Seit 50 Jahren in Ruhpolding

Schwester Mathildis Romberger erinnert sich an die Anfänge des Krankenhauses in Ruhpolding

Wenn es die Zeit nicht erlaubt, selbst auf den Kirchberg zu gehen, nimmt Schwester Mathildis gerne mit dem Modell der Pfarrkirche St. Georg vorlieb. Ein Bewohner hat es maßstabsgetreu angefertigt und den Vinzentinerinnen geschenkt.
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Wenn es die Zeit nicht erlaubt, selbst auf den Kirchberg zu gehen, nimmt Schwester Mathildis gerne mit dem Modell der Pfarrkirche St. Georg vorlieb. Ein Bewohner hat es maßstabsgetreu angefertigt und den Vinzentinerinnen geschenkt.
  • vonLudwig Schick
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Die Ordensschwester Mathildis Romberger von den Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul engagiert sich seit 50 Jahren in Ruhpolding. Bei der Eröffnung des Vizentinium-Krankenhauses 1971 war sie für den Verwaltungsbereich zuständig.

Ruhpolding– „Ich kann es gar nicht glauben, dass das schon so lange her ist“, staunt Sw. Mathildis Romberger mit Blick zurück auf die fünf Jahrzehnte, die sie mittlerweile in Ruhpolding verbracht hat. So richtig bewusst ist es der engagierten Ordensfrau erst in den vergangenen Tagen geworden, wie sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen zugibt: Als die Jubiläen des Krankenhauses Vinzentinum und des Alten- und Pflegeheims St. Adelheid – wegen der Corona-Pandemie – in bescheidenen Rahmen über die Bühne gingen.

Die Uhren standen komplett auf Anfang

Beide Einrichtungen, die damals noch unter der gemeinsamen Trägerschaft ihres Ordens, den Barmherzigen Schwestern vom Vinzenz von Paul standen, waren im Februar 1971 eröffnet worden. Von der ersten Stunde an mit dabei: Sw. Mathildis. Um sich schon mal ein Bild machen zu können, welche Aufgaben sie und ihre Mitschwestern in der neuen beruflichen Umgebung erwarten, wurde sie von der Ordensführung einen Monat vor der offiziellen Inbetriebnahme vorausgeschickt.

So konnte sie sich in Ruhe einen Überblick verschaffen, unter anderem über den Verwaltungsbereich, den man ihr zugewiesen hatte. „Da standen die Uhren komplett auf Anfang,“ erinnert sich die heute 83-Jährige. „Wir hatten noch nicht mal vorgedruckte Aufnahmeformulare. Die ersten Patienten wurden einfach per Handzettel erfasst.“

Nachwuchsmangel innerhalb des Ordens

Mit der steigenden Patientenzahl kamen auch immer mehr Ordensfrauen in beide Häuser, um die gestiegenen Anforderungen in den einzelnen Bereichen bewältigen zu können; in Spitzenzeiten allein im Krankenhaus waren es etwa 40. „Das war noch eine richtige Hausgemeinschaft im Sinne unseres Ordensgründers“, blickt Sw. zurück. „Außer den Ärzten waren alle Posten mit Mitschwestern besetzt, von der Pforte bis zur Hausleitung.“

Doch wirtschaftliche Gründe sowie Nachwuchsmangel innerhalb des Ordens sorgten für Veränderungen, denen sich auch die Schwestern in Ruhpolding stellen mussten.

Als Hausoberin Leitung übernommen

Nach dem Wegfall der Trägerschaft wartete auf Sw. Mathildis eine neue Aufgabe: In der Einrichtung „Betreutes Wohnen am Vinzentinum“, die im ehemaligen Schwesternheim geschaffen wurde und deren Leitung sie 2012 als Hausoberin übernommen hat. Zusammen mit ihren Mitschwestern Cortona Götz und Edelberta Grimm geben sie den Bewohnern nach Bedarf pflegerische und hauswirtschaftliche Hilfestellungen oder sie sorgen mit munterem Zuspruch für Abhilfe bei Sorgen und Nöten.

Ruhpolding ist der gebürtigen Niederbayerin nach so vielen Jahren richtig ans Herz gewachsen. Vor allem bei ihren Touren auf die Berge ringsum konnte sie immer Kraft und Energie tanken, und für das geistige Gleichgewicht ist stets der Kirchberg mit der Pfarrkirche St. Georg erste Anlaufstation, wie sie erzählt.

Besonderer Anlass zum Feiern

Wenn Gott will, dann hat sie in zwei Jahren in dieser behüteten Umgebung und im Kreis ihrer Mitschwestern sowie der ganzen Pfarrgemeinde einen ganz besonderen Anlass zum Feiern: nämlich das „Eiserne Professjubiläum“ für 65-jährige Ordenszugehörigkeit.

1954 ist Antonie Romberger in den Orden der Vinzentinerinnen eingetreten. Zwei Tanten, ebenfalls Ordensfrauen sowie „das innerliche Gespür, Gott und den Mitmenschen zu dienen“, wie sie sagt, hatten sie zu diesem Schritt bewegt. Nach dem Noviziat legte sie 1957 das zeitliche Ordensgelübde ab, ehe 1963 die feierliche Profess auf Lebenszeit folgte.

Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul

Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul mit dem Mutterhaus München geht nicht in direkter Linie auf den heiligen Vinzenz von Paul zurück. Ihr Ursprung liegt aber ebenfalls in Frankreich: Louis Chauvet, Pfarrer im kleinen Dorf Levesville bei Chartres, gründete nach dem Vorbild von Pauls im Jahr 1695 die „Paulusschwestern“. Der Orden wuchs schnell und wurde in ganz Frankreich bekannt. 1732 sandte Kardinal de Rohan, Bischof von Straßburg, junge Frauen zur Ausbildung zu den Paulusschwestern. Diese kehrten 1734 nach Zabern im Bistum Straßburg zurück und nahmen im dortigen Spital den Pflegedienst auf. Die Gemeinschaft nannte sich fortan „Soeurs de la Charité“. Der Name „Barmherzige Schwestern“ war geboren. König Ludwig I. von Bayern hatte in Frankreich von den Barmherzigen Schwestern gehört und plante, den Orden auch in seinem Königreich anzusiedeln. Am 10. März 1832 entsandte das Straßburger Mutterhaus zwei Schwestern nach München, um hier eine neue Gemeinschaft zu gründen: Schwester Ignatia Jorth sollte Oberin im Allgemeinen Krankenhaus in Nähe des Sendlinger Tors werden. Ihre Mitschwester Apollonia Schmitt war als Novizenmeisterin für die 46 jungen Frauen vorgesehen, die dort bereits auf ihre Aufnahme in den Orden warteten. Mit viel Engagement, Weitsicht und Durchsetzungsvermögen reformierten die Schwestern das Krankenhaus. Schwester Ignatia, eine erfahrene Krankenschwester, erkannte die Schwierigkeiten und verwirklichte ihre Reformpläne. Sie war nicht nur die erste Oberin des Krankenhauses, sondern auch die erste Generaloberin der jungen Münchner Gemeinschaft. Schnell hatten die Barmherzigen Schwestern weit über München hinaus einen so guten Ruf, dass schon 1835 die ersten Schwestern als Pflegerinnen an andere Krankenhäuser geschickt wurden.

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