Auswirkungen auf gesamte Schule

Erste Grundschulklasse in Prien wegen Covid-19-Erkrankung eines Schülers in Quarantäne

Um 11.15 Uhr war am Montag die Schule aus. Die Franziska-Hager-Grundschule verkürzt die Unterrichtszeiten für alle Klassen für mindestens zwei Wochen, nachdem eine Klasse wegen eines Corona-Falls in Quarantäne musste.
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Um 11.15 Uhr war am Montag die Schule aus. Die Franziska-Hager-Grundschule verkürzt die Unterrichtszeiten für alle Klassen für mindestens zwei Wochen, nachdem eine Klasse wegen eines Corona-Falls in Quarantäne musste.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Jetzt hat Corona auch die Franziska-Hager-Grundschule getroffen. Seit Montag ist eine Klasse in Quarantäne, weil ein Schüler positiv getestet worden war. Für alle anderen Klassen hat Rektorin Claudia Decker den Unterricht für vorerst zwei Wochen auf vier Stunden verkürzt.

Prien – Seit dem Wochenende ist die neue Homepage der Franziska-Hager-Grundschule online – und schon läuft auf der Startseite eine Laufschrift in roter Farbe durch: „Achtung – Änderung der Unterrichtsorganisation ab Montag, 23.11.2020 in beiden Schulhäusern: Klassenlehrerunterricht 1. bis 4. Stunde, Betreuungsmöglichkeit für 5./6. für berufstätige Eltern wird angeboten nach Anmeldung“.

Präsenzunterricht bei negativen Tests ab 1. Dezember

Nach dem ersten Coronafall eines Kindes geht die Schule auf Nummer sicher. Bisher waren Decker zufolge in diesem Schuljahr nur wenige Fälle aufgetreten, in denen einzelne Kinder wegen eines Corona-Falls in der Familie vorübergehend in Quarantäne mussten.

Jetzt ist erstmals eine ganze Klasse in Quarantäne. Wie aus Elternkreisen zu hören war, ist die 4b betroffen.

In Absprache mit dem Gesundheitsamt werden alle anderen Mädchen und Buben sowie die Lehrerin dieser Klasse in den nächsten Tagen auf Covid-19 getestet. Sollten keine weiteren Fälle festgestellt werden, könnten die Schüler der Klasse, in der ein Kind mit Corona infiziert ist, wahrscheinlich ab 1. Dezember wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren, erklärt die Schulleiterin.

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Vorsichtsmaßnahmen in anderen Klassen

Aus Sicherheitsgründen, um Kontakte und damit das Ansteckungsrisiko zu minimieren, werden alle anderen Klassen vorerst für zwei Wochen nur noch von ihren Klasslehrern und täglich nur vier Stunden unterrichtet. Um 11.15 Uhr ist in Prien Schluss, 15 Minuten später in der Außenstelle Wildenwart. Die Busse fahren wie gewohnt. Schon vor einigen Wochen hatte die Schulleitung in Absprache mit der Mittelschule, die im gleichen Gebäude beheimatet ist, für jede ihrer Klassen individuelle Pausenzeiten festgelegt, in denen sich die Mädchen und Buben im Freien bewegen können. Für Fächer, in denen die Klassen üblicherweise gemischt werden, zum Beispiel Religion oder Werken, war der Unterricht 14-tägig so organisiert worden, dass die Klassen unter sich bleiben.

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Das klappe gut, bestätigt Mittelschulrektor Marcus Hübl. In seiner Schule ist die Corona-Lage derzeit recht entspannt. Nur eine Handvoll Schüler sei wegen Corona-Infektionen in der Familie in häuslicher Quarantäne. Alle Lehrer seien im Dienst, alle Klassen im Präsenzunterricht.

Mehrere Lehrkräfte erkrankt, aber nicht an Covid-19

Die Reduzierung des Unterrichts an der Grundschule ist auch der Tatsache geschuldet, dass weitere Lehrkräfte erkrankt sind, allerdings nicht an Corona, betont Decker. Vertretungen seien wegen der insgesamt in der Region angespannten Situation nicht zu bekommen. Ein Betreuungsangebot in den Klassenzimmern gebe es für die fünfte und sechste Stunde „für alle Kinder, deren Eltern nachweisen können, dass sie aufgrund der eigenen Berufstätigkeit dies nicht leisten können und auch keine alternative Person zur Verfügung haben, schreibt die Rektorin in einem Elternbrief.

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Für die betroffene Klasse hat mit der Quarantäne auch das Homeschooling begonnen. Der Markt Prien als Sachaufwandsträger hatte zu Beginn des Schuljahres mit Fördergeldern 20 Laptops beschafft, die nun zum Einsatz kommen. Aus dem Kreis der Eltern hätten sich eine Reihe technik-affiner Helfer zur Verfügung stellt, die nun den Eltern der Viertklässler bei Bedarf telefonische Hilfestellung leisten sollen.

Videokonferenzen im Homeschooling alle 30 Minuten

Für die Klasse in Quarantäne gab es von der Klassenlehrerin am Montag im 30-Minuten-Takt Videokonferenzen, bei denen immer neue Arbeitsaufträge vergeben und besprochen wurden.

Auf der Homepage gibt es passwortgeschützte Zugänge für jede Klasse, auf der zum Beispiel auch Unterrichtsmaterialien und Wochenpläne heruntergeladen werden können. Eine Einführung in die Programme hätten die Eltern bei einem Elternabend vor einigen Wochen schon bekommen, berichtet die Rektorin. Für Decker ist das Homeschooling eine gute Gelegenheit, den Mädchen und Buben die digitale Welt näherzubringen. „Das ist heutzutage wie eine Fremdsprache, die die Kinder können müssen.“

Die allermeisten Eltern nehmen die kurzfristigen Änderungen, von denen sie per Rundbrief am Sonntag erfahren haben, gelassen hin. Bei einer strichprobenartigen Befragung der Chiemgau-Zeitung am Montag erklärten 14 von 15 befragten Müttern und Vätern, die vor der Schule auf ihren Nachwuchs warteten, dass der vorgezogene Schulschluss für sie einfach zu händeln sei. Die meisten sind ohnehin zuhause und können sich die Zeit einteilen.

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Nur eine Mutter wusste noch nicht, wie sie das Abholen ihrer Tochter ab Mittwoch organisieren kann, wenn sie wieder arbeiten müsse.

Eine andere Mutter sah für sich sogar eine Erleichterung, weil sie nicht mehr zweimal fahren müsse, um ihre beiden Schützlinge zu unterschiedlichen Zeiten abzuholen.

Am Donnerstag werden 18 Schüler und vier Lehrer der Franziska-Hager-Grundschule auf Covid-19 getestet. Das hat aber mit dem ersten Fall eines infizierten Kindes und der Quarantäne für die betroffene Klassen eigentlich nichts zu tun, betont Rektorin Claudia Decker. Die Priener Grundschule nimmt unter dem Dach der Regierung von Oberbayern an einer Corona-Studie teil, in deren Verlauf dreimal je 18 Kinder und vier Lehrer getestet werden.

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