Chiemgauer Bergwacht: Erschwerte Bedingungen bei Einsätzen in Corona-Zeiten

Einsätze im alpinen Gelände: Die Ehrenamtlichen der Bergwachtbereitschaften wie Tobias Hinterreiter aus Ruhpolding (vorne) sind aufgrund der aufwendigen Schutzmaßnahmen körperlich stark gefordert. Deshalb appellieren sie an alle Bergbegeisterten zur erhöhten Vorsicht um so die Anzahl von Unfällen möglichst gering zu halten. Die Ehrenamtlichen selbst sind sehr bemüht, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten, was sich jedoch in den oftmals beengten Einsatzfahrzeugen als sehr schwierig darstellt. RE
  • vonRobert Hobmaier
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Bei der Bergrettung sind die Einsatzkräfte der Bergwacht einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Ein einziger Corona-Fall in den Bergen würde ein komplettes Rettungsteam schachmatt setzen. Appell: Erhöhte Vorsicht erforderlich.

Traunstein – Ein Ausflug in die Berge ist gerade in unserer Region eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Wandern, Klettern und Mountainbiken sind nur einige Aktivitäten, denen viele mit Begeisterung nachgehen. Aber gerade dort passieren auch immer wieder Unfälle, was zu Einsätzen der ehrenamtlichen Bergwachteinheiten führt. Wo asphaltierte Straßen enden, beginnt das Einsatzgebiet der Bergwacht. Mit geländegängigen Fahrzeugen, unter Einsatz eines Hubschraubers oder auch zu Fuß, machen sich dann die Einsatzkräfte auf den Weg, um verunglückte Bergsportler zu retten.

Deutlich erhöhtes Ansteckungsrisiko bei der Bergrettung

Dabei herrschen keine Platzverhältnisse wie beispielsweise in einem Rettungswagen und deshalb setzten sich die Retter bei jedem Einsatz einem deutlich erhöhten Ansteckungsrisiko aus.

„Bei der Rettung von Menschen aus unwegsamen Gelände ist es für uns Helfer derzeit nahezu unmöglich, den coronabedingt erforderlichen Abstand einzuhalten, was zwangsläufig mit einem deutlich erhöhtem Ansteckungsrisiko einhergeht“, gibt David Pichler, Geschäftsführer der Bergwacht Chiemgau, zu bedenken. Ein einziger Covid-19-Fall in den Bergen könne dazu führen, dass sich ein gesamtes Rettungsteam in Quarantäne begeben muss und somit außerdem nicht mehr zur Verfügung stehe.

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Durch das Tragen einer Infektionsschutzausrüstung wird laut Pichler zwar „so gut wie möglich versucht, das Ansteckungsrisiko im Einsatz so weit wie möglich zu reduzieren“. Der Patiententransport über weitere Strecken durch unwegsames Gelände führe aber bei allen ehrenamtlichen Bergrettern – bedingt durch Mundschutz, Handschuhe oder Overalls – zu einer starken körperlichen Belastung.

Darüber hinaus arbeiten sehr viele Mitglieder hauptamtlich im Gesundheitsbereich und werden auch dort derzeit dringend gebraucht, wie Pichler betont.

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Mit dem sogenannten KID-Berg, dem Kriseninterventionsdienst speziell im Zusammenhang mit Bergunfällen stehen die Frauen und Männer der Bergwacht derzeit der Örtlichen Einsatzleitung im Landratsamt zur Verfügung. Unter der Federführung von Alexander Gröbner vom Malteser Hilfsdienst als Fachberater „Psychosoziale Notfallversorgung“ haben sie ein gemeinsames Netzwerk der Hilfsorganisationen aufgespannt.

Pichler: „Zusammen mit den Ehrenamtlichen des Roten Kreuzes, der Malteser und den Feuerwehren stehen sie rund um die Uhr für alle psychisch belastende Situationen zur Verfügung und bringen ihr Fachwissen in die Bewältigung dieser Situation mit ein.“

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