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Was das mit dem Heiligen Geist zu tun hat

Erst 23.000 Euro für Heizung, jetzt bei Eis gesperrt: Das ist die wohl verrückteste Brücke Deutschlands

Mitarbeiter des städtischen Bauhofes brachten dieser Tage Absperrgitter in Position, mit denen die Brücke gesperrt werden kann, wenn ihre Benutzung wegen Schnee und Eis zu gefährlich werden sollte.
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Mitarbeiter des städtischen Bauhofes brachten dieser Tage Absperrgitter in Position, mit denen die Brücke gesperrt werden kann, wenn ihre Benutzung wegen Schnee und Eis zu gefährlich werden sollte.
  • VonKlaus Oberkandler
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Die Vorkehrungen für eine Absperrung des Übergangs bei Eis sind bereits getroffen. Die Brücke in Traunstein steht im Mittelpunkt einer schier unendlichen Serie von unglaublichen Pannen. Sogar im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler taucht sie auf.

Traunstein – Mehrfach sorgte der Fußgängersteg am Kreisverkehr Heilig Geist in Traunstein, für negative Schlagzeilen verschiedenster Art. Zu Beginn waren es Anliegerproteste gegen den Bau des zwei Millionen Euro teuren Überganges, dann war es der Pfusch am Bau, als sich herausstellte, dass man die beiden Teile der Brücke nicht zusammenschweißen konnte, weil sie nicht passten. Und schließlich geriet das Projekt, das unter Federführung des staatlichen Bauamtes geplant worden war, auch noch ins Visier des Bundes der Steuerzahler.

Es wurde in dessen Schwarzbuch als Beispiel für Fehlplanung und Geldverschwendung aufgenommen. Stein des Anstoßes waren nicht nur die Planungs- und Baupannen, sondern auch die Tatsache, dass die Brücke mit einer Fußbodenheizung ausgestattet wurde. Die, so zeigte sich im vergangenen Winter, benötigte für rund 23 000 Euro Strom, um den Belag Schnee- und eisfrei zu halten. Ultima ratio: Bei starkem Schneefall und Vereisungsgefahr wird das Bauwerk gesperrt.

Leser der Heimatzeitung beobachteten in dieser Woche, dass Mitarbeiter des städtischen Bauhofes Absperrgitter in Position gebracht und Vorkehrungen getroffen haben, sie bei Bedarf an den beiden Aufgängen festzumachen. Denn für Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer war angesichts der hohen Stromkosten schon nach dem letzten Winter klar: „Die Große Kreisstadt Traunstein wird die Brücke ab sofort aus finanziellen und ökologischen Gesichtspunkten nicht mehr beheizen.“ Stattdessen sollte künftig der Winterdienst den Gehweg Schnee- und Eisfrei halten, denn, so Christian Hümmer: „Die bisher gängige Praxis ist weder ökologisch noch mit gesundem Menschenverstand nachvollziehbar.“

Eine Anfrage bei der Stadt Traunstein bestätigte dieser Tage den Sachverhalt. Die Pressestelle teilte auf Anfrage der Heimatzeitung mit: „Der Heilig-Geist-Steg wird nicht mehr beheizt. Die Mitarbeiter der Stadt Traunstein werden ihn in den Wintermonaten soweit möglich räumen. Allerdings kann es bei extremen Wetterlagen sein, dass der Steg – so wie andere Wege auch in diesen Fällen – gesperrt werden muss. Daher wurden nun Gitter angebracht, die im Ernstfall zur Sperre des Stegs genutzt werden.“

Dieser Ernstfall dürfte auch eintreten, wenn es nur friert, jedoch so gut wie kein Schnee fällt. Denn mit Streusalz wird man den Bodenbelag nicht behandeln. Das würde der Brücke nämlich extrem schaden und ihre Lebensdauer um ein Drittel verkürzen.

Als vor zwei Jahren der Fernsehsender RTL über die Brücke berichtete, erklärte ein Mitarbeiter des staatlichen Bauamts dem Sender, die Stahlbrücke habe eine Haltbarkeit von über 100 Jahren. Der Zeitraum verringert sich jedoch mit dem Einsatz von Streusalz um etwa 35 Jahre.

Für die Nutzer der Brücke wird das Bauwerk also umso nutzloser, je strenger und schneereicher dieser Winter werden wird. Vor allem für Menschen aus dem Stadtteil Hallabruck, der zum Großteil auf Surberger Gemeindegebiet liegt, heißt es dann, die viel befahrene Bundesstraße 304 beim Kreisverkehr zu überqueren.

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