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Errichtung eines neuen Mobilfunkmasten spaltet die Oberwössener

Das Für und Wider um den neuen Mobilfunk-Standort in Oberwössen sorgte in der Info-Veranstaltung der Bürgerinitiative im Schulhaus für kontroverse Diskussionen. Rechts am Bildrand Diskussionsleiter Erwin Geuder-Jilg. Flug
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Das Für und Wider um den neuen Mobilfunk-Standort in Oberwössen sorgte in der Info-Veranstaltung der Bürgerinitiative im Schulhaus für kontroverse Diskussionen. Rechts am Bildrand Diskussionsleiter Erwin Geuder-Jilg. Flug

Bei der Info-Veranstaltung der Bürgerinitiative Mobilfunk Oberwössen im Schulhaus kochten die Emotionen hoch. Bürgermeister Entfellner: „Haben keine Entscheidungsgewalt.“

Unterwössen – Unter dem Titel „Neuer Mobilfunkstandort in Oberwössen geplant – Schaden oder Nutzen?“ veranstaltete die Bürgerinitiative Mobilfunk Oberwössen einen Informationsabend im Schulhaus. Sandra Sonntag, Kreisrätin der Freien Wähler, berichtete vom Vorhaben der Deutschen Telekom, einen Mobilfunkstandort in Oberwössen aufzubauen.

Standort am Kinderspielplatz umstritten

Die Initiative sei nicht grundsätzlich gegen einen neuen Mobilfunkstandort, jedoch gegen eine Errichtung am großen Kinderspielplatz. Für jeden anderen Standort verlange sie einen Mindestabstand zur Wohnbebauung von 300 Metern.

Als Experten waren der Rosenheimer Heilpraktiker Kurt Sohm und seine Kollegin Margarita Rother eingeladen, um die Bürger über mögliche Bedenken und Gesundheitsgefahren zu informieren. Einen unguten Beigeschmack hinterließ bei den Zuhörern die Nähe der Referenten zu dem Rosenheimer Unternehmen Memon Bionic Instruments.

Kritik am „Geschäft mit der Angst“

Der Mediziner und Gemeinderat Dr. Dieter Stein (Oberwössner Wählergemeinschaft), der die Organisatoren durch das Verteilen von Handzetteln aufgebracht hatte, sah in den beiden Referenten Helfer einer Industrie, die vom „Geschäft mit der Angst“ der Bürger lebt. Dies zeige die Präsentation im Internet, die trotz behaupteter Unabhängigkeit eine Rufnummer der Firma angebe.

Stein erklärte ergänzend, dass sich seines Wissens die Mobilfunkstrahlung auf ein unschädliches Maß reduzieren lasse, wenn das Netz der Standorte feinmaschig und geschlossen sei. Das Handy in der eigenen Tasche sei das eigentliche Problem, wenn es zu einem weit entfernten Sendemasten eine hohe Sendeintensität aufbauen müsse. Die Feldstärke der Sendeanlage selbst erreiche 100 Meter von der Anlage entfernt im offenen Gelände nur noch ein Prozent des gesetzlich zulässigen Grenzwertes.

Müllinger: Versorgung nicht ausreichend

Der Verwaltungsleiter der Gemeinde, Thomas Müllinger, sah es als unstrittig an, dass die Mobilfunkversorgung in Oberwössen vielerorts nicht ausreichend sei. Für die Verbesserung seien neue Sendeanlagen nötig, wie er sagte. Auf deren Einrichtung habe die Gemeinde wenig Einfluss durch bauaufsichtliche Möglichkeiten.

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Bürgermeister Ludwig Entfellner ergänzte, dass für Sendeanlagen im Außenbereich eine Privilegierung bestehe und die Gemeinde „eigentlich keine Entscheidungsgewalt“ habe. „Wir können Argumente sammeln und entscheiden, ob wir ein Einvernehmen herstellen oder nicht.“ Verweigere die Gemeinde dies, könne das Landratsamt das fehlende Einvernehmen jedoch jederzeit ersetzen.

Die Telekom habe mit der Gemeinde Gespräche geführt. Viele der ins Auge gefassten Standorte seien ungeeignet gewesen, so dass sich letztlich neben dem Standort am Kinderspielplatz eine Errichtung auf dem Sonnenbichl herauskristallisiert habe.

Standort zu nah an Bebauung?

Dieser Standort sei zu nah an der Bebauung, erklärten Stimmen aus der Bürgerinitiative. Gemeinderat Stein hielt dagegen, dass ein unabhängiger Sachverständiger von dort einen Abstand von 260 Metern bis zur Bebauung errechnet habe.

Bürgermeister Entfellner entgegnete dazu: „Für die Errichtung kommen nur solche Standorte in Betracht, die die funktechnischen Voraussetzungen mitbringen, die erschlossen sind und für die die Grundstücksfrage geklärt ist.“

Telekom könnteKinderspielplatz bauen

Letztendlich hätten sich drei Suchkreise als geeignet herausgestellt: in der Alten Welt, im Unterfeld und am Sonnenbichl. Andere Standorte wie die Lackenbergwand, der Glockenbichl oder die Höhe über dem Campingplatz hatten Fachleute als ungeeignet verworfen.

Der Bürgermeister zitierte aus einer E-Mail der Telekom an das Landratsamt, in der diese zum Ausdruck bringt, dass sie bei Ablehnung des Standorts am Sonnenbichl die Sendeanlage auf dem Basisstandort der Telekom auf deren Grundstück am Kinderspielplatz bauen will.

Lesen Sie auch:

https://www.ovb-online.de/meinung/leserbriefe/debatte-ueber-handy-strahlung-13000383.html

https://www.ovb-online.de/weltspiegel/wirtschaft/minister-scheuer-legt-mobilfunkstrategie-vor-zr-12981915.html

Gemeinderat Dr. Stein bezog sich auf das unabhängige Sachverständigengutachten zur Standortsuche, das dem Gemeinderat vorliegt. Aus diesem ergebe sich, dass solche Sendeanlagen in der Höhe in einem Winkel von zehn Grad abstrahlen. Der darunterliegende Kinderspielplatz läge damit unter und nicht im Sendebereich.

Sandra Sonntag strebte eine Einigung dahingehend an, ein unabhängiges Sachverständigengutachten über die Auswirkungen einer solchen Sendeanlage einzuholen. Bürgermeister Entfellner wollte wissen, zu welchem Standort genau das Gutachten erstellt werden solle.

Gefahren für Kinder?

Die Diskussion zeigte die Sorgen der Oberwössner auf. Viele Fragen drehten sich um die generelle Notwendigkeit von Mobilfunk und WLAN, die nötigen Abstände und die Gefahren für die Kinder. Speziell für die Anwohner des Sonnenbichl oder des Kinderspielplatzes kristallisierte sich eine schwierige Situation heraus.

Ein betroffener Landwirt und Grundeigentümer machte seinen Zwiespalt deutlich und sagte, er wolle zwar der Dorfentwicklung nicht im Wege stehen, tue sich aber schwer, die Folgen für sich und seine junge Familie abzuschätzen.

Gemeinderäte vor dem Dilemma

Matthias Schweigl (CSU) verwies auf das Dilemma als Gemeinderat, die Bedenken der Anwohner mit der dringend von der Bevölkerungsmehrheit gewünschten Verbesserung der Mobilfunkversorgung in Einklang zu bringen. Sein Kollege Hermann Minisini (CSU) pflichtete bei: „Wenn kein Sendemast kommt, werden viele Oberwössner empört sein.“.

Nach intensiven Diskussionen bat Sandra Sonntag in ihrem Schlusswort Bürgermeister Entfellner, der Gemeinderat möge den Standort am Kinderspielplatz ablehnen und sich für Mobilfunkvorrangflächen in der Bauleitplanung einzusetzen. Der Rathauschef reagierte darauf ablehnend: „Das wird mir hier alles zu politisch.“

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