GEMEINDERAT BERNAU

Ersatzbau für Egartnerhof geplant

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Bernau – Den früheren Egartnerhof in Bernau abreißen und durch ein Wohn- und Geschäftshaus ersetzen will der Hauseigentümer.

Die HLR Vermögensverwaltung GmbH & Co. KG mit Geschäftsführer Knud Hartung hat noch rund drei Jahre Flüchtlinge im Haus, dann möchte sie das Gebäude entfernen und das Grundstück neu nutzen. Der Hauseigentümer steht seit geraumer Zeit in Gesprächen mit der Verwaltung im Rathaus, den nun von ihm vorgelegten Bauantrag hat der Gemeinderat jedoch abgelehnt.

Die im Oktober 2014 gegründete, in Bernau ansässige Kommanditgesellschaft ist der Eigentümer des früheren Bauernhofes. Mit der Regierung von Oberbayern hat sie 2015 einen Vertrag abgeschlossen. Die Laufzeit: fünf Jahre. In dieser Zeit hat der Hauseigentümer den Auftrag, sogenannte Kontingentflüchtlinge, die mit ihrer Ankunft sofort eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen erhalten, im Namen der Regierung unterzubringen. In drei Jahren läuft der Vertrag aus – und die GmbH & Co. KG macht sich schon jetzt Gedanken über die Nachnutzung.

Ersetzen will der Bauherr, die HLR Vermögensverwaltung, wie Architekt Rainer Wetzels aus München die Planung im Gemeinderat erläuterte, durch ein Gebäude, das „Transparenz zeigt“. Ein dreigliedriger Baukörper sei angedacht, an der Seite zur Aschauer Straße mit einem Satteldach eingedeckt, auf den weiteren Trakten mit Pultdächern versehen. An der Ecke Aschauer-/Egartnerstraße wolle der Bauherr das neue Gebäude gegenüber dem alten bis zu 3,6 Meter von der Fahrbahn zurücksetzen – womit dann an dieser Stelle ein „attraktiver Durchgang“ auf der Strecke vom Marktplatz an der Kirche und dem „Alten Wirt“ zum kleinen Park mit dem Haus des Gastes entstehe. Der Bauherr plane, in diesem Freiraum ein Café einzurichten und Plätze zum Verweilen anzubieten.

Gemeinderäte lehnen Bauantrag mehrheitlich ab

Das heutige Gebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert und gehört damit zu den ältesten in Bernau. Der frühere Bauernhof hat bauliche Veränderungen erfahren. „Das Gebäude ist in der Vergangenheit etwas stiefmütterlich behandelt worden“, sagte der Architekt. „Es ist nicht mehr das Gebäude, das es einmal war.“

Die vorgelegte Planung stieß im Gemeinderat insgesamt auf Ablehnung – wobei die Räte aber auch einige Aspekte der Gestaltung ausdrücklich begrüßten. Mehrheitlich überwog am Ende jedoch die Ansicht, dass der vordere Teil des Ersatzbaues mit seinem Satteldach – also jener Trakt, der an der Aschauer Straße geplant ist – durchaus gefällig sei, der hintere jedoch mit seinen Pultdächern nicht dem Ortsbild entspreche.

Sepp Genghammer (Bündnis 90/Die Grünen) sagte, dass der letzte Eigentümer den früheren Bauernhof „arg verbaut“ habe. Er forderte Bauherr und Architekt auf, sich stärker auf den historischen Egartnerhof zu beziehen.

Sepp Wörndl (CSU) äußerte jene Meinung, die dann noch eine Reihe weiterer Räte vorbrachte: Der vordere Teil mit dem Satteldach gefalle ihm, der hintere mit den Pultdächern nicht. Hartung entgegnete ihm, dass die Pultdächer, so wie sie in der Anlage geplant seien, nicht sonderlich sichtbar seien. Zum anderen erhalte man mit einem Pultdach die Möglichkeit, das Tageslicht einzufangen – was für die Bewohner des Hauses von Vorteil sei.

Andrea Pawlitzek (Freie Wähler/Unabhängige Wählergemeinschaft) äußerte die Befürchtung, dass teure Wohnungen für betuchte Städter etwa aus München entstehen – und dass damit Bürger in Bernau keinen Nutzen hätten. Auf ihre Frage, wie hoch denn die Mieten voraussichtlich sein werden, antwortete Hartung, dass sie „erschwinglich“ sein werden. Zahlen könne er in diesem frühen Stadium der Planung allerdings nicht nennen.

Der vordere Teil des geplanten Ersatzbaues entspreche dem traditionellen, der hintere dem modernen Stil, sagte Zweiter Bürgermeister Gerhard Jell (CSU). Nach anfänglicher Skepsis sei er nun zu der Überzeugung gekommen, dass diese beiden Bauweisen, so wie geplant, durchaus miteinander vereint werden könnten. Christian Hügel (ebenfalls CSU) sprach sich dafür aus, parallel zur Diskussion über das Bauvorhaben auf dem Grundstück mit dem jetzt noch stehenden Egartnerhof „einen Blick in die Umgebung zu werfen“ und eine Ortsentwicklung im größeren Zusammenhang voranzutreiben.

„Dieses Gebäude muss den Platz abrunden“, sagte Bürgermeister Philipp Bernhofer. Sehr gut finde er die Planung, das neue Gebäude im Vergleich zum alten zurückzusetzen und auf diese Weise eine Freifläche zu schaffen. Pultdächer seien jedoch in Bernau „nicht charakteristisch“ – weshalb er dem Bauantrag in seiner bisher vorliegenden Form unterm Strich nicht zustimmen könne.

Mit 17:3-Stimmen beschloss das Gremium am Ende, das gemeindliche Einvernehmen zu dem Vorhaben nicht zu erteilen. Für eine Zustimmung zum Bauantrag votierten allein Jell sowie – sie äußerten sich in der Diskussion nicht – Irene Biebl-Daiber (ebenfalls CSU) und Hartl Hinterholzer (Bündnis 90/Die Grünen).

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