Die Priener Pfarrerin Sabrina Hoppe predigt nicht nur in der Kirche, sondern auch auf Youtube

Im Talar auf Youtube: Dr. Sabrina Hoppe von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Prien stellte mit ihren Kollegen während der Kirchenschließungen ihre Sonntags-Predigten auf dem Film-Kanal Youtube online. Die jetzt wieder stattfindenden Gottesdienste sollen weiter gefilmt werden. re/privat
  • Elisabeth Sennhenn
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Evangelische Christen aus Prien wie Pfarrerin Sabrina Hoppe und ihre Kollegen arbeiten auch online: Mit religiösen Posts, Whatsapp-Gruppen, Blogs und Sonntagspredigten zum Streamen setzen sie sich für ihre digitale Gemeinde ein. Gläubige wie Constanze Körner und Guido Fischer nutzen dies.

Prien – Die Corona-Krise und die mittlerweile aufgehobenen Gottesdienst-Verbote haben zutage gebracht, was zuvor in der Öffentlichkeit eher wenig bekannt war: Das Bestreben der Kirchen, Menschen auch online zu erreichen – Stichwort „digitale Kirche“. Gemeint sind damit zum Beispiel gestreamte Gottesdienste und Stundengebete auf Youtube. Doch das sind nur Einzelbeispiele – insgesamt feilen evangelische Christen wie Katholiken jeweils an ihrer Digitalstrategie. Andreas Büsch, Berater der Deutschen Bischofskonferenz in Digitalfragen, ist jedenfalls überzeugt, das digitale Angebot wachse rasant.

Geistliche probierten sich in sozialen Netzwerken aus oder seien in Online-Chats für ihre Gemeindemitglieder erreichbar. Nicht nur, aber auch wegen der Krise, kämen täglich neue spirituelle Angebote hinzu.

Pfarrer bloggen, posten und fotografieren

Die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) stellt sogar seinen Digitalinnovationsfonds bereit, mit dem digitale Projekte von Einzelpersonen oder Gruppen und kirchlichen Institutionen gefördert werden.

Eine Geistliche, die die digitale Kirche schon seit Längerem aktiv mitgestaltet, ist die Priener Pfarrerin Dr. Sabrina Hoppe von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde. Interesse und Experimentierlust treiben sie an. Die 34-Jährige leitete während der Fastenzeit eine thematische Whatsapp-Gruppe, schreibt an ihrem eigenen Blog „frommundfreitag“ und bloggt regelmäßig für das Format #himmelwärts des evangelischen Onlinemagazin Sonntagsblatt. Auf Instagram findet man sie unter dem Namen „hinter.den.sieben.bergen“.

Bloggen als kreativer Ausgleich

Ob nun gläubige Evangelen, Katholiken oder Atheisten im Netz auf sie stoßen sei ihr egal, sagt Hoppe: „Die Hauptsache ist, derjenige fühlt sich vom Beitrag berührt.“ Neben ihrer Arbeit als Seelsorgerin ist das Bloggen und Posten für die zweifache Mutter ein „kreativer Ausgleich“.

Sie will dabei nah dran sein am Alltag ihrer Leser, bloggt über eigene Erlebnisse und Gedanken: „Ich stelle ins Netz, was ich selber gut finde. Die Beiträge sollen nicht aufgesetzt wirken, sondern authentisch.“

Eine bestimmte Zielgruppe hat sie nicht: „So, wie meine Themen quer durch die Bank gehen, erreichen sie Menschen in den verschiedensten Lebenssituationen. Wer sich angesprochen fühlt, für den passt es eben in diesem Moment.“

„Mal sehen, wie die Resonanz in Zukunft ist“

Das jüngste Web-Experiment: Sie und ihre Kollegen aus der Pfarrei lassen seit den Corona-bedingten Schließungen die Sonntagspredigten auf Youtube einstellen.

Wer auf der Video-Plattform nach „Christuskirche Prien“ sucht, findet den Kanal mit derzeit 150 Abonnenten: „Auch seit der Öffnung der Kirchen lassen wir die Gottesdienste mitfilmen und stellen sie online. Mal sehen, wie die Resonanz in Zukunft ist.“

Ein Kirchenvorstand als Kameramann

Derjenige, der die Predigten aufzeichnet, ist Guido Fischer aus dem Kirchenvorstand. Der 63-jährige Anästhesiepfleger aus Prien hat schon seit seiner Jugend eine Affinität zum Filmen; jetzt filmt er jeden Sonntag die Messen, schneidet das Material zurecht, versieht es mit einem Vor- und Abspann inklusive der gespielten Musik- und Orgelstücke und lädt das Ganze schließlich auf Youtube hoch. Von 8.30 Uhr bis mindestens 13 Uhr ist er damit beschäftigt. „Aber solange unsere Videos im Schnitt 150 Leute sehen, ist es den Aufwand wert“, sagt Fischer. Immerhin: Während der Kirchenschließungen sahen sich teilweise über 660 Interessierte die aufgenommenen Predigten an.

„Jetzt gehen die Zahlen runter“, beobachtet Fischer, „aber wir bekommen trotzdem noch viele positive Rückmeldungen.“ So freuten sich manche etwa über die neu gewonnene Flexibilität in Sachen „Kirchgang“: „Ich habe schon von Familien gehört, die sich die Sonntagspredigt gern beim gemeinsamen Abendessen ansehen.“

Mehr Toleranz von der Kirche gefordert

Dass sich Menschen mehr Flexibilität von der Kirche wünschen, können Pfarrerin Hoppe und ihre Kollegen bestätigen: So sehr sie alle ihre reale Kirchengemeinde und den direkten, unverfälschten Austausch mit den Menschen schätzten, müsse sich die Kirche dem Wandel stellen.

So gebe es nun eben auch die „Netzgemeinde“, die zunehmend beachtet werden möchte: „Besonders die Altersgruppe zwischen 25 und 45 Jahren erreicht man mit dem Gottesdienst heute schwer“, weiß Hoppe. „Viele Menschen wollen sich die geistlichen Impulse just in dem Augenblick holen, in dem sie ihn brauchen. Die neuen digitalen Formate kommen ihnen da entgegen.“

Religiöse Impulse auf Instagram

Dem stimmt die Prienerin Constanze Körner zu. Sie folgt mehreren „Sinnfluencern“, wie die Geistlichen auf Instagram & Co. genannt werden. „Ich pendle beruflich viel und nutze die Zeit im Zug gezielt, um mir zum Beispiel auf Instagram religiöse Impulse zu holen“, erzählt die 46-Jährige. Sie folgt neben Sabrina Hoppe unter anderem dem Geistlichen Nicolai Opifanti aus Stuttgart, der sich „Pfarrerausplastik“ nennt und der in digitalen Kirchenkreisen sehr bekannten Pfarrerin Theresa Brückner, die auf Instagram als „Theresaliebt“ 16 900 Abonnenten hat.

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Einsatz für mehr religiöse Toleranz im Web

Toll findet Körner auch eine „Sinnfluencerin“, die sich im Netz für mehr Toleranz der Kirche gegenüber Homosexuellen und diversen Mitmenschen einsetzt. „Bevor ich im Web auf zeitgemäße, religiöse Inhalte gestoßen bin, dachte ich immer: Kirche, das ist vor allem der Gottesdienst.“ Selbst wenn sie nach wie vor gern in die reale Kirche gehe und sich dort auch engagiere, bleibt Körner begeisterte Followerin: „Durch die sozialen Medien hat sich für mich regelrecht eine neue Welt aufgetan.“

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