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Vor 20 Jahren: Drama in Sachsen-Anhalt

Erinnerung an Hochwasser der Elbe - Was 400 Traunsteiner Feuerwehrler erlebt haben

Über lange Menschenketten wurde Sandsäcke weitergegeben um Dämme und Deiche zu verstärken und zu verdichten.
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Über lange Menschenketten wurde Sandsäcke weitergegeben um Dämme und Deiche zu verstärken und zu verdichten.
  • VonPeter Volk
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In diesen Tagen jährte sich für die Feuerwehren im Landkreis Traunstein ein ganz besonderer Einsatz: Vor 20 Jahren machten sich 400 Feuerwehrleute auf den Weg nach Dessau, um bei der Flutkatastrophe an Elbe und Mulde Hilfe zu leisten.

Traunstein – Mit 62 Einsatzfahrzeugen brach der Hilfskonvoi am 17. August 2002 nach Sachsen-Anhalt auf, um die dortigen Feuerwehren in ihrem Kampf gegen das verheerende Hochwasser zu unterstützen. Der Hochwassereinsatz in Dessau ist der größte Einsatz, den die Feuerwehren jemals außerhalb des Landkreises geleistet haben.

Zwölf Stunden Zeit, zu planen

Der umfangreiche Unterstützungseinsatz wurde in weniger als zwölf Stunden geplant und organisiert. Die Kommandanten wurden aufgefordert möglichst viele Helfer für einen voraussichtlich einwöchigen Einsatz bereitzustellen. Über Nacht wurde in den einzelnen Feuerwehren eifrig geplant und vorbereitet.

Am anderen Morgen, am Samstag, 17. August stand die Mannschaftsstärke fest und das Hilfskontingent war gebildet. Zur großen Überraschung hatten sich 400 Feuerwehr-Freiwillige für die Teilnahme an dem Unterstützungseinsatz gemeldet.

Noch am Samstag, 17. August brach das Hilfskontingent aus dem Chiemgau auf. .Nach 15 Stunden Fahrt kam der Konvoi aus Traunstein am Sonntag um 3 Uhr morgens in Dessau an. Die Hilfsmannschaft aus dem Chiemgau wurde in einer Schule untergebracht.

Pegel bei 7,16 Meter

Zeit zum Ausruhen gab es jedoch nicht. Sofort wurden die Chiemgauer Feuerwehrler eingesetzt, um Dämme mit Sandsäcken zu verstärken und zu verdichten. 24 Stunden später, am Montag (19.8.) um 4 Uhr hatte der Pegel der Elbe mit 7,16 Meter den Höchststand erreicht (normal 2,50 Meter). Die Mulde, die im Stadtgebiet in die Elbe mündet, verzeichnete 5,30 Meter. Die Hauptaufgabe der Feuerwehr bestand darin, Dämme gegen die Flut mit Sandsäcken zu erhöhen und abzudichten.

Den Helfern aus dem Landkreis Traunstein gelang es, eine Fahrspur der A 9 in Richtung Berlin vor den Wassermassen zu schützen. Die Autobahn ist eine wichtige Verkehrsverbindung und für Dessau sowie das Umland äußerst wichtig. Unter anderem wurde eine zwei Kilometer lange Menschenkette gebildet, über die Sandsäcke bis zu gefährdeten Deichen weitergereicht wurden.

Irritierende Entscheidung

Allein im Stadtgebiet Dessau wurden 15 Millionen Sandsäcke an Elbe und Mulde verbaut. Während die Chiemgauer Feuerwehrhelfer fast rund um die Uhr im Einsatz waren, erhielten sie eine gänzlich unverständliche Meldung des Katastrophenschutzstabes des sachsen-anhaltinischen Innenministerium: Den Feuerwehren aus dem Landkreis Traunstein wurde der Einsatzauftrag entzogen.

In einer Mitteilung an Einsatzleiter Manfred Unterstein, wurde von Seiten des Lagezentrums mitgeteilt, dass bei Fortführen des Einsatzes kein Versicherungsschutz für die bayerischen Helfer bestehe. Trotz dieser Aufforderung setzten die Feuerwehrler aus dem Landkreis Traunstein ihre Arbeit noch mehrere Stunden fort.

„An einigen Einsatzstellen konnten wir nicht von einer Minute auf die andere abrücken und die Leute im Stich lassen“, begründete Unterstein das Fortsetzen der Arbeiten.

Aus für die Helfer

Das Lagezentrum sei überfordert gewesen, die vielen Helfer zu leiten und einzuteilen, so Untersteins Einschätzung in der Rückschau. Auch wenn die Hilfe der Feuerwehrhelfer aus dem Landkreis Traunstein noch dringend notwendig gewesen wäre, ordnete Unterstein das Ende des Einsatzes an.

Den betroffenen Menschen vor Ort war diese Entscheidung des Lagezentrums jedoch schwer verständlich zu machen.

Am Dienstag (20.8.) und Donnerstag (22.8.) trafen die Feuerwehrler aus dem Landkreis wieder zuhause ein. Auch wenn es anders gelaufen sei als erwartet, habe sich der Einsatz in Dessau für jeden persönlich gelohnt und die Kameradschaft verstärkt, erinnert sich Unterstein, der mittlerweile im Feuerwehr-Ruhestand ist. „Die Menschen wachsen bei so einer Katastrophe zusammen.“

In Dessau wurden die bayerischen Feuerwehrhelfer sehr herzlich aufgenommen. Die Menschen zeigten große Dankbarkeit für die Hilfe der Floriansjünger. Diese Herzlichkeit und die Solidarität bleiben als positive Erinnerung zurück.

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