Priener Schüler über Bus fahren unter Corona-Bedingungen: „Ein bisserl nervt die Maske scho“

Im Bus erklärte Christian Obinger vom RVO (links) den Fünftklässlern des Ludwig-Thoma-Gymnasiums, wie sie sich richtig verhalten.
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Im Bus erklärte Christian Obinger vom RVO (links) den Fünftklässlern des Ludwig-Thoma-Gymnasiums, wie sie sich richtig verhalten.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Für viele Kinder hat ein ganz neuer Abschnitt ihrer Schullaufbahn begonnen: Sie fahren jetzt mit dem Bus in die Schule und wieder heim. Während im Klassenzimmer auf Abstand geachtet wird, ist das im Bus oft nicht möglich.

Prien – „Ein bisserl nervt die Maske scho und es ist stickig“, sagt Marlena Dengl und ihre Freundinnen nicken. Die Fünftklässlerin hat gerade ein paar Tage Erfahrung im Schulbusfahren von Söllhuben nach Prien, wo sie jetzt das Ludwig-Thoma-Gymnasium (LTG) besucht. Für alle fünften Klassen ist heute Schulbustraining mit Fahrern des Regionalverkehrs Oberbayern (RVO) auf dem Parkplatz.

Christian Obinger erklärt Schulkindern schon seit 15 Jahren die Gefahren des toten Winkels und vieles andere, was gerade Fünftklässler, die zum ersten Mal mit dem Bus in die Schule fahren müssen, wissen sollten. Heuer haben Obinger und sein Kollege Stefan Frohwieser ihr Repertoire erweitert – Corona-Verhaltensregeln sind neu im Programm.

Manche Kinder müssen stehen

Während in den Klassenzimmern penibel auf Abstand geachtet wird, kommen sich die Kinder in den Bussen zwangläufig näher. Zum ersten Mal seit dem Lockdown Mitte März haben allle Schüler wieder Präsenzunterricht. Da wird es eng.

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Marlena musste an den ersten Tagen bei der Heimfahrt mittags nach Söllhuben schon einmal stehen, weil alle Sitzplätze besetzt waren. Luca Pfeiffer passiert das auch schon morgens, erzählt er der Chiemgau-Zeitung, weil sein Heimatdorf Prien-Prutdorf die letzte Haltestelle auf dem Weg nach Prien ist.

„Gut festhalten an den gelben Stangen“, empfiehlt Obinger den Fünftklässlern für diesen Fall. Ob sich aber alle dann bei der Ankunft in der Schule die Hände waschen, scheint sehr fraglich. Die Busse werden zwar abends im Depot vom Reinigungspersonal desinfiziert, berichtet Obinger. Aber während des Tagesbetriebs alle Griffflächen und noch mehr zu desinfizieren, ist schlicht nicht möglich.

Der RVO hat seit dem Lockdown inzwischen fast alles seine Busse von den Standorten Rosenheim, Reit im Winkl und Traunstein mit Plexiglasscheiben als Trennwand zum Fahrer ausgerüstet, berichtet Obinger. So können die Frauen und Männer am Steuer immerhin die Masken abnehmen. Aber für Passagiere gilt ausnahmslos Maskenpflicht.

„Es ist zum Aushalten“

Die Kinder scheinen sich schneller an den Mund-Nasen-Schutz gewöhnt zu haben, als das vielen Erwachsenen gelingt. Sie klagen beim Sicherheitstraining kaum. Und auch im Bus scheint es erträglich zu sein. „Es geht eigentlich, es ist zum Aushalten“, sagt Franziska Hamberger. Sie kommt aus Sachrang und muss morgens und mittags deshalb ziemlich lange im Schulbus sitzen. Auch ihre Klassenkameradin aus der 5a, Sarah Bulinger aus Frasdorf, hat sich schon ans Busfahren mit Maske gewöhnt, versichert sie – um dann noch eine kleine Klage hinterherzuschieben: Die Maske drücke so auf ihre Nase. Ihre Freundin, die neben ihr steht, bekräftigt das nickend.

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Lautstarke Beschwerden gibt es nicht aus der 5a. Theresa Pertl aus Bernau, die schon seit der ersten Klassen Schulbus fährt und also ein „alter Hase“ ist, nervt die Maske ab und zu ein bisschen. Ihre Mitschülerin Julia Hanika aus Aschau findet es noch „ziemlich ungewohnt“.

In Sachen Sicherheit zeigen sich die Kinder schon sehr gut gewappnet. Den Toten Winkel kennen viele schon, wenn auch nicht bis ins letzte Detail. Die RVO-Fahrer Obinger und Frohweise zeigen ihnen anschaulich, wo sie als noch ziemlich klein gewachsene Kinder rund um den Bus für den Fahrer trotz vieler Spiegel praktisch unsichtbar sind. Neben dem Bus kann sich eine ganze Klasse in einem bestimmten Dreieck für den Fahrer unsichtbar machen, hinter dem zwölf Meter langen Bus sogar drei Klassen, erklärt Obinger.

Bus bringt Kanister zum Platzen

Zum Höhepunkt der Schulung gibts noch einen „Special effect“. Um zu demonstrieren, welche Wucht ein Bus hat, der Frohwieser zufolge soviel wiegt wie zwölf ausgewachsene Elefanten, fährt er mit dem rechten Hinterreifen über einen vollen Kanister. Als die LTG-Schüler aus sicherer Entfernung das Wasser spritzen sehen, als der Kanister unter dem Gewicht platzt, kommentieren das besonder die Mädchen mit spitzen Schreien.

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