.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Inselgärtner Jakob Nein faszinieren die vielen Fledermausarten, die im Neuen Schloss Quartier bezogen haben. Nun nimmt er wieder Interessierte mit auf abendliche Fledermaus-Führungen. Immer wieder spannend und faszinierend sei ihre Welt, so der ausgebildete Naturführer.

Herreninsel – Wenn sie nicht gerade in Schwärmen unterwegs sind, verrät oft nur ein kaum wahrnehmbares Huschen, ein kleiner Schatten am Abendhimmel, die Anwesenheit von Fledermäusen. Auf der Herreninsel haben sie einen besonderen Lebensraum gefunden, der ihnen genügend Schutz bietet, sich zu vermehren und die Sommerfrische dort zu verbringen. Denn, wie Inselgärtner und Naturführer Jakob Nein, weiß, ziehen viele von ihnen im Winter weiter, in dunkle, stille Quartiere – etwa in Höhlen auf dem Wendelstein – der Inselgärtner nennt sie liebevoll „Durchzügler“.

Jakob Nein führt zu den Insel-Fledermäusen.

„Auf der Herreninsel leben derzeit 15 von 23 in Bayern vorkommenden Fledermausarten, das ist schon was ganz Besonderes“, schwärmt Jakob Nein. Ob Kleine Hufeisennase – die relativ selten geworden – , Mausohr, Langohr, Wimpernfledermaus, Abendsegler, Zweifarb- oder Wasserfledermäuse: Sie alle kann man, sobald die Dämmerung sich über das Eiland legt, beobachten.

Kinderstube ist direkt überm Friedenssaal

Nein ist ausgebildeter Naturführer und bringt Gruppen Interessierter ab dieser Saison wieder an die geheimen Plätze der kleinen Insektenjäger. „Die meisten von ihnen leben im Dachboden vom Neuen Schloss, wo sie überm Friedensaal ihr Quartier bezogen haben“, erzählt Nein. Dort sei ihr Sommerhangplatz und die Wochenstube, wo sie ihren Nachwuchs zur Welt bringen und aufziehen.

Jürgen Pohl, Naturführer und Fledermausberater.

„Nicht nur die Artenvielfalt der Fledermäuse auf der Herreninsel ist eine kleine Sensation, sondern auch, dass die verschiedenen Arten dort auf relativ kleinem Platz friedlich zusammenleben“, schildert Jürgen Pohl aus Prien, Vereinsvorsitzender der Natur- und Landschaftsführer Inn-Salzach (siehe Infokasten). Pohl gehört auch zu den Fledermausexperten der Unteren Naturschutzbehörde in Rosenheim, welche regelmäßig die Bestände kontrollieren, auch auf der Insel. „Dass sie sich dort so gut eingelebt haben, ist hauptsächlich darauf zu zurück zu führen, dass dort praktisch niemand wohnt und sie nachts ungestört jagen können“, meint Pohl.

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Die Fledermäuse hätten sich auch untereinander angepasst: „Weil es so viele Arten auf der Insel gibt, jagen alle zu einer bestimmter Uhrzeit. Manche von 21 Uhr bis Mitternacht, andere bis drei Uhr morgens, so kommen sie sich nicht ins Gehege“, so der Fledermauskenner. Als Naturschutzwächter kommen er oder Kollegen von der Rosenheimer Behörde nicht nur für Kontrollen auf die Herreninsel, sondern auch, um hinter den kleinen Tierchen her zu räumen: „Nach jeder Saison gilt es, ihr Quartier zu säubern und Balken zu reparieren, damit sie wieder gut hängen können.“ Pohl selbst wurde von Dr. Andreas Zahn ausgebildet, dem „obersten Fledermausberater“ der Behörden in den südbayerischen Landkreisen und verantwortlich für die Fledermaus-Koordinationsstelle in Waldkraiburg.

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Sie fangen Mücken wie mit einem Kescher

Dass es diese Stelle gibt, und die Behörden so penibel auf den Erhalt des Lebensraums der Fledermaus achten, zeigt, welchen Stellenwert sie im regionalen Artengefüge einnehmen. So ist und bleibt auch Jakob Nein, seit 2003 Leiter der Inselgärtnerei, stets aufs Neue fasziniert von der einzigen Säugetierart der Welt, die, abgesehen von Flughunden, fliegen kann. „Sie sind so klein, oft nicht einmal zehn Gramm schwer“, sagt Nein. Bei manch ausgewachsenem Exemplar denke man daher fälschlicherweise, ein Junges gefunden zu haben.

„Und dann die Art, wie sie jagen: Mit der Echo-Ortung peilen sie einzelne Insekten an und können dabei auch darauf achten, wo gerade eine andere Fledermaus unterwegs ist.“ Immer wieder spannend fänden er und seine Gruppen die Jagd am Wasser, wenn die kleinen Luftakrobaten mit ihrer Schwanzflughaut Mücken wie mit einem Kescher von der Wasseroberfläche holten.

Gute Prognose fürs Überleben

„Die Menschen reagieren immer interessiert, ob alt oder jung, und wie bei einer Safari weiß man bei einer Führung nie, wer sich am Abend alles zeigen wird“, so Nein.

Was Jürgen Pohl sicher sagen kann, ist, dass die geflügelten Säugetiere auf der Herreninsel eine gute Überlebens-Prognose haben – „so lange es Menschen gibt, die sich dafür einsetzen.“

Die nächste Fledermausführung ist geplant am Dienstag, 3. August, von da an wöchentlich dienstags. Die Teilnehmer fahren mit dem Linienschiff auf die Insel und treffen sich dort um 19.45 Uhr mit Jakob Nein. Nähere Infos gibt´s bei der Tourist-Info Prien.

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