Erleichterung in Prien: Endlich wieder freie Fahrt auf der Harrasser Straße

Nach fast fünf Monatenendlich wieder frei: Bürgermeister Jürgen Seifert (vorne) sowie Andreas Gasteiger (im Auto) vom Priener Bauamt waren gestern die ersten Verkehrsteilnehmer, die den freigegebenen Bahnübergang an der Harrasser Straße wieder befahren konnten. Berger
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Nach fast fünf Monatenendlich wieder frei: Bürgermeister Jürgen Seifert (vorne) sowie Andreas Gasteiger (im Auto) vom Priener Bauamt waren gestern die ersten Verkehrsteilnehmer, die den freigegebenen Bahnübergang an der Harrasser Straße wieder befahren konnten. Berger
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Nach fast fünf Monaten ist der Bahnübergang in der Harrasser Straße seit Donnerstagmittag wieder frei. Die letzten Asphaltierungsarbeiten sind erledigt.

Prien – Die Bahn hat in Zusammenarbeit mit dem Markt Prien die wichtige Verbindung zwischen Autobahn und Chiemsee saniert und durch einen Geh- und Radweg auf der Nordseite der Fahrbahn ergänzt. Bisher mussten Fußgänger und Radler auf einer Länge von rund 100 Metern beiderseits des Übergangs auf die Fahrbahn ausweichen. Der Radweg östlich der Gleise parallel zur Bahnlinie ist als eine der Routen des Chiemsee-Radrundwegs ausgeschildert und stark frequentiert.

Wellige Straße auf 1,2 Kilometer saniert

Seit 20. November 2019 war der Übergang gesperrt und der Verkehr wurde großräumig umgeleitet. Der Markt Prien nutzte die Baustelle der Bahn, um die Harrasser Straße auf einer Länge von rund 1,2 Kilometern zu sanieren. Der Untergrund hatte an vielen Stellen des moorigen Geländes nachgegeben und die Fahrbahn war über Jahrzehnte immer welliger geworden.

Die Marktgemeinde nutzte als erste Kommune im Landkreis Rosenheim zum zweiten Mal in kurzer Zeit nach der Erneuerung der zwei Kilometer langen Straße zwischen Trautersdorf und Leiten ein Spezialverfahren einer Fachfirma, bei dem der alte Belag für den neuen Unterbau wiederverwertet wird und nicht teuer entsorgt werden muss. Mit einer Spezialfräsmaschine wurde die alte Teerschicht zertrümmert. 30 Zentimeter tief ging es in den Unterbau. Das Material inklusive Asphalt wurde dann mit Zement vermischt – eine Art Betonfundament für die neue Deckschicht der Fahrbahn entstand. Mit der alternativen Bauweise soll die Fahrbahn nicht mehr so absinken wie bisher.

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Das neue Verfahren hat dem Markt Prien nach Angaben aus dem Rathaus viel Geld gespart. Die Komplettsanierung hätte laut Schätzungen zwischen 1,6 und 1,9 Millionen Euro gekostet. Der kommunale Anteil wäre hier – trotz staatlicher Zuschüsse – bei mindestens 500 000 Euro gelegen. Nach letzten Schätzungen vor der Schlussabrechnung muss die Gemeinde weniger als 300 000Euro ausgeben.

Zusätzlich musste der Markt Prien 500 000 Euro für Sanierung und Ausbau des Bahnübergangs bereitstellen, weil er gesetzlich verpflichtet ist, sich an der Maßnahme der Deutschen Bahn zu beteiligen.

Während die Fahrbahn zwischen dem Hotel/Restaurant Fischer am See und Bahnübergang schon Ende 2019 fertig wurde, zogen sich die Arbeiten der Bahn am Übergang immer mehr in die Länge. Ursprünglich war eine Fertigstellung Ende Januar anvisiert worden.

Die lange Sperrung traf schon vor den coronabedingten Zwangsschließungen zahlreiche gastronomische und Hotelbetriebe in Seenähe. Der Rettungsdienst musste bei vielen Einsatzfahrten zur Romed-Klinik zeitraubende Umwege inkauf nehmen.

Mit der Zeit entdeckten immer mehr Einheimische das praktisch autofreie 1,2 Kilometer lange Teilstück zwischen Bahnübergang und Fischer am See als Freizeitgelände.

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Hauptgrund für die lange Dauer der Sperrung waren nach Bahnangaben Verzögerungen bei der Modernisierung der Stellwerktechnik. Um die Leistungsfähigkeit der Strecke zu erhöhen, werden die sogenannten Blockabstände verkürzt, damit mehr Züge in kürzeren Abständen fahren können, und der Streckenabschnitt zukünftig komplett vom Stellwerk in Prien (bisher teilweise vom Stellwerk Übersee) gesteuert.

Wegen dieser Modernisierung waren beziehungsweise sind auch noch Umbauarbeiten an den Bahnübergängen Hittenkirchen, Weisham und in der Eichetstraße zwischen Bernau und Rottau notwendig. Entlang der Bahnlinie wurden zudem über Monate Kabel verlegt.

Bahn investiert neun Millionen Euro

Zuletzt hatten offenbar technische Probleme bei der Anbindung der neuen Schrankenanlage mit Ampel an die modernisierte Stellwerktechnik die Arbeiten noch einmal verzögert. Gestern Vormittag konnten nach Angaben aus dem Priener Rathaus nun die letzten kleineren Arbeiten erledigt werden.

Der Gemeinde waren die Verzögerungen zuletzt sogar nicht ungelegen gekommen. Um einem möglichen Ansturm von Ausflüglern am sonnigen Osterwochenende vorzubeugen hatte der Markt Prien, wie viele andere Kommunen, seine Wanderparkplätze gesperrt. Der Parkplatz in Harras in der Nähe des Badeplatzes Schöllkopf ist bei Spaziergänger als Ausgangspunkt von Wanderungen gleichermaßen beliebt wie bei Radlern als Štart und Ziel einer Chiemsee-Umrundung.

Die Gesamtinvestition für die Streckenertüchtigung mit den Arbeiten an den Stellwerken und den Bahnübergängen beläuft sich auf rund neun Millionen Euro. Darin enthalten sind Finanzmittel der Kommunen, die sich per Gesetz finanziell beteiligen müssen.

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